Nebel und Fortschritt (2017: 037)

Irgendetwas haben sie miteinander zu tun

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Die Welt ist schmutzigweiß grau, undurchsichtig. Jedenfalls draußen vor dem Fenster. Sind das aufliegende Wolken oder ist das nur Nebel oder Hochnebel? Wodurch unterscheiden sich diese beiden Phänomene eigentlich? Er wirft eine Suchmaschine an – Nebel und Hochnebel sind beides Wolkenformen, Formen der sogenannten Stratus; es geht zusätzlich irgendwie um eine morgendliche Sichtweite von unter einem Kilometer. Und dann wird die Sichtweite größer und die Wolke mit dem Namen “Nebel” steigt nach oben und wird Hochnebel – bleibt aber Wolke. Aha.

Das Wissen um das, was da vor seinem Fenster ist, macht die Aussicht nicht besser. Für die Jahreszeit ist es viel zu warm; und Schnee fehlt auch. Die Kinder haben doch jetzt Winterferien, ohne Winter, ohne Schnee. Kein Schlitten, keine Schneeschuhe, keine Schneebälle. An was werden sich diese Kinder erinnern, wenn sie sich, wie er jetzt, an ihre Winterferien erinnern? Schneemänner hat er gebaut als Kind. Ganz klassische mit Möhrennase und Knöpfen aus Kohlestückchen. Selbst die aber sind heutzutage kaum noch bekannt bei den Kindern. Kohlestückchen. Einfache, zerbrochene Brikett. In einer Stadt wie hier?

Da ist wieder sein Zweifel. Am Fortschritt. Am technischen und ökologischen (falls es einen solchen überhaupt gibt) Fortschritt, an den ständig hergebeteten Verbesserungen. Da gab es mal dieses Lied, “Alles wird besser, alles wird besser! Aber nichts wird gut.” Von Tamara Danz gesungen, jaja, ein typischer DDR-Song. Fortschritt jedenfalls, so überlegt er, läßt viele schöne Dinge in Vergessenheit geraten. Im Nebel der Vergangenheit und der Erinnerungen daran verblassen. Den Geruch des gerade im Ofen entzündeten Holzes zum Beispiel. Die besondere Wärme eines Kachelofens und das Singes des Ofentopfs. Und Schneemannbauen mit Kohleknöpfen.

Wann hatte er eigentlich zuletzt Bratkartoffeln gemacht?

 

 

Im Grau sind Silhouetten von Gebäuden zu erahnen.

Im Grau sind Silhouetten von Gebäuden zu erahnen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.03.2017 waren erledigte Hausarbeit, ein Telefonat am Vormittag, gefaßte Pläne.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu Nebel und Fortschritt (2017: 037)

  1. Arabella schreibt:

    Kohle gibt es jetzt sauber in Tragepacks im Baumarkt. Wenn’s ganz kalt wird legen wir am Ende des Abends nach dem Holzfeuer ein paar in den Kamin…

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  2. Elvira schreibt:

    Die Kinder werden sich einfach nur anders erinnern als wir, ihre eigenen Erinnerungen mitnehmen. Ich erinnere mich an kalte Außenklos, vermisse sie aber keineswegs. Die Kinder hier in Berlin hatten Schnee in ihren Winterferien, die seit gestern vorbei sind. Zwei meiner Enkel, beide in den Ferien krank (sie gehen zwar noch nicht in die Schule, haben aber immer gemeinsam mit ihrer Lehrermama Kitaferien). Sie wurden warm eingepackt und dann ging es hinaus in den nahen Park zum Schneemanbauen. Mein Sohn hatte ein Foto getwittert. Der weiße Mann saß auf einer Bank. Ohne Möhre, ohne Kohlenstückchen, aber mit einem gelben Kopfschmuck. Die Schneemänner und Schneefrauen werden eben auch immer individueller. Und was den Geruch von verbrennenden Holz betrifft, so ist das sicher auch ein Grund für die vielen Kamine, die sich Menschen in ihre Häuswr setzen lassen, in denen es durch andere Heizformen ausreichend warm ist. Ich meine hier nicht diese Fakekamine, sondern echte, in denen das Holz knistert und knastert. Sohn 2 hat im letzten Jahr einen einbauen lassen. Es ist eine wunderbare Atmosphäre. Selbst an ein Fach für die Bratäpfel hat er gedacht.

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  3. Ulli schreibt:

    ich habe es schon oft gedacht und vielleicht habe ich es dir sogar schon einmal geschrieben (?), oft denke ich, dass du eigentlich aufs Land gehörst, wo du wieder Holz für den Ofen machen kannst und dich im Winter an seinem Feuer und Knistern erfreuen kannst! So, wie wir hier und ich bald mit einem grossen Ofen für meine neue Wohnung, inclusiver Sichtscheibe (die gab es ja leider früher nicht) und damit täglichem Feuerkino, darauf freue ich mich jetzt schon!
    Und heute … bauen die Kinder immer noch Schneemänner, mit Möhrennase, aber mit Steinchenaugen …
    herzliche Grüsse
    Ulli

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  4. karfunkelfee schreibt:

    Ah, das Tarot.
    Spannend, immer wieder.
    Ich sah letztens so einen Schneemann mit Kienäppeln als Augen, einem alten Drahtschutzgitterchen als Mund und einer Schwarzbananennase und diese obendrein krumm. Ich hatte kein Blitzdings mit, sonst hätte ich auch noch das dazugehörige Dunkelköpfchen geknipst. War mit drei anderen so am werkeln. Da haute ich schnell an bevor ich das Unterfangen ‚Kunst an Schnee‘ hätte unterbrechen und stören können.

    So eine Nebelkäseglocke drückt hier auch seit Tagen den Luftdruck in die Niederungen des Gemüts.

    Halt Dich wacker✨

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  5. Ich habe auch schon drei Jahre keinen Schnee mehr gehabt. Dabei prophezeien die hier bei mir jeden Herbst einen Jahrhundertwinter … Pott, schneefrei.

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