Das 19. Türchen (2016): Es wäre mir zu früh.

Richtige Momente.

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Meine Adventsgeschichten widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen. Ich wünsche allen Menschen eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Meine Kerzen brennen für alle, die Hoffnung brauchen.

 

Ich wurde heute “angemotzt”, wieso ich denn noch keinen Weihnachtsbaum gekauft habe, die Auswahl würde doch jetzt schon sehr bescheiden sein? — Ja, wenn ich durch die Stadt gehe, dann sehe ich nicht nur in Geschäften und auf dem Weihnachtsmarkt seit Wochen schon geschmückte, leuchtende Weihnachtsbäume, sondern auch in Wohnungen. Da stehen ganz in der Nähe meiner Wohnung tatsächlich schon welche seit Ende November …

Echte Weihnachtsbäume, also echte Nadelbäume, die extra und speziell für die Weihnachtszeit kultiviert werden, kommen doch von überall her. Manche von ihnen werden schon am Anfang des Novembers gefällt und dann durch die halbe Welt gekarrt. Wenn sie auf den Weihnachtsmärkten oder in den Weihnachtsbaumverkaufsstellen dann erworben werden, sind sie schon einige Wochen ohne Wasser, ausgetrocknet. Und dann stehen sie für einige Tage in beheizten Wohnungen, trocken und viel zu früh für meine Begriffe auch. Ist es da ein Wunder, daß am Weihnachtsabend oder spätestens zu Neujahr das große Nadeln beginnt? Da reicht die sanfteste Berührung, die leiseste Erschütterung, und der Baum “dangelt” (Begriff aus dem Erzgebirge; die Nadeln heißen “Dangeln”, und wenn sie herunterfallen, dann “dangelt” der Baum eben). In diesen Fällen, aus diesem Grunde verstehe ich es auch, daß viele der geschmückten Bäumchen kurz nach Silvester entsorgt werden.

Noch schlimmer für mich sind künstliche Weihnachtsbäume, also die in der richtigen Weihnachtsbaumgröße. Zwar gibt es davon verschiedene Macharten – Papier, Kunststoff; zerlegbar, komplett geschmückt verstaubar –, doch keine davon mag meine Weihnachtssehnsuch zu stillen. Ehe ich mir einen normal großen künstlichen Baum in die Wohnung stelle, begnüge ich mich mit wirklich frischen Tannenzweigen, die frühestens am 23. geholt werden und ab dem 24. Dezember in einer Vase bei mir stehen. Oder – das hatte ich auch schon mehrmals – mit einem dieser Miniaturweihnachtsbäume von etwa 50 cm Höhe über alles. Ja, das passiert. Und in diesem Jahr werde ich keinen echten Baum haben, ganz sicher nicht. Soweit habe ich mich schon festgelegt. Doch auch Reisig – also Zweige eines Nadelbaumes – hole ich weder heute noch morgen; die hole wahrscheinlich erst am 24. Dezember vormittags. Und erst dann wird auch geschmückt, gleich ob Baum oder Zweige. Immer. Erst am Heiligen Abend.

Es ist ein Ritual, das für mich zu diesem Tag gehört. Der ganze Tag ist ja sehr rituell bei den Weihnachtsfreunden. Da sind die Mettenschicht (bergmännisch-erzgebirgisch) oder/und die Christmette (aus Vigil und/oder Laudes hervorgegangen). Zu Mittag gibt es Semmeln und Kakao. Nachmittags wird der Baum geschmückt und das Festessen fertiggestellt. Punkt 18 Uhr ist Abendessen, Neuerlei vielleicht – und in meiner Kinder- und Jugendzeit begann das immer mit einem ganz bestimmten Geläut aus dem Radio (Berlin, Freiheitskirche vielleicht). Erst nach dem Abräumen des Tisches und einem kurzen Spaziergang durch die Wohngegend gab es die Weihnachtsgeschenke …

Sogar die Westpakete wurden bis zu diesem Moment ungeöffnet aufbewahrt.

 

Weil ich aus Kindheit, Jugend und eigenem Erwachsenenleben solcherart ritualisierte Weihnachten kenne, lieben gelernt habe und noch immer selbst erlebe, erscheint mir viel zu viel des jetztzeitlichen Weihnachtstreibens viel zu früh.

Alles (naja, vieles) braucht eben seine rechte Zeit, seinen ganz speziellen Moment. Für euch auch?

 

Eine besinnliche Zeit wünsche ich euch allen noch.

 

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich von 06 Uhr bis 22 Uhr bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18.Dezember 2016 waren leckeres Essen, eine erledigte, freiwillig übernommene Arbeit, schöne Musik.
 
Tageskarte 2016-12-19: IV – Der Herrscher.

© 2016 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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2 Antworten zu Das 19. Türchen (2016): Es wäre mir zu früh.

  1. eckstein schreibt:

    ja, lieber emil.
    so kenne ich das auch und so machen wir es immer noch. der baum wird in dieser woche geholt. meist frisch aus dem wald, selbst geschlagen (das ist luxus, ich weiß). er steht bei uns aus gründen auf der terasse direkt vor dem fenster. die lichter werden schon angebracht wegen der schönen stimmung. geschmückt wird dann am 24. vormittags. es gibt zum mittag kartoffelsalat und würstchen. nach einem spaziergang durchs dorf, kaffee und plätzchen ist dann ein kleiner weihnachtsgottesdienst in unserer sehr alten, sehr kleinen kirche. obwohl ich nicht gläubig im kirchlichen sinne bin, ist das immer sehr schön.
    und DANN gibts kleine geschenke. hach.
    übrigens wurden auch hier die westpakete bis zu diesem zeitpunkt ungeöffnet gelassen. witzig. :)
    auch für dich eine entspannte zeit, lieber emil <3

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  2. puzzleblume schreibt:

    Erstaunlich, wie Schaufensterdekorationen und Handel die Menschen manipulieren!
    Für mich ist der Kauf eines Weihnachtsbaums Teil der sich erwünscht langsam steigernden Vorfreude und darum frühestens ein paar Tage vor oder direkt am Vormittag des Heiligen Abends „möglich“. Noch dazu gehört für mich zur ganzen – ich nenne es mal: „inneren Tradition“ der Weihnachtsgeschichte dazu, gerade einen nicht perfekten Baum zu holen und zu dem einen besonderen Baum in diesem Jahr zu machen.
    Weil aber einige nicht nur im Garten oder auf dem Balkon einen „Zweitbaum“ haben, sondern auch im Kinderzimmer einen dritten und im Büro einen weiteren undundund … scheint sich dieses innere Gefühl für Abläufe und Geschichten allgemein langsam zu verwässern.

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