Nº 296 (2016): Das Gegenteil von “nicht gelungen”.

Scheitern jedenfalls ist es nicht

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Eine Bemerkung vorweg ist notwendig: Das Folgende entstand in der Nacht von Montag zu Dienstag, weit vor meinem gestrigen Text und hat direkt mit ihm nichts zu tun.

 

Warum kann ich nicht einfach …

Na gut, es war ein Versuch. Und der konnte wie alles, was ich ausprobiere, gelingen oder aber nicht gelingen. Das ist ja wohl eine grundlegende Eigenschaft eines jeden Versuchs, dessen Ausgang nicht durch universelle Naturgesetze bestimmt ist; und das wiederum trifft auf Zwischenmenschliches nicht zu. In eben diesem Bereich heißt “nicht gelingen” meiner Meinung nach übrigens nicht “scheitern”, denn “gelingen” und “scheitern” sind nicht unabdingbar gegenteilige Resultate einunddesselben Vorgangs. Ich kann vielleicht der Aussage “Was scheiterte, ist nicht gelungen” zustimmen; aber “Was nicht gelang, ist gescheitert” ist in meinen Augen einfach unwahr, eine im Zwischenmenschlichen nicht zwingend wahre (sogar in den allermeisten Fällen nicht wahre) Aussage und Schlußfolgerung.

Versteht ihr das? Erscheint euch das ebenso logisch, richtig wie mir es manchmal erscheint? Und: Könnt ihr trotzdem immer dann, wenn es euch selbst betrifft, könnt ihr es dann wie ich trotzdem nicht anders denken als “es ist nicht gelungen – also bin ich gescheitert”? Ja? Aber ist das wirklich so oder fühlt es sich nur so an, weil ich diese unsinnige Parole des Kapitalismus‘ verinnerlicht habe: “Wenn Du es nicht schaffst, hast Du Dich nicht genug angestrengt”?

Ja meine Güte – als ob es nicht Grenzen der individuellen menschlichen Leistungsfähigkeit gäbe, die tatsächlich unüberschreitbar sind; und als ob es auch zwischenmenschlich nur um Leistung ginge! Das ist doch nicht so!? — Eine Beziehung erfordert zwar auch “Arbeit”, aber doch nicht um irgendeine (abmeßbare, monetarisierbare oder kapitalisierbare) Leistung zu erbringen. Sondern um sie gut und spannend und befriedigend und befreiend und befruchtend und bestärkend und und und für alle Beteiligten zu erhalten! Oder ist das (m)ein Denkfehler, der aus meiner romantisierenden Vorstellung herrührt?

Ich schrecke gerade zurück vor der Erkenntnis, wie sehr dieses Konkurrenzdenken, das Wettbewerbsverhalten in den letzten 26 Jahren in mein Denken und Fühlen Einzug gehalten hat. Es ist genau dieses gesellschaftlich (kapitalismusgesteuerte und kapitalismuskonforme) Muß, das mich am heftigsten nervt, sogar unzufrieden macht, gegen das ich (in sehr beschränktem Maße) rebelliere, gerade soweit, daß es mir nicht wehtut. Ich weiß nicht, ob es mir in einer Beziehung ausreichend gelingen könnte und/oder jemals gelang, auf dieses zwischenmenschlich schädliche Muß zu verzichten …

 

Eines jedenfalls habe ich mir abgewöhnt bzw. gewöhne ich mir jedesmal wieder und noch immer ab: die Gleichsetzung von “es ist uns nicht gelungen” mit “ich scheiterte/bin gescheitert” …

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 21. Oktober 2016 waren eine entspannte Schicht, ein Schnäppchen, ein Döner, Vergnügen mit Aki Onda und Andrea-Jane Cornell.
 
Tageskarte 2016-10-22: Die Zwei der Münzen.

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Über Der Emil

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7 Antworten zu Nº 296 (2016): Das Gegenteil von “nicht gelungen”.

  1. …. stimmt ….
    Segen!
    M.M.

    Gefällt 1 Person

  2. sag Kai schreibt:

    „Es ist nicht gelungen“ heißt ganz schlicht und einfach „Es ist nicht gelungen“. Alles andere ist eine Bewertung, die situations-, stimmungs- oder personenbezogen sein kann.
    Und viel Zufriedenheitspotential liegt darin, diese beiden Aspekte gedanklich und emotional zu trennen.
    Guter Impuls zum Morgen – danke!

    Gefällt 1 Person

  3. headnutz schreibt:

    Das ist wohl wieder so etwas, dass jeder Mensch für sich fühlt. Wenn mir etwas im zwischenmenschlichen Bereich nicht gelingt (ich zum Beispiel die Beherrschung verliere), fühle ich mich gescheitert. Objektiv betrachtet müsste ich sagen:“nächstes mal klappt es besser! “
    Leider sind die Gefühle und die objektive Sichtweise nicht immer miteinander konform. Mich verwirrt es, trotzdem werde ich wohl nie aufhören zu versuchen mich nicht gescheitert zu fühlen.

    Gefällt 1 Person

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