Nº 319 (2016): Sehnsuchtsschreiben.

Täglich. Bis ans Ende.

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Ich schrieb gestern. Wie auch vorgestern. Wie beinahe an jedem Tag (außer an denen, da mein Denkicht leer zu sein scheint). Ich schreibe vielleicht nicht in den Blog. Aber ich schreibe in Kladden, auf (Schmier-)Zettel, kreuz und quer durcheinander. Sehr oft sind meine Hoffnungen, meine Ängste, meine Erinnerungen, meine Sehnsüchte Thema bei mir, außerhalb der Blogs. Es existiert sogar ein gesondertes Notizbuch für die ganz große Sehnsucht, aus dem wahrscheinlich nie Texte den Weg in einen der Blogs finden werden. Sehnsucht war wahrscheinlich damals der erste Antrieb zu den ersten Gedichten und Geschichtchen. Ist sie nur in meinem Leben so bestimmend, bestimmt Sehnsucht auch das Leben anderer Menschen so stark wie meines? Nein, niemand braucht diese Frage beantworten, denn keine einzige Antwort und auch nicht eine Gesamtheit aller Antworten würde mich weiterbringen. Sehnsucht ist auch eines der Gefühle, die ich nie loswerden, abgeben, missen möchte, vielleicht sogar das Gefühl.

Meine Sehnsucht, meine Sehnsüchte (denn es waren mehrere) richteten sich früher überwiegend auf bestimmte Menschen, ganz bestimmte Menschen, oder auf Orte, eindeutig festlegbare Orte. Heute sind es immernoch mehrere Sehnsüchte, doch die Ziele haben sich gewandelt. Von Dinglichem (in das ich Personen jetzt einmal einbeziehe) zu Nichtdinglichem, zu Gefühlen. Ja, ich habe Sehnsucht nach Gefühlen und Empfindungen, an die ich mich nur noch wenig erinnern kann. Denn die Erinnerungen daran habe ich verdrängt, absichtlich vergessen; vielleicht wurden mir einige sogar “abgewöhnt”, aber das weiß ich nicht mehr. Vielleicht sehne ich mich auch nach Erinnerungen, nach denen, die (noch) verschwunden sind?

Wenn ich das alles nur einfach niederschreiben könnte. Den Sehnsüchten Namen geben könnte. Selbst etwas zu ihrer Erfüllung beitragen könnte. Doch für die meisten von ihnen bin ich zu allein, weil sie, die ersehnten Gefühle, mit anderen Menschen zu tun haben und nur mit anderen Menschen zusammen erfüllbar sind. Zum Beispiel dieses Gefühl der Nähe …

Ganz gleich übrigens, wie schwer es mir fällt, mich deutlich, verständlich, verstehbar auszudrücken, mitzuteilen: Ich versuche es weiter. Ich schreibe weiter über diese Dinge, oder besser: ich schreibe um sie herum. Denn es ist schwierig, all das konkret zu benennen. Ein diffuses Ziehen am und im Gemüt: So fühlen sich meine Sehnsüchte an. Wie soll ich das be-schreiben? Jeder Vergleich, den ich dazu heranziehe, hinkt auf allen, auch auf nicht vorhandenen Beinen. Jede Metapher muß dabei/daran scheitern. Glaube ich. Erfahre ich. Immer wieder. Sozusagen täglich.

 

Trotzdem schreibe ich weiter an und über meine Sehnsüchte und schreibe gegen sie an. Ich werde Schreiben bis ans Ende meiner Sehnsucht. Denn das weiß ich bereits: Zu Lebzeiten möchte ich nicht, daß all meine Sehnsüchte sich erfüllen und damit enden. Ganz ohne Sehnsucht, weiß ich, kann ich nicht glücklich sein. Denn dann fehlte mir dieses Gefühl, dieses diffuse Ziehen im Gemüt, das zwar deutlich macht, daß da etwas fehlt, das auch ein wenig wehtut, das ich aber wirklich nicht ganz vermissen möchte. Und da ich mir vorgenommen habe zu schreiben, bis ich irgendwann sterbe, und da meine Sehnsüchte tatsächlich erst enden werden, wenn ich sterbe, genau deshalb werde ich das tun, was die Wortwelt auf Twitter schrieb: “Schreiben. Bis ans Ende der Sehnsucht.” Danke für diese Anregung.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 13. November 2016 waren das Ausschlafen nach einer lange schlaflosen Nacht, gute Nachrichten, ein wunderbares Gefühlswort.
 
Tageskarte 2016-11-14: Das As der Stäbe.

© 2016 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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