Fabulat (2017: 019)

Oder wie wird genannt, was fabuliert wurde?

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Wieder hörte ich ihn bellen. Wie in so vielen Nächten zuvor, so auch in dieser Nacht. Mich im Halschlaf hin- und herwälzend, hörte ich seine heiseren Laute: Der Fuchs, der gleich hinterm Zaun lebt, der ringsum von einem Stahlzaun eingeschlossen ist, unentrinnbar umschlossen zwischen abends sechs Uhr und morgens neun Uhr, ruft. Wen? Seine Fähe? Ihren Rüden? Den Nachwuchs, den ich vor vielen Wochen an einem hellen Abend mit einem Alttier duchs Fernglas beobachtete, in ihrer abgeschlossenen, eingzäunten Welt. Aber seitdem … Ist in diesem kleinen Stück Welt überhaupt genug Platz für einen normalen Fuchs? Das Streifgebiet umfaßt von wenigen Hektar in Städten bis zu 3.000 ha in offenen Landschaften Skandinaviens, sagt Wikipedia, der Zaun aber umschließt vielleicht zwei, maximal drei Hektar, abwechslungsreich zwar, doch zum Teil auch noch asphaltiert und bebaut. Aber mindestens ein Tier lebt dort noch …

Im Einschlafen begann ich ihn zu verstehen. Halb im Traum versunken saß ich ihm außen am Zaun gegenüber und hörte seine Geschichte. Vom Eingeschlossensein, daß er lange Zeit nicht als solches empfand, weil seine Welpen und seine Fähe bei ihm waren. Aber die verschwanden im letzten Sommer, in einem unbeobachteten Moment, da er im eingezäunten Gelände unterwegs war, Mäuse zu jagen. Da muß das Tor einmal abends sehr lange offengeblieben sein, und lauter Krach war unweit seines Baus und viel Menschen mit Hunden waren an einem Feuer zu sehen. Ja, da müssen seine Liebsten wohl geflohen sein.

Er ist jetzt allein, und wenn er sein Lied bellt, dann tut er das auch für mich, der ich ihn immer öfter von da oben – er wies mit der Schnauze auf den Wohnblock gegenüber – mit diesem schwarzgrünen Jägerding beobachte. Dann lehnten wir uns an den Zaun, aneinander und spürten durch den Metallgitterzaun jeweils die Wärme des anderen und seufzten vor uns hin …

 

 

Es gibt wirklich einen Fuchs im eingezäunten Gelände gegenüber, daß um filmrolle.schleife.zahn (Satellit oder ESRI-Satellite anzeigen lassen) liegt …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 19.01.2017 waren wieder Ausschlafen, fertige Vorbereitung, ein Dankeschön.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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2 Antworten zu Fabulat (2017: 019)

  1. Ich dachte gerade daran, dass Füchse doch graben können und erhoffte mir, dass es ein einfacher Maschendrahtzaun, ohne Betonfundament, sei und er sich einfach durchbuddeln und abhauen könnte. Dann vergrößerte ich die Karte und sah, dass das Rückzugsgebiet für Wildtiere verdammt eingeschränkt ist. Straßen, überall. Vielleicht schafft er es in die Heide.

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    • Der Emil schreibt:

      Ich glaube schon, daß sie — alle Füchse — auch einen Weg nach draußen wissen, entweder über die Gleise zum Bruchsee hin oder über die Straße (es ist eine mäßig befahrene) in die Heide. Seit ich hier wohne, dürfte das schon die zweite oder dritte Generation sein, die im seit einigen Jahren eingezäunten Gelände lebt.

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