Das zweite Türchen (2016): Ein Gleichnis?

Wozu der Adventskalender auch gutsein kann.

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Meine Adventsgeschichten widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Ich wünsche allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.

 

Als ich gestern – wie sicherlich viele hierzulande und anderswo – das erste Türchen meines neben der Schlafstatt hängenden Adventskalenders öffnete, war ich gespannt auf das, was sich dahinter oder darinnen verbarg. Ein Bildchen, das mir in bunten Farben eine kleine Szene zeigt, an der ich mich freuen kann; ein Bildchen, dessen schlichte Striche mir eine keine Szene zeigen, die meine Phantasie mit Farben so füllen kann, daß es eine wahre Freude für mich ist; ein Ding, das mir immer wieder nützlich sein kann, und sei es nur als Erinnerungshilfe an etwas Schönes; eine Süßigkeit, die mir auf der Zunge zergeht oder die ich genußvoll zerbeißen kann. Das wird jetzt bis zum 24. Türchen jeden Morgen ein kleines Ritual, das mir Freude und/oder Genuß bringt (und nein, ich denke bei dem winzigen Schokoladenstückchen nicht an Diabetes oder Kalorien). Jeden Morgen birgt ein Türchen eine kleine freudige Überraschung.

 

Jeden Morgen stehe ich auf und beginne einen neuen, unbekannten Tag. Auch im Advent, vor den offenen und geschloßnen Türchen meines Adventskalenders stehend, erwartet mich ein unbekannter Tag. Doch es gibt einen kleinen, aber wichtigen Unterschied: Im Alltag stöhne ich zuerst über all die Dinge, die an einem neuen Tag zu erledigen sind, ich habe zuerst Angst (?) vor dem, was da auf mich zukommt. Jetzt sind nicht weniger geplante Sachen abzuarbeiten, es ist nicht weniger zu tun als außerhalb der Adventskalenderzeit, und doch ist da zuerst die gespannte Vorfreude auf eine kleine Überraschung, auf etwas, von dem ich nichts weiß. Es ist täglich nur eine Kleinigkeit, nichts von großem materiellen Wert, selten etwas dauerhaftes; und doch bereitet mir diese kleine, unbekannte Unbedeutendheit Freude …

Deshalb fragte ich mich gestern, ob es wirklich der Adventskalender ist, der den Unterschied ausmacht, oder ob es nicht doch meine Denkweise ist? Es gibt keinen, nun gut, fast keinen Tag, an dem ich nicht mindestens etwas Positives erlebte in den vergangenen Jahren. Ich kann es sogar nachlesen, ihr alle könnt es nachlesen, hier, fast am Ende meiner Einträge. Da steht bis auf ganz, ganz seltene Ausnahmen immer “Positiv am … war(en) …”. Es gibt also wirklich jeden Tag etwas, auf das ich mich voller Spannung freuen kann, jeden Tag etwas, das ich genießen kann, jeden Tag etwas, das mir guttut.

Wenn ich nachher, heute, irgendwann kurz nach fünf Uhr morgens, das zweite Türchen des Adventskalenders hier direkt neben meiner Schlafstatt geöffnet haben werde, dann war darinnen nicht nur Süßes oder ein Bildchen. Heute finde ich in meinem Adventskalender die Idee, daß die Tage meines Lebens nichts anderes sind als Türchen eines gewaltigen Ankunftskalenders. Jeden neuen Morgen öffnet sich eine weitere Tür, jeden Tag finde ich etwas neues Schönes, Angenehmes. Mein ganzes Leben lang. Täglich. Von heute an, eigentlich auch schon von Geburt an, doch bewußt eben erst: von heute an bietet jeder Tag eine freudig erwartbare Überraschung, jeder Tag, bis ich am Ziel meines Lebens angekommen bin.

 

Weihnachtskalender. Hohndorf. Erzgebirgskreis.
In einem beleuchteten Schaukasten in Hohndorf im Erzgebirgskreis sind 24 weihnachtliche Motive zu sehen.

 

Das ganze Leben kann wie der Adventskalender für freudig gespannte Tagesanfänge sorgen, wenn ich es richtig betrachte. Ich wünsche euch allen eine besinnliche und fruchtbare Zeit.

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich von 06 Uhr bis 22 Uhr bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 1. Dezember 2016 waren die Freiheit vom Novemberschreibprojekt, der gepackte Rucksack, die ersten Pfefferkuchen, die Unruhe, ein wesentlich verbessertes HTML-Template, zwei neue Kniffe fürs Schreiben.
 
Tageskarte 2016-12-02: XX – Das Gericht.

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Über Der Emil

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Eine Antwort zu Das zweite Türchen (2016): Ein Gleichnis?

  1. Medienkanzler schreibt:

    Jeden Morgen eine Türe öffnen mit einer kleinen verborgenen Szene dahinter? Und die kleinen und großen Szenen des Lebens dann selbst erleben? 365 Tage im Jahr? Jeden Morgen? Da bin ich aber sehr neugierig, lieber Emil. DAS gefällt mir!

    Gefällt mir

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