Nº 321 (2016): Wortbericht aus der Stiftung Moritzburg.

Das Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt

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Freier Eintritt ins Museum. Und darin die Sammlung Gerlinger, die Halle (Saale) verlassen wird (im verlinkten Artikel steht mehr dazu). Vielleicht gaben auch diese Turbulenzen einen Teil des Anstoßes für meinen Besuch im Museum.

Gesehen habe ich Gemälde und Grafiken/grafische Werke von Hermann Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff (klar! u.a. mit seinem Werk “Zwei Akte mit Negerplastik” von 1913), Erich Heckel (u.a. mit dem Holzschnitt “Schlafende Negerin” von 1910), Ernst Ludwig Kirchner, Gustav Klimt, Otto Müller, Edward Munch (u.a. mit einem sehr bürgerlichen Portrait), Karl Völker, Karl Hofer, Georg Schimpf, Christian Schad, Ernst Wilhem Nay, Franz Marc, Alexej von Jawlensky, Paul Klee, Hans von Marées, Walter Dexel, Erich Buchholz, El Lissitzky und dazu noch jede Menge afrikanischer Volkskunst und davon ispirierte figürliche Arbeiten. Wow. Im begeitend an einer Wand zu findenden Text heißt es: “Auch die Brücke-Künstler nahmen sich die formal reduzierte und ausdrucksstarke Gestaltung der Masken und Figuren – allesamt mystische Sinnbilder fremder Kulturen – zum Vorbild für die eigene Arbeit.” Genau das war in vielen der gezeigten Arbeiten zu sehen, ja, wirklich. Ich hätte ja auch gerne Fotos aus der Sammlung Gerlinger mitgebracht, aber darin ist Photographieren verboten und dieses Verbot wurde tatsächlich überwacht: ich erlebte, wie einer der Besucher noch vor dem ersten Auslösen (Handyfoto!) energisch darauf angesprochen wurde. Also ließ ich es (noch) nicht darauf ankommen.

Das Obergeschoß war nur über die Treppen im keilförmigen, freistehenden Anbau zu erreichen. Ein mir wirklich nicht zusagender Weg, da die bodentiefen geländerfreien Fenster mit Blick weit hinunter mir mit meiner Höhenangst am Gleichgewichtssinn zerrten. Aber die wenigen Feininger-Exponate wollte ich natürlich auch sehen. Und die aufziehbaren Schubladen sind noch da, in denen Lyonel Feinigers Arbeiten vor Licht geschützt aufbewahrt werden. Gelochte, aus perforierten Heften herausgetrennte (beinahe herausgerissene) Blätter nicht besonders guten Papiers sind darunter und Photograpien von 1929 … Wieviel Vorarbeit er leistete für seine Gemälde. Und in einigen Kohle- und Bleistiftarbeiten sind Frottagen seiner Zeichenunterlage erkennbar, interessante abgerubbelte Muster von Geweben und Prägungen … Und in den Boxen: Bilder von Wasja Götze, farbenprächtig, teilweise verstörend, begleitet von anderen Kunstformen und Werken anderer Künstler …

Dann endlich hinüber ins Talamt und hinab in die Gotischen Gewölbe. In einem davon ist Joyce Hinterdings “Aeriology” zu sehen: 12.000 m Kupferdraht, um die beiden Tragsäulen des Gewölbes gewickelt, sind eine Antenne, die hörbar macht, “was abrufbar in der scheinbar substanzlosen Luft liegt und nur einen Empfänger braucht, um wahrgenommen zu werden.” Ein beständiges Murmeln und Rauschen erfüllt leise das Gewölbe, ändert sich im Höreindruck mit meiner Bewegung durch den Raum. Und wenn ich weiter als etwa anderthalb Meter vom Draht weg stehe, dann sehe ich nur noch ein rötliches Flirren im Raum, der Draht verliert seine Körperlichkeit, seine Struktur, seine Sichtbarkeit. Doch das Geräusch bleibt. Noch bis Ende Januar 2017 ist diese Installation von Joyce Hinterding zu erleben, die auch Teil der RadioRevolten war.

Ja, auch die anderen Dinge im Talamt habe ich wieder angesehen. Aber nach drei Stunden wollte ich aufs Klo und wieder eine Zigarette rauchen. Also machte ich mich auf den Rückweg zum Ein- und Ausgang des Museums. Und dann tat ich es doch noch. Auch in der Austellung der Gerlingersammlung machte ich noch Bilder mit meiner Immerdabeidigitalknipse, ohne Blitz und ziemlich weit abseits stehend. Die Ergebnisse muß ich noch fertig sortieren und ein wenig nachbearbeiten (verkleinern, unscharf maskieren), dann kann ich sie hier zeigen. Aber dazu brauche ich noch etwas Zeit.

 

Am Ende schrieb ich noch ins Gästebuch: “Wir Menschen gehen viel zu selten ins Museum.” Danke auch, Stadtwerke, für die Möglichkeit, mir das alles einmal anzusehen.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 15. November 2016 waren der Museumsbesuch (ihr habt es ja gerade gelesen), viele Bilder ausgegebenes Geld für eine jetzt feststehende Reise, der Mut zur Absage eines Treffens.
 
Tageskarte 2016-11-16: Die Königin der Kelche.

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Über Der Emil

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4 Antworten zu Nº 321 (2016): Wortbericht aus der Stiftung Moritzburg.

  1. Gudrun schreibt:

    Mit Klimt, Klee und Feininger hätte ich wohl auch einen Nachmittag verbringen können. Danke für deine intrressanten Eindrücke.

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  2. petra ulbrich schreibt:

    Oh, wie du schwärmst! Die Ausstellung muss wunderbar sein. Gerade Feininger – ich liebe Feininger und die Brücke Maler besonders Franz Marc…

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  3. wildgans schreibt:

    Ob man solche Fotos hier zeigen darf, ist ´ne andere Frage.
    Ich mag solche Museumsgänge und deine Beschreibungen. Besonders den einen Namen finde ich klasse, ganz ohne seine Kunst: Joyce Hinterding.
    Klingt nach Alpenseppl oder so. Gibt feine Assoziationen. Nachher guck ich mal genauer!

    Gefällt 1 Person

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