Nº 307 (2016): Erinnerung, Unverständnis, Bedenkenswertes.

Völlig verschiedene Sachen, die sich in mir zusammendenken

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“Nu waard dat öwer banning Tied!” So oder so ähnlich klang es, wenn meine Mecklenburger Oma zur Eile drängte. Und je knapper die Zeit, um so eindringlicher ihre Stimme. Doch ich habe von ihr auch etwas anderes gelernt. Wenn sie sich nämlich zu sehr getrieben fühlte, dann tat sie etwas, das ich als Kind nie so recht verstand: Sie setzte sich für zwei Minuten hin, trank Kaffee oder Tee oder Saft (Wasser mit selbstgemachtem Sirup aus Schwarzen Johannisbeeren war am alleralleralleroberleckersten). So lang würde alles Zeit haben “wenn’t Huus nich brennt”, sagte sie – und ich verstand es nicht, wie sie das tun konnte, wo es doch wirklich eilig war …

 


 

Heute gehe ich wie in den vergangenen Jahren auf einen der 26 Friedhöfe der Stadt (14 kommunale und zwölf kirchliche). Ein Grablicht werde ich dabeihaben und vielleicht auch etwas Grabschmuck, Reisig o. ä., und dann suche ich mir eine passende Stelle. Das muß nicht unbedingt ein Grab sein, war es aber oft, ebenso wie die Stelle der Sternenkinder auf dem Südfriedhof. Und dort halte ich inne, für zwei, drei Minuten vielleicht, vielleicht auch für fünf oder zehn. Ich werde meinen Gedanken nachhängen, an verstorbene Freunde, Bekannte und Familienangehörige denken und – ja, auch das! – beten. Heute tu ich das sehr, sehr bewußt, was ich tagtäglich schon wieder viel zu selten übe: Innehalten, mich sammeln, erinnern …

 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 1. November 2016 waren der Streß am Vormittag und Abend, eine fertige Sendung, die ersten beschriebenen Zeilen und Bestärkung.
 
Tageskarte 2016-11-02: Die Drei der Kelche.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu Nº 307 (2016): Erinnerung, Unverständnis, Bedenkenswertes.

  1. Arabella schreibt:

    Inne halten…halten ganz innen

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  2. eckstein schreibt:

    das tut gut. sehr gut. danke. und den selbstgemachtem sirup aus schwarzen johannisbeeren habe ich nun wie eine wunderschöne erinnerung auf meiner zunge.

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    • Der Emil schreibt:

      Ich weiß, daß die letzte Flasche davon (von der ich wußte) erst 2000 geöffnet wurde. Etwa 20 Jahre nach dem Tod der Großmutter holte ich sie erlaubterweise aus dem Keller meiner Eltern und hatte die Gerüche und Geräusche des mecklenburger Hofs wieder ganz deutlich in Nase und Ohr.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Fein. Und ja, das sollte ich auch öfter tun.

    ‚Öwer banning Tied‘ versteh ich leider nicht. Tied heißt wohl Zeit und öwer über, aber … magste übersetzen?

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  4. petra ulbrich schreibt:

    Ich gehe auf keinen Friedhof mehr, wenn ich nicht muss. Meine Toten sind in meinem Herzen und inne halten kann ich auf dem Klo. Nein, das ist nicht zynisch gemeint, sollte nur sagen, dass ich überall – wenn ich es denn könnte oder wollte – inne halten kann.

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    • Der Emil schreibt:

      Es ist ein — mein — Ritual, auch wegen Gunther, dessen Grab schon nichtmehr existiert (und zu weit weg war).

      Innehalten kann ich ja auch beinahe überall, und ich denke ja nicht nur heute an all die Menschen … Alleine der Anlaß (Allerseelen) verleitete mich dazu, darüber zu schreiben (und nachzudenken).

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