Vorm Feiertag (2017: 005)

Katastrophenstimmung

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Morgen, an Epiphanias, Heilige Drei Könige, am Dreikönigstag ist hier ja Feiertag. Dementsprechend brechend voll waren heute die Läden – denn die bleiben jetzt für Wochen geschlossen und haben übermorgen nicht schon wieder geöffnet. Es wurden mindestens die Vorrats-Vorschläge der Zivilverteidigung, pardon, des Heimatschutzes – oder wie auch immer das jetzt heißt – geholt, anders kann ich sie mir nicht erklären, die Volumina an Krims und Krams und Nahrungsmitteln und Getränken, die ich heute sah. Kopfschüttelnd stand ich zweimal an sehr, sehr langen Schlangen; und beide Male wurden vor mir zwei oder drei Mal auch weit über 100 Euro bezahlt … Wahrscheinlich kommt erschwerdend noch diese Naturkatastrophe hinzu, dieser Winter, mit dem (hier in der Stadt nicht vorhandenen) Schnee. Da schafft es niemand, eventuell Aufgebrauchtes und schon gleich gar nicht all das “Abgelaufene” rechtzeitig und in ausreichender Menge zu ersetzen.

Die Welt geht unter! Ein Feiertag mit nachfolgendem offenen Sonnabend und mit rings um Sachsen-Anhalt sowieso wegen des dortigen Nicht-Feiertages geöffneten Geschäften. Und vielleicht fallen noch ein paar Flocken Schnee! Das ist der Weltuntergang!

 

Oder vielleicht doch nicht?

Liebe Leserinnen und Leser, wie war das denn früher? Als Bäcker und Fleischer montags noch geschlossen waren, als die Läden Sonnabends noch zur Mittagszeit schlossen? Wie war das damals? Da ging es doch zu den Feiertagen mitten in der Woche nicht vorher zum Hamsterkauf, oder? Trügt mich meine Erinnerung da so sehr? Da war ein solcher Feiertag nicht anders als ein normales Wochenende, der war nichteinmal so lang wie ein Wochenende, da wurde doch nicht wie in Weltuntergangsängsten eingekauft? Ich habe überhaupt den Eindruck, daß früher, in meiner Kinder- und Jugendzeit anders eingekauft wurde. Weniger auf Vorrat, mehr nach Verbrauch. Und das liegt nicht nur am seither gestiegenen Ausstattungsgrad mit Gefriertruhen und -schränken. Und meiner Meinung nach auch nicht nur daran, daß es früher oder in der DDR weniger zu kaufen und viel weniger Dinge mit MHD gab. Aber das ist ja nur meine Meinung.

Heute habe ich jedenfalls meine zwei Stunden Schreiben am Morgen nicht geschafft. Ich konnte in der Nacht nicht einschlafen, quälte mich mit Juckreiz herum, der keine erkennbaren Ursachen hat(te). Bestimmt nur die Nerven, die mit der Umstellung noch zu kämpfen haben. Ich schlief nur knapp sechs Stunden und mußte halb zwölf los. Vor der Schicht als Sendetechniker mußte ich noch die neue Monatskarte besorgen und Milch für den Dienstkaffee kaufen. Da sah ich die Elendsschlangen an den Kassen zum ersten Mal. Im Dienst versuchte ich zu schreiben, nebenher, in den ruhigeren Zeiten, was dort gut möglich ist. Aber das ist kein Vergleich mit dem unabgelenkten Zustand am Morgen. Ich mache mir deswegen keine Vorwürfe, habe deswegen auch kein schlechtes Gewissen (“Ha! War ja klar, daß Du das wieder nicht packst!”), nein. Die Schicht war heute auch eher eine der gemütlicheren.

Auf dem Heimweg besorgte ich noch, was mir fürs Wochenende fehlte: Brot, Brathering, Sülze, Worcestersauce, Zitronen. Da sah ich zum zweiten Mal heute diese Hamsterkaufrauschmenschen. Und machte mir meine Gedanken dazu. Zu dieser Einkaufshysterie, dem sonderbaren Verhalten der Menschen mit und ohne Familie. Doch ich werde an diesem Verhalten der anderen wohl nichts ändern können.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 05.01.2017 waren das ausbleibende schlechte Gewissen, die ruhige Schicht, zwei kleinere und nun gelöste Probleme im Sender, eine interessante Absprache.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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14 Antworten zu Vorm Feiertag (2017: 005)

  1. kat+susann schreibt:

    Nun, wer weiss denn, ob die Läden nicht doch womöglich am Samstag zu sind? Wenn die Verkäufer vielleicht zu viel heilig drei König Weihrauch eingeschnauft haben und benebelt auf dem Sofa sitzen und den Markt nicht öffnen? Wer weiß das schon? Berauschte Grüße Kat.

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  2. Arabella schreibt:

    Mutter ging Freitags in die Stadt…beim Fleischer stand ich vorher an, damit sie alles schaffte. In Einkaufstaschen, die ein Leben lang hielten, trugen wir die frische Ware heim. Ohne Auto, ohne Bus…schlicht zu Fuß.
    In vielen Dingen lebe ich heute noch so;-)

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  3. Arabella schreibt:

    Am 1.Mai gab’s Bockwurst für die „Demonstranten“ und Nudelsuppe von Mutter die klug genug war daheim zu bleiben.;-)

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  4. nurbanales schreibt:

    Ich wundere mich auch immer vor Feiertagen, was alles eingekauft wird. Es ist wirklich so, als ob es anschließend nichts mehr gibt. Sohn4 und ich kaufen nur das ein was wir wirklich brauchen und dann wirds wie immer im Rucksack nach Hause getragen. Dir einen schönenFeiertag. Berlin hat keinen und wir dürfen arbeiten.
    LG

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  5. bauchundnase schreibt:

    In Sachsen-Anhalt ist am 6. Feiertag? Kenne das nur aus katholischen Gegenden. … Man lernt nie aus!
    Dann wünsche ich dir einen schönen selbigen!
    Und Hamsterkäufe an Einzel-Feiertagen werde ich nie verstehen! :( Menschen sind schon eine komische Spezie! ;)

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  6. Frau Momo schreibt:

    Na ja, nachdem die Leute gerade knapp Weihnachten und Silvester überlebt haben :-) In Hamburg ist alles ruhig, hier ist ja kein Feiertag.

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  7. Madame Filigran schreibt:

    In einigen Punkten pflichte ich dir bei, aber ich sorge immer dafür, genug Vorräte im Haus zu haben und so war es auch früher, in meiner Kindheit. Man könnte krank werden und nicht in der Lage sein, einkaufen zu gehen, oder heute, wo ich ländlich lebe, das Auto könnte kaputt gehen, dann ist es gut, etwas zu essen im Haus zu haben. Auch eingeschneit sind wir schon und mussten warten, bis Hilfe kam und waren froh über die Lebensmittel im Hause.
    Aber die Hysterie, die ich auch wahrnehme, und die übervollen Einkaufswagen stoßen mich ab. Es ist ein Unterschied, ob man von den lebenswichtigen Dingen genügend im Haus hat, oder ob man aus Hab- und Raffgier die Regale leerräumt und wahllos den Wagen vollstopft. So wie mich überhaupt die Gier der Menschen abstößt, die mit Undankbarkeit zu tun hat.
    Liebe Grüße

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    • Der Emil schreibt:

      Ich habe tatsächlich auch immer genug in der Küche, daß ich im Notfall 4 Wochen davon essen kann … Weil es Zeiten gab, in denen ich drei Wochen lang nicht vor die Tür ging …

      Ja, das Übermaß, die Maßlosigkeit ist wahrscheinlich auch bei mir das gewesen, was mich abstieß.

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  8. Frau Momo schreibt:

    Ich hab ja einige Zeit im Einzelhandel gearbeitet und dachte dann immer, nach solchen Tagen ist der Laden leer, weil die Leute alle viel zu viel eingekauft haben. Aber Pustekuchen, ein Tag nach egal welchen und wievielen Feiertagen war der Laden wieder rappelvoll, als hätten alle Weihnachten hungern müssen…

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  9. Rabin schreibt:

    Hmmm.. mal überlegen. Der Laden, wo wir normal unser Brot abholen, hat noch Neujahrsferien.. Weiter zum Metzger mit der Brot- und Käse-Ecke. Auch noch Ferien. Wie übrigens auch unser Laden für alles, was man so braucht von Kerzen bis Nägel und Werkzeug… Also weiter zum Bäcker. Der hat zum Glück (noch) offen und auch noch Brötchen. Frühstück gerettet – Weltuntergangskäufe usw. lass ich den anderen.

    Vielleicht gab es früher keine Hamsterkäufe, weil man im schlimmsten Fall immer noch zum Nachbarn gehen konnte um ein paar Eier, Zucker, Butter usw.

    Rabenhafte Grüße

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