Das siebente Türchen (2016): Waldschrats Holzvorrat.

Im Unglück ein Glück gefunden.

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Meine Adventsgeschichten widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Ich wünsche allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.

 

 

Am Rande des Halltals lebt seit alten Zeiten in einem hohlen Baume ein bärtiger Waldschrat namens Elim. Und dort geschah eines Tages, den man morgen “Gestern” nennen würde, die folgende unglaubliche Geschichte:

 

Es war wiedereinmal kalt geworden im Halltal, was zur Adventszeit ja kein Wunder ist. Und weil es so kalt war, machte sich der Waldschrat um die Mittagszeit herum daran, einen großen Korb Holz aus seinem Schuppen zu holen. Mit den schweren Filzstiefeln an den Füßen stapfte er über den Hof, auf dem der Rauhreif im Sonnenlicht glitzerte. Im Holzschuppen stellte er seinen Korb ab und besah sich zufrieden lächelnd seine sauber gestapelten Scheite, die gewiß für mindestens zwei lange und kalte Winter reichen würden. Schließlich nahm er bedächtig immer ein oder zwei Stück Holz und legte sie in den Korb. Als der fast voll war, griff Elim wieder nach einem Scheit. Doch das ließ sich nicht so leicht vom Stapel nehmen wie die anderen vorher. Es hing irgendwie fest! Der Waldschrat zog daran und zerrte dann kräftig mit beiden Händen – und das Unglück geschah. Erst fielen – nachdem er das widerspenstige Stück in der Hand hielt – drei, vier weitere Holzscheite, die Elim noch aufzuhalten versuchte. Doch als er etwas zum Festhalten suchte, weil er dabei das Gleichgewicht zu verlieren drohte, fand er nichts Festes und fiel auf seinen Allerwertesten. Im Fallen riß der Waldschrat noch mehr Scheite mit. Da kam dann alles ins Rutschen. Mehrere Reihen des von ihm mühevoll gestapelten Brennholzes wankten, neigten sich weg von der Wand und fielen um. Elim war nach kürzester Zeit von herabfallendem Holz bedeckt und umgeben.

Tränen traten dem Waldschrat Elim in die Augen; er zitterte vor Enttäuschung oder Wut über seine Tolpatschigkeit und sah nur die in wenigen Augenblicken vergeblich gewordene Arbeit. Im Sommer und im Herbst hatte er an mehreren Tagen schweißgebadet seinen Brennholzvorrat sauber vor die Schuppenwände gestapelt, in sieben oder acht Reihen. Daraus hatte er jetzt einen unordentlichen Haufen gemacht. Wie ärgerlich! Nach einiger Zeit aber sammelte er sich wieder, bewegte vorsichtig Beine, Arme, Zehen und Finger, die von den Holzklötzen getroffen wurden. Nichts tat übermäßig weh, es war wohl nichts gebrochen. Und so wühlte der Waldschrat sich aus dem Haufen, stieg aus dem Chaos heraus und blickte sich traurig um. Ein paar Tage Mühe und Frieren standen ihm bevor, denn einen Holzhaufen im Schuppen liegenzulassen, das war nicht seine Art. Waldschrate lieben Ordnung in ihren Wohnungen und Schuppen und Kellern. Doch an diesem Tag wollte Elim kein Holz stapeln, er hatte sich dafür zu sehr über sein Mißgeschick geärgert.

Deshalb griff sich unser unglücklicher Waldschrat nur den Korb, auf dem zuoberst einige Scheite ganz unordentlich lagen, hob ihn auf seinen Rücken und … Und entdeckte etwas, das er schon lange vermißte, etwas, von dem er seit Monaten glaubte, daß es für immer verloren sei. Aus den Resten der letzten Holzreihe an der Schuppenwand ragte etwas hervor. Dunkelrotbraun glänzend. Der Knauf seines heißgeliebten Knotenstockes war dort zu sehen! Das vom Großvater übernommene Erbstück, es tauchte inmitten des Unglücks auf und versöhnte den Waldschrat beinahe ein wenig mit dem Chaos. Er stieg einfach auf den Holzhaufen, holte sich den Stock und es war ihm dabei egal, daß noch mehr der gestapelten Scheite herabpurzelten.

Mit Holz und Stock ging Elim zurück in seinen hohlen Baum. Er stellte den Holzkorb in die Küche, versäumte sogar, ihn auszuräumen. Den ganzen Nachmittag saß er, seinen Knotenstock in den Händen haltend und fernen Erinnerungen an die Winterabende mit seinem Großvater nachsinnend, vorm brennenden Kamin. Ab und zu mußte er Holz nachlegen, damit das Feuer nicht verlosch. Und nach dem Abendessen, als es draußen schon ganz Nacht geworden war an diesem Dezemberabend, machte Elim sich bettfein. Dann schlüpfte er unter seine weiche, dicke Daunendecke und löschte das Licht. Schließlich stopfte er sich die Enden seines Bartes in die Ohren – das dämpfte so wunderbar alle Geräusche des Halltals. Und während er, mit dem nachmittäglichen Mißgeschick im Schuppen schon etwas versöhnt, den Sternen am Winterhimmel beim Funkeln zusah, schlief er bald sanft ein.

 

 

Mögen euch gute Erinnerungen auch eine besinnliche Zeit geben.

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich von 06 Uhr bis 22 Uhr bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 6. Dezember 2016 waren inspirierende Gedanken für eine nächste Jojo-Sendung, eine mir geschickte Überraschung, viel Schreiberei, das abgeholte Bestellte.
 
Tageskarte 2016-12-07: Die Sechs der Kelche.

© 2016 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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7 Antworten zu Das siebente Türchen (2016): Waldschrats Holzvorrat.

  1. Sofasophia schreibt:

    Jetzt weiß ich endlich, warum Waldschrate so lange Bärte haben.
    *hüstel*

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  2. wildgans schreibt:

    Zu Deiner Frage, wo ich meine Worte her hole, gibt es bei meinem heutigen „Schuppen“ eine Antwort. Vergessen hatte ich, dass mir die Worte einfach zufliegen oder ich sie irgendwo aufschnappe…Und woher holst Du Deine sagenhaften Geschichten mit der schönen, bildreichen Sprache? Dass er sich die Enden seines Bartes in die Ohren stopft, das ist sowas…

    Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Das eine geschichte für Herz und Kinder- ich werde sie die Tage mal der Enkelin vorlesen, mal schauen, was sie meint … ich lasse es dich wissen.
    liebe Grüsse
    Ulli

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  4. Pit schreibt:

    Mit Freude gelesen! Weiterhin eine schoen und besinnliche Adventszeit,
    Pit

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