Nº 334 (2016): Zufriedenheit wie selten.

WmDedgT – Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

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Die Frage geistert immer mal wieder durch Kleinbloggersdorf und Bloggerhausen. Gestern war mein Tag so, daß ich ihn getrost vor euch ausbreiten kann.

 

Nachdem ich mir also gestern – besser: vorgestern kurz vor Mitternacht über einiges zu meiner Schreiberei klar war, schlief ich. Nur eine Stunde. Danach war ich wach. Ich schloß sogar das Fenster wieder, weil es hier herinnen schnell kalt geworden war, und setzte meine Zehn-Teelichter-Heizung in Gang. Dann saß ich mit einem Salbeitee – ich liebe Salbeitee! – am Schreibplatz. In meinem Schmierzettelhefter begann ich zu schreiben, frei von der Leber weg. Nicht lange, nach nur einer halben Seite (DIN A5) hörte ich auf und räumte alle Kladden aus dem Schrank, saß vor und mit denen auf dem Fußboden, blätterte in den ganz neuen, ganz leeren und las in den angefangenen. Jaja, da sind einige dabei, die einem ganz bestimmten Zweck dienen, ein ganz bestimmtes Thema haben sollten. Und es ist immer wieder überraschend, meine eigenen, teilweise mehr als zehn Jahre alten Worte zu lesen, meinen damaligen Gedanken nachzuspüren – besonders frühmorgens zwischen halb zwei und halb vier. Nach diesen zwei Stunden hatte ich mir auch drei neue Kladden heraussortiert, aus denen ich dann im Laufe des gestrigen Tages die neue wählte.

Bis halb fünf trank ich insgesamt vier Tassen Tee, schrieb sieben DIN-A-5-Seiten voll. Erstaunlicherweise in lateinischer, nicht deutscher Handschrift, und mit blauem Kugelschreiber. Drei Besonderheiten, die in den letzten Jahren nur ganz selten, und wenn sie es taten, nicht alle drei auf einmal geschahen. Sonst nämlich schreibe ich eine Mischung aus Kurrent und Sütterlin, immer schwarz, und in über 95% aller Fälle mit (Füll- oder Patronen-) Federhalter. Diese sieben Seiten hatten je ca. 140 Worte, es waren also an die tausend Wörter (exakt 987), die ich in einer knappen Stunde notiert hatte, zusätzlich zu allem anderen, was ich täglich sowieso schreibe. Danach erst war ich wieder müde genug, um in einen tiefen Schlaf zu fallen. Dieses ungebremste Losschreiben brauchte ich mitten in der Nacht, um die Anspanung (ich habe keine Ahnung, woher die mitten in der Nacht kam) loszuwerden.

Schon um Neun war ich wieder wach. Ich setzte Kaffe auf und heizte das Bad an, frühstückte, saß eine Weile in der Wanne (mit Erkältungsbad “einfach so” – ich liebe den Geruch). Nach dem Bad war es im Zimmer auch nicht mehr kalt, noch beim Aufstehen hatte ich 0 °C neben meinem Schlafsofa, weil das Fenster vom Schlafengehen bis zum Wachwerden offenstand; mehr als eine Sommersteppdecke nutze ich nachts übrigens noch nicht … Die restliche Vormittagszeit verbrachte ich schreibend und telefonierend bis zur Abfahrt in die Stadt, kurz vor eins. Von zwei bis halb sechs saßen wir zu dritt, teilweise zu viert und bereiteten eine Radiosendung vor, nahmen sie “live on tape” auf und schnitten sie sendefertig. Es war erst das zweite Mal, daß ich dieses Magazin so, auf diese Art alleine vorbereitete und dann auch die Regie im Studio hatte. Und es hat funktioniert, sogar so gut, daß ich meine vorformulierten Übergangsansagen nicht brauchte, weil wir uns alle gemeinsam immer zur passenden Zeit an die richtige Stelle diskutierten. Als das alles geschafft war, war ich wirklich richtig zufrieden mit meinen Mitstreitern und sogar mit meiner Arbeit und mit mir. Runterkommen, Anspannung abbauen war das Thema der Sendung und auch das Ergebnis ihrer Produktion: Die Anspannung war weg.

Auf dem Heimweg schlenderte ich noch durch den sehenswerten 10. Kunstraum RAUSCHICKERMANN und zwei, nein, drei Geschäfte. Den Weihnachtsmarkt habe ich noch immer nicht richtig besucht; ich hatte und habe auch noch keine Lust dazu. Kurz vor acht war ich wieder zuhause. Allerdings erwartete mich dort eine weniger angenehme Überraschung: die zwei anderen Schwibbögen waren lichtlos (einen hatte ich ja schon repariert), bei denen ist gestern Abend eine Birne durchgebrannt. Vielleicht komme ich heute dazu, die defekten zu suchen und Ersatz zu beschaffen – Vorrang aber wird heute und morgen noch das Novemberschreiben haben … Abendessen, Abendschreiben und -twittern, lesen, noch ein paar Dateien sortieren und ein paar Zettel einscannen beendeten den gestrigen Tag beinahe. Ab halb zwölf schrieb ich diesen Text hier. Und plötzlich war der Tag vorbei.

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich von 06 Uhr bis 22 Uhr bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.
 

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 28. November 2016 waren das Erkältungsbad ohne Erkältung, das Schreiben, die neue Kladde, die produzierte Sendung, die gesehene Kunst, die Zufriedenheit.
 
Tageskarte 2016-11-29: Der Bube der Münzen.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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2 Antworten zu Nº 334 (2016): Zufriedenheit wie selten.

  1. Meg schreibt:

    <3!

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