Nº 299 (2016): Höhensendung

Es war Wahnsinn. Aber irgendwie doch gut.

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Also war ich gestern auf den Hausmannstürmen, genauer: im südlichen Hausmannsturm der Marktkirche Unser Lieben Frauen zu Halle an der Saale. Hätte mich nicht eine gute Freundin gefragt, ob sie mitkommen dürfe – das hing dann aber auch von der Zustimmung des Gastgebers Marold Langer-Philippsen ab –, ich hätte fünf Minuten vor der Angst noch gekniffen, so übel war mir. 43 m (nach anderer Quelle sogar 60 m) über dem Marktplatz wollte ich, ICH mit DER HÖHENANGST dem Orakel drei Fragen stellen. Und dann ging es hinauf und ich mußte zu meiner Erleichterung nicht über die Brücke in der Höhe, sondern konnte im Innern vom Nord- zum Südturm queren und hatte dann “nur noch” gefühlte 2000 Stufen freistehender Wendeltreppen nach oben zu klimmen.

 

Links am Bildrand (e.p.) Der Emil. Der Rest des Bildes ist ausgefüllt mit ganz vielem Gerät und Unmengen Kabelgefitz. Im orangen Overall hinter einem Tisch voller Technik Marold Langer-Philippsen, das Radio-Orakel bei den RadioRevolten. Aufgenommen in der ehemaligen Türmerwohung über 250 Stufen oberhalb des Marktplatzes.

Links am Bildrand (e.p.) Der Emil. Der Rest des Bildes ist ausgefüllt mit ganz vielem Gerät und Unmengen Kabelgefitz. Im orangen Overall hinter einem Tisch voller Technik Marold Langer-Philippsen, das Radio-Orakel bei den RadioRevolten. Aufgenommen in der ehemaligen Türmerwohung über 250 Stufen oberhalb des Marktplatzes.

 

Dort schaute ich erstmal aus dem Fenster – und dann gab es eine Stunde Gespräch über Sprache, Denken, Dialekte u.v.m., das live im Festivalradio übertragen wurde (u.a. auch live in Brighton, U.K. via DAB+ und auf Mittelwelle 1575 kHz) und das wir fast vollständig in Englisch führten. (Ich bin tatsächlich ein Fan von Marold Langer-Philippsen und seinen audiophilen und anderen Radiokunstwerken.) Von den als mögliche Opfergaben mitgebrachten Dingen – original ABV-Trillerpfeife der Volkspolizei der DDR oder die Hundepfeife wollte das Orakel nicht – wurde eine Bambus-Maultrommel erwählt, die ich mir in Hof von meinem ersten Begrüßungsgeld in einem Eine-Welt-Laden noch 1989 kaufte und nie wirklich zu spielen vermochte. Plötzlich waren nach gefühlten 15 Minuten aber schon derer sechzig vergangen, die Sendung um und meine Nase wieder zu … Zum Putzen ging ich ausgerechnet in die Nähe des Mikrofones, daß durchs offenen Fenster die Außengeräusche aufnahm; danach war ich glücklich darüber, daß es nicht mehr “offen” war.

 

Blick von den Hausmannstürmen hinab auf den Marktlatz mit den Fahrzeugen der zusammenpackenden Markthändler; die Uhr des Roten Turms ist viel weiter unten.

Blick von den Hausmannstürmen hinab auf den Marktlatz mit den Fahrzeugen der zusammenpackenden Markthändler; die Uhr des Roten Turms ist viel weiter unten.

 

Die Freundin war dann noch draußen, lief in der fast vollendeten Abenddämmerung auch über die Brücke zum Nordturm, machte einige Fotos. Ich versuchte das Hinausgehen auch, doch weiter als mit einem Fuß, meiner Nase und meinem Bauch schaffte ich es nicht, durch die Tür zu gehen. Das ist wirklich verdammt hoch da oben, und ich – ihr erinnert euch? – habe echt Höhenangst. Nach einem Abschlußtrunk (oh, der selbstaufgesetzte Walnußlikör war de-li-kat) ließ ich vor Beginn des Abstieges auch die beiden Pfeifen für das Abschiedskonzert am 30. Oktober 2016 oben zurück.

 

Im Inneren des Turmes beim Abstieg nach unten geblickt, an der Wendeltreppe außen vorbei. Mindestens 20 m geht es da hinunter.

Im Inneren des Turmes beim Abstieg nach unten geblickt, an der Wendeltreppe außen vorbei. Etwa 20 m geht es da noch hinunter.

 

Abwärts. Wieder über ein kleines Stück Gitterrostpodest irgendwo im Höhenbereich des Kirchendachs von der schmalen gegenläufigen auf eine dann etwas breitere gegenläufige Wendeltreppe. Duch den Zwischenbau hinüber zum Nordturm, die dort rechtläufige Treppe hinab zum Ausgang. Und dann wieder unten sein. Den Blutdruck langsam wieder normalisieren, den Puls beruhigen, durchatmen, rauchen. Beinahe zwei Stunden dauerte der Ausflug in höhere Gefilde. Es besteht Gefahr, daß ich ihn wiederhole.

Vielen Dank für dieses Erlebnis an die RadioRevolten und Marold und Betty, der ich auch für die Fotoaufnahmen danke.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 24. Oktober 2016 waren der Mut, die Unterstützung durch eine Freundin, ein wirklich interesantes Gespräch, endlich wieder unten sein.
 
Tageskarte 2016-10-25: Der Ritter der Stäbe.

© 2016 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu Nº 299 (2016): Höhensendung

  1. Sofasophia schreibt:

    Du Held! Aber echt jetzt, ich ziehe meinen Hut.

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    • Der Emil schreibt:

      Mir war echt so oft nach Umkehren auf dem Weg hinauf … Und oben war es einfach wundervoll (bis auf den Hinausgehversuch). Hinab war es wieder … aber nicht mehr heftig.

      Und eine Stunde Fremdsprache … Ich brauch den Mitschnitt!!!

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  2. Arabella schreibt:

    Ach Emil, soooo gut gemacht.

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  3. sag Kai schreibt:

    Hip Hip hurrah!

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  4. Ulli schreibt:

    Das Abendfoto mit Marktplatz ist atemberaubend, im wahrsten Sinne des Wortes, denn auch ich kenne die Höhenangst leider nur zu gut- gut gemacht, lieber Emil …

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    • Der Emil schreibt:

      Das Bild wurde zwar mit meiner Knipselkamera, aber nicht von mir gemacht — ich konnte nicht da raus. Und selbst wenn ich mir die Bilder ansehe, ist da ein Anflug des flauen Gefühls im Magen (noch keine Gleichgewichtsprobleme, aber eben flau …).

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  5. Follygirl schreibt:

    WOW–was für ein tolles Erlebnis!
    LG, Petra

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  6. S(tef)unny schreibt:

    Ich erinnere mich;-) das jetzt war Höhenangstthera erster Güte ! Tschakka!

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