Nº 333 (2016): Schreibsülzenkopfgelaber.

Über teilweise fehlende Destinationen

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In meinem Kopf spuken zur Zeit viele Dinge herum. Beim Schreiben, also beim Aufschreiben, kann ich manches davon sortieren, aber nichts davon ist auch nur halbwegs ausgegoren und nichts davon ist geeignet, mit Freunden besprochen zu werden. Ich weiß, das wird Widerspruch geben, aber es ist wirklich so, darüber kann ich (noch) nicht reden; und das Aufgeschriebene ist auch nicht zum Lesen freigebbar. Was gäbe ich jetzt dafür, wenigstens eine Stelle zu haben, an der ich solche verquirlte Sch…rabbel-Stammelei öffentlich hinhängen könnte. Aber das habe ich mir wohl selbst zuzuschreiben, daß es soetwas nicht mehr gibt. Jedenfalls glaube ich in grenzenloser Selbstüberschätzung, daß ich überall erkannt werden würde. Und das möchte ich mit den im Moment in meinem Hirn herumspukenden unausgegorenen Dingen eben nicht erleben. Keine Sorge, ich habe durchaus Menschen, mit denen ich wirklich über alles reden kann, wenn die Zeit dazu herangereift ist. Ich brauche zur Zeit auch keinen Therapeuten, keine Therapie, denn ich bin weder depressiv noch manisch noch psychotisch. Es ist nur sehr anstrengend, dieses Durcheinander; und manchmal sind die blubbernden Blasen des Gärungsprozesses doch erschreckend. Bin ich denn der einzige Mensch, dem ab und zu ein Furz querliegt im Hirn? Ich habe gestern sogar seit langem wiedereinmal einen beschriebenen Zettel verbrannt. Nicht in einem Ritual, nein. Das war keine Magick. Das war einfach nur der Versuch, das aus dem Kopf auf das Papier Gelangte endgültig loszuwerden. Wobei ich mir noch nicht ganz im Klaren darüber bin, ob ich auch den Teil, der im Herzen war, jetzt endlich loswurde. Das wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Meine aktuelle Kladde – also die Hauptkladde – bereitet mir übrigens auch Unbehagen. Die ist auseinandergebrochen, vorderer Deckel und Vorblatt sind ab. Allerdings ist sie noch lange nicht vollgeschrieben. Sie war nicht ganz billig, Markenware, von der ich mir mehr Haltbarkeit erwartet hatte. Es ist zusätzlich das Format “Reportageblock”, welches mich nicht ganz zufriedenstellt. Und nun? Was jetzt? Platz zu verschwenden widerstrebt mir, weiter dahineinzuschreiben ist mir aber auch nicht ganz lieb. Also frage ich mich auch da: Wohin kann und will ich schreiben? — Ein Luxusproblem, ich weiß. Aber … Noch habe ich keinen wirklichen Ersatz gefunden, suche seit Wochen danach, hier und da und dort, ergebnislos, weil ich mit nichts zufrieden bin, das ich im Handel finde. Selbermachen wäre vielleicht eine Idee, selbst ein Buch binden in dem mir passenden Format mit dem mir passenden Papier … Ach, die bleibt jetzt als Ergänzung zum Schmierzettelhaufen zuhause und in den Rucksack kommt eine andere aus meinem Vorrat. Fertig, das erledige ich heute.

Was paßt mir? Was wünsche ich mir? Was muß – oder möchte? – ich wohin schreiben? Daß ich es muß, das ist mir klar. Es drängt mich gerade mehr als bisher dazu, etwas anderes als das Novemberprojekt zu fabulieren. Endlich wieder viel mehr aus meinem Kopf, aus meinem Denkicht herauszuschaffen. Das drängt. Das stand hinter den 1000 Wörtern täglich zurück, die habe ich nämlich beinahe geschafft: am 27. November waren es 29.969, also sogar mehr als geplant. Ich kann schreiben, vielleicht nicht das, was ich mir vornehme, aber es klappt. Die Überarbeitung wird mühsam werden, was am Ende dabei wirklich entstanden ist, kann ich erst in drei Tagen oder gar viel später beurteilen. Wenn es im Dezember dann wieder die Sätze sind, die sowieso aus mir herausdrängen, die geschrieben sein wollen, und wenn es dann etwas gibt, wo ich sie hinschreiben kann, eine Kladde, ein Irgendwas, dann … dann wird sich das vielleicht befreiender anfühlen als das Schreibkorsett (ja, obwohl ich so schreiben wollte, NaNoWriMo-ähnlich, und das auch tat: es war ein Korsett, daß nicht richtig saß, zu eng geschnürt war, zu steif).

Eines aber nehme ich mir aus den Novemberprojekt mit. Nämlich die Festlegung und Einhaltung fester Schreibzeiten (wobei fest eher relativ sein wird, nämlich anderthalb Stunden nach dem Aufstehen für zwei Stunden, die zweite Zeit muß ich ausprobieren) ohne aufs Telefon oder sonstwie ins Internet zu sehen. Und ich werde auch Zeit für die Abtipperei planen, nach Möglichkeit ebenso ablenkungsfrei. Ich weiß jetzt, daß ich für etwa sechs Stunden am Tag konzentriert arbeiten kann an dem, was ich bearbeiten will. Es braucht nur noch eine Zeitspanne, in der ich das lästige Bürokratie- und sonstige Zeug erledigen werde. Aaaaah. Davor graust mir gar fürchterlich. Aber ich sehe zumindest schon/noch immer ein, daß es notwendigerweise erledigt werden muß.

 

Am letzten Novembembertag werde ich eine Lösung für das alles gefunden haben, nicht in allen Details, aber meine Schreibprobleme sind dann gelöst.

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich von 06 Uhr bis 22 Uhr bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, danke dafür.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 27. November 2016 waren das zweite gelungene Systemupgrade, die wiedergefundenen Schaltuhren, leckeres selbstgekochtes Essen.
 
Tageskarte 2016-11-28: Die Sechs der Kelche.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Nº 333 (2016): Schreibsülzenkopfgelaber.

  1. Birgit schreibt:

    oh wie kann ich dich so gut verstehen

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  2. Ulli schreibt:

    Ärgerlich mit der Kladde, ja, die kann man aber vielleicht kleben, reparieren? Und nein, du bist nicht der Einzige, dem im Hirn von Zeit zu Zeit ein Furz quer liegt und wie wunderbar, was du übers Schreiben schreibst und was dir gelungen ist und wie es dich weiterhin tragen wird, wohin auch immer noch …
    Und ja, manches muss eben in einem selbst reifen, bevor man es nach Aussen trägt- ich habe gerade auch ein paar Grübeltage hinter mir, heute bin ich aufgewacht und es ist wieder klar im Hirn und mein Blick …
    ich grüsse dich herzlich und wünsche dir eine gute Woche
    Ulli

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  3. Medienkanzler schreibt:

    Okay, Emil. Ich widerspreche nicht. Aber den Titel kannste Dir patentieren lassen ;-)

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