Nº 294 (2016): Viele Baustellen

Das Leben findet nicht auf einer Tip-Top-Autobahn statt

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Die RadioRevolten 2. Das ist ewtas großartiges, an dem ich teilhaben kann. Etwas seltenes bis einmaliges, in das ich mich leise hineingeschlichen habe. Mit dem ich wenige bis keine Verpflichtungen eingehen wollte. Das jedenfalls hatte ich vor: nur Rezipient sein, mich dem Genuß vollständig hinzugeben. Nichts dabei in Arbeit ausarten lassen. Allein: es kam wie so oft anders als gedacht. Und nun sitze ich allabendlich im RadioRevolten-Klub und erledige die Twitter-Berichterstattung, nun übersetze ich Texte für das Revolten-Tagebuch, und bin ich vor Ort, so helfe ich auch gern bei diesem und jenem. Sitze oft mit anderen Menschen zusammen, besuche Installationen, Ausstellungen, höre verschiedene Dinge, die ich sonst nicht in der Stadt wahrnehmen kann (weil die Minisender nur zu den Radiorevolten senden) usw. usf.

Und währenddessen bleiben all die anderen Baustellen weitgehend unbearbeitet.

Sobald ich das bemerke, gerate ich in diesen sonderbaren Zustand des Zweifels. Okay, ich bin ihn ja gewohnt, insbesondere den an mir und dem, was ich tu. Zweifel. Denn das, was ich gerade erlebe, was ich gerade mache, das tut mir gerade gut, das macht Spaß, das ist ungewöhnlich bis genial. Und deshalb bin ich zur Zeit ein wenig darauf fixiert, konzentriert, beschränkt. Und in mir sitzt mein schlechtes Gewissen und keift: “Ich kann ich ja nicht so bescheuert sein und all die anderen wichtigen Sachen einfach außer Acht lassen! Das geht so nicht! Es kann nicht sein, daß ich all das, was noch zu erledigen ist, einfach liegenbleibt! Wie kann ich denn zur Zeit nicht an meinen Problemen arbeiten, sie so verdrängen, vergessen? Hallo? So geht das nicht!” Aber ich fühle mich gerade so gut, klasse, ganz, wohl … Also? Also weg mit dem Selbstzweifel, der Selbstanklage, dem ständigen Vergleichen und hinterherlaufen. Für eine Weile.

So weigere ich mich wirklich, all meine anderen Brüche, Krankheiten, Fehlstellen – Baustellen – zu bearbeiten. Damit bleibe ich meinem Vorsatz wenigstens im wichtigeren Teil treu: Ich gebe mich ganz dem Genuß hin. Und wenn jetzt jemand fragt, wie das denn sein kann, da ich ja doch irgendwie arbeite für dieses weltgrößte Radiofestival bisher, dann kenne ich meine Antwort: Auch die Arbeit für die RadioRevolten macht Spaß, so knifflig es auch manchmal zu sein scheint; und ich genieße sowohl die Arbeit als auch meinen Erfolg und das Feedback darauf, das Lob und das Danke.

Die beiden, Lob und Danke, spornen mich zur Zeit an, halten mich auf Trab, in Bewegung, in der Arbeit, im Fluß/im Flow – wie auch all die Künstler und Auftritte und Werke, die ich hier erlebe. Einmal Ausruhen vom Baustellenlärm und von der Baustellenhektik hatte ich mir verdient und soll ja sowieso auch etwas Gutes sein. Und so bin ich weg von der Autobahn und auf einem Schleichweg …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 19. Oktober 2016 waren die erledigten Dinge, die Performance im Klub, das Weiterreden.
 
Tageskarte 2016-10-20: VIII – Die Kraft.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Nº 294 (2016): Viele Baustellen

  1. petra ulbrich schreibt:

    Du bist auf keinem Schleichweg, vielleicht nicht grad auf der Überholspur der 4dpurigausgebauten Schnellstraße, aber garantiert auf dem, für dich, richtigen Weg.

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  2. Emil, du weißt doch:
    *Alles hat Seine Zeit*
    und gerade deswegen ist es gut so wie es ist.
    Segen und Grüße aus dem Bezirk Linz-Land!
    M.M.

    Gefällt 1 Person

  3. wildgans schreibt:

    Das mit anderen Menschen zusammensitzen ist dir wichtig – das finde ich hervorragend!

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  4. Frau Momo schreibt:

    Mal ganz platt gesagt, vielleicht ist auch das eine Möglichkeit, Baustellen zu bearbeiten. Das, was Du tust, ist gerade Dein Leben und vielleicht sind die Baustellen da integriert oder auch gerade mal gar nicht so wichtig, was ja auch ein Stück Heilung sein kann

    Gefällt 1 Person

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