Sinn: verborgen & paradox (2017: 027)

Routine ist Freiheit

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Ich bin so frei und laß euch mal beim Denken zusehen/mitlesen bzw. nachlesen:

 

Eine wohltuende Routine könnte es sein: Kaffee, Brötchen, Kippe, Rechner, Stift und Zettel. Ideen nachspüren. Wörter notieren. Zusammenhanglose Buchstabenfolgen, die jede für sich eine Bedeutung haben – nur so, wie sie jetzt beieinanderstehen, sehe ich absolut keinen Sinn, keinen, der sich mir auf den ersten Blick offenbart. —— Ich bin ja bestimmt nicht der einzige, der hin und wieder (also nahezu täglich) genau danach sucht:
 
        Der verborgene Sinn.
 
An der Stelle muß etwas anderes für mich schon längst klar sein: Was es auch ist, das mich beschäftigt, mit dem ich mich beschäftige, es muß einen Sinn – nein nein, nicht machen, denn nichts “macht” einen Sinn, manches ergibt einen Sinn – haben. Es muß! Sonst würde ich doch nicht nach einem verborgenen solchen suchen?!

Eine Routine ist es. Doch wohltuend ist sie nur selten, diese Sinnsuche (wiewohl es ihr Ergebnis schon manchmal sein kann). Irgendwann hat nämlich irgendwer oder irgendetwas dafür gesorgt, daß ich in nahezu allem nach etwas Verborgenem suche. Oft nach dem Sinn, häufiger nach einem Haken. Wenn ich bemerke, daß ich letzterem viel mehr Aufmerksamkeit widme als der Sache an sich, dann … Nun gut, ich habe in langen Jahren gelernt anzunehmen, zu akzeptieren, auch in Dankbarkeit und Demut. Das versuche ich in solchen Fällen in den Vordergrund zu stellen, und es gelingt mir immer wieder und sogar immer öfter.

 

Ha! Da dämmert es mir, da erschließt (erschließen, welch ein Wort) sich mir etwas. Denn: Es ist eine wohltuende Routine. Kaffee, Stift, Zettel, Rechner, etwas essen und ein Zigarette. Ganz besonders wichtig ist ausreichend Zeit dafür: mindestens zwei Stunden, besser noch mehr. Zwanglos kann ich dabei Ideen nachspüren, muß jedoch nichts aufschreiben, nicht einen Buchstaben, nicht ein Wort, keinen einzigen Satz. Frei vom (selbstauferlegten) Zwang aber schwindet die Zähigkeit im Kopf nach und nach, der Kopf und der Blick werden klarer, und mit genügend Kaffee verdünnt fließen dann auch die Gedanken, sprudeln manchmal sogar. Dann kann ich sie beobachten, ihnen nachspüren, sie aufschreiben wie diese hier.

Am Ende dieses Textes bin ich doch wieder beim Sinn, beim verborgenen, den er ganz unvermittelt hat: während des Schreibens nämlich erkannte ich, was es doch für ein Glück ist für mich, diese Zeit und Ruhe morgens zu haben, mir nehmen zu können und nutzen zu können. Zum denken, lesen und schreiben, und zwar ganz zwanglos. Das ist doch etwas von dem, das Freiheit genannt wird?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 27.01.2017 waren bisher morgendliche Erkenntnis, ein Flow, ein Bad – und wahrscheinlich kommt da noch mehr, denn ich sitze jetzt bei der allerallerallerbesten Freundin.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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3 Antworten zu Sinn: verborgen & paradox (2017: 027)

  1. Kai schreibt:

    Der Satz „Routine ist Freiheit“ gefällt mir ausnehmend gut. Er stört auf den ersten Blick, öffnet sich aber für die Interpretation – und jeder darf seinen Schluss daraus ziehen.

    Gefällt 1 Person

  2. Ulli schreibt:

    Zwanglos bedeutet für mich aus freien Stücken und ist somit Freiheit, oder ist wenigstens ein Bestandteil von ihr.
    Ich durfte einmal eine Erfahrung machen, die lautete: Regeln befolgen ist Freiheit – ähnlich paradox wie dein Routine ist Freiheit … manche Wahrheiten lassen sich eben auch im Paradox finden, auch wenn sie nur persönlicher Natur sind!
    herzliche Abendgrüsse
    Ulli

    Gefällt 1 Person

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