Wenn Aufgeben ein Sieg ist (2017: 018)

Wieder etwas gelernt.

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Notiz von heute morgen

Notiz von heute morgen

 

Das Zwei-Stunden-Schreiben am Morgen:
ich gebe es auf. Heute früh habe ich es zum
vorerst letzten Mal versucht. Zu oft saß ich am
Stift kauend da, ideenlos, vor ganz unter-
schiedlichem Papier. Verschiedene Stifte habe ich
auch versucht. Aber …
 
Jeden Morgen, beinahe jeden Morgen war ich
während und nach den zwei Stunden angepißt.
Absolut unzufrieden. Es war wieder dieses Gefühl
des Versagens. Heute stellte ich mir die Frage,
ob ich mir das wirklich antun muß? Weil mir
der Frust nämlich auch die Lust an allem an-
deren Schreiben nahm. Das machte mir nun
wirklich Sorgen – und so rang ich mich
heute zur Entscheidung durch, das nicht weiter-
führen zu müssen und wollen.

 

Wenn ich mir etwas ganz fest vorgenommen habe und dann feststelle, daß mir etwas nicht gelingt, weil es nicht mein Stil ist, nicht meine Art, nicht meine Arbeitsweise, dann … Dann hätte ich das früher als Versagen bezeichnet. Doch heute früh war das anders. Weiterzumachen hätte zu weitaus schlimmeren Folgen geführt. Denn ich habe in den siebzehn Tagen nicht viel mehr als die Blogbeiträge hier geschafft, egal wie es nach außen auch aussah. So unzufrieden war ich selten mit mir und der Schreiberei. Ehrlich.

Also sitze ich nicht mehr morgens vor leeren Seiten, sondern bin wieder mit den Kladden zugange. Es war ein wunderbares Gefühl, heute vorm Discounter zu stehen und zu schreiben, was da aus meinem Kopf wollte. Endlich wieder ewtas, das nicht nur tagebüchern war, sondern Neues, Ausgedachtes, Fabuliertes. Endlich wieder. Ach, wie gut das tat. Manche von euch können sich das vorstellen …

Ab sofort geht es mir wieder besser. Weil ich mich nicht mehr zu etwas zwinge, das ich zwar will, aber nicht kann. Das habe ich jetzt eingesehen, wieder ein Stück weiter als bisher: Es reicht nicht, nur zu wollen und mich dazu zu zwingen. Es muß zu mir passen, zu mir, zu meinem Leben, es muß sich gut anfühlen. Dieses Aufgeben einer ungeliebten Routine, das war kein Versagen, das war ein Sieg. Über ein zwar gut gemeintes, aber eben nicht passendes Vorhaben. Über mich, über die Angst vor dem “Versagen”.

Ich habe heute die Angst vor dem Versagen besiegt.

Ich. Habe. Meine. Angst. Vorm. Versagen. Besiegt.

 

Uwe Haucks “Depresion abzugeben” lese ich jetzt nach dem Überfliegen (gut, gut zu lesen!) gründlich; Thomas von Steinaeckers “Verteidigung des Paradieses” war mir ab dem fünften Tag der Flucht so unerträglich, daß ich es unausgelesen zur Seite legte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 18.01.2017 waren Ausschlafen (kein Baulärm, echt), die Überwindung der Angst, wiedergefundene Schreiblust.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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5 Antworten zu Wenn Aufgeben ein Sieg ist (2017: 018)

  1. wildgans schreibt:

    Schätzungsweise in dreißig Jahren wird es keine solche gute Handschrift mehr geben! Auch sonst…

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Ja, es muss passen, auch meinen ehemals 3 Morgenseiten wurden dann irgendwann Abendseiten und auch nicht immer drei, wenn es nicht passte. Es war eine Übung und die hat sich dann in das verwandelt, was zu mir passt.
    Deine Freude ist mitreißend!!!
    herzliche Grüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

  3. Frau Sturmflut schreibt:

    Etwas zu tun, das definitiv nicht zu einem passt, kann mehr Qual als Freude sein. Und wenn man sich eh schon quält, kann es gut sein, loszulassen. Disziplin wird ohnehin überbewertet.

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