Nº 312 (2016): Paradoxe Zeit.

Paradoxes Ursache-Wirkung-Paar

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Die Zukunft, das, was da in Nebeln vor mir liegt: Hat sie Einfluß auf das, was mir jetzt geschieht? Das Kausalitätsprinzip postuliert ja eine zeitliche Abfolge, also daß jedes Ereignis seine Ursache in vorhergenenden Ereignissen hat, das jede Wirkung eine Ursache haben muß (und im menschlichen Verständnis existiert die Ursache zeitlich vor oder gleichzietig mit der Wirkung. Kann etwas in der Zukunft Liegendes somit überhaupt Wirkung auf etwas gegenwärtiges, etwas Gegenwärtiges überhaupt Wirkung auf etwas Vergangenes haben?

Etwas Gegenwärtiges kann doch nicht Auswirkungen auf etwas Vergangenes haben, Ursache für etwas Vergangenes sein, oder? Das ist doch unmöglich! Aber der Plan zu dem, was ich gerade tu, der hat doch mein vergangenes Verhalten dahingehend beeinflußt, daß ich mich vorbereiten konnte und eben planen konnte, genau das genau jetzt zu tun. Also hat das aus Planungszeit Zukünftige doch auf das damals Gegenwärtige gewirkt! Oder wie ist das gewesen?

 

 

Diese seltsamen Gedanken kamen mir, diese sonderbaren Fragen stellen sich mir jedesmal, wenn ich etwas plane, fest und verbindlich plane. Egal, wie lange es bis zur Ausführung des Planes dauern wird. Und deshalb saß ich gestern herum und dachte über dieses Phänomen nach, daß meine Zukunft, die ich plane, AUswirkungen auf meine Gegenwart, auf mein jetztiges Verhalten hat. Sie sind mehr oder weniger deutlich, mehr oder weniger groß; aber sie existieren doch? Meine Logik will dem noch nicht ganz stattgeben. Mein Verstand zweifelt noch daran, obwohl ich dem Kausalitätsprinzip nicht so fest verhaftet bin und daran glaube, daß es mehr gibt zwischen Himmel und Erde, mehr, als mich mein Verstand erkennen läßt. Und doch wirkt die Versachlichung aller Lebensbereiche auch in mir …

Unzufrieden lasse ich diese unvollendeten Gedanken, dieses ungelöste Problem (das für dich überhaupt kein Problem sein muß) jetzt hier stehen und wende mich erquicklicheren Dingen zu. Doch irgendwann greife ich dieses Thema wieder auf, dessen bin ich gewiß.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 5. November 2016 waren ein Besuch in einem anderen Ort, selbstgekochter Eintopf, ein gutes Buch.
 
Tageskarte 2016-11-07: Die Acht der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu Nº 312 (2016): Paradoxe Zeit.

  1. Sofasophia schreibt:

    Für mich ist es logisch, dass die Zukunft auf die Gegenwart wirkt: Nur schon die Planung von zukünftigen Reisen zeigt das doch. Es ist wie Weichen stellen irgendwie.
    Guck bei Stefunny, was Goethe einst meinte: https://stefunny.wordpress.com/2016/11/06/mit-auf-den-weg-gegeben/

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    • Der Emil schreibt:

      Das hab ich gelesen. „Die Worte hört ich wohl, allein: es fehlt der Glaube …“

      Aber ist es wirklich die zukünftige Reise, die auf die Gegenwart wirkt, oder doch nur mein gegenwärtiger Plan U mein Tun, die auf die zukünftige Reise wirken?!? Ist das so eindeutig?

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      • Sofasophia schreibt:

        Ich weiß es nicht. Für mich ist es wohl schon so, dass das Zukünftige ins Gegenwärtige wirkt, weil es ja meine Entscheidungen beeinflusst. Weil ich wegen des zukünftigen Plans zum Beispiel, etwas tue oder unterlasse, dass ich ohne den Plan nicht getan oder gelassen hätte.
        Wie das Eichhörnchen, dass wegen des zukünftigen Winters einen Nussvorrat anlegt. Oder so irgendwie …

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        • Der Emil schreibt:

          Aber … Aber … Aber tust Du es nicht doch „nur“ wegen des Planes? (Wenn nämlich etwas dazwischenkommt und Du den Plan doch nicht umsetzen kannst, dann geschieht das Geplante ja nicht — und etwas Nichtgeschehendes kann doch auch keinen Einfluß haben?

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          • Sofasophia schreibt:

            Doch. Das kann es. Jedenfalls bei mir. Nur schon die Tatsache, dass ich den Plan hatte, im Sommer am Rhein entlang zu wandern, hat mich im Frühling beeinflusst (mir Kraft und Vorfreude verliehen). Und hätten wir nicht gehen können, wäre ja diese Beeinflussung nicht nicht geschehen. (Vielleicht meinen wir aber beide etwas anderes?)
            Mein Fazit: Ich denke, dass Dinge, die in meiner Zukunft geschehen können oder werden (darum, weil ich sie mir jetzt vorstelle), meine Gegenwart beeinflussen. So irgendwie.

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  2. Heike schreibt:

    Oh, was für eine interessante Diskussion. :) Ich würde sagen, dass mein heutiges Denken an zukünftige Ereignisse meine Gegenwart und damit auch mein Handeln bestimmt und beeinflusst. Deshalb ist es ja so inspirierend, Visionen für sich selbst zu entwickeln und dann zu versuchen dieses Ziel zu erreichen. Alles, was mein Leben in eine bestimmte Richtung lenkt, findet letztlich im Hier und Jetzt statt und ich reagiere darauf. Will heißen – die Anstöße kommen meist von meinem gegenwärtigen Umfeld und ich lasse mich davon auf die eine oder andere Weise berühren oder eben auch nicht. Ich denke, die Art, mit diesen Anstößen umzugehen, beeinflusst unsere Zukunft – nicht die zukünftigen Ereignisse selbst.

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