Der Hort eines Textdrachens (2017: 038)

Tagesablauf und Ordnung.

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Einen – nein, was ich schreiben wollte, stimmt ja gar nicht. Denn ich hatte heute keinen faulen Tag. Obwohl ich nicht ein einzges Mal die vielen Stufen im Haus hinab- und sie deshalb auch nicht wieder hinaufstieg. Und auch, wenn ich von den noch zu erledigenden Hausarbeiten (das Weihnachtszeug steht seit Tagen in einer Ecke das Zimmers und wartet auf das Wegräumen) nicht viel erledigt habe: Nein, der Tag war nicht faul.

Mitten in der Nacht nämlich begann er, dieser Tag, nach nur zweieinhalb Stunden Schlaf. Ich war wach vor eins. Ohne offensichtlichen Grund. Und ich schrieb. Schrieb erst den einen, dann einen zweiten Text, Ein Gedicht wurde es auch noch. Zwei oder drei Handlungsskizzen entstanden, stichwörtlich notiert, die auf ihre Ausformulierung noch warten müssen. Und viele einzelne, beinahe aphoristische Sätze habe ich gekritzelt. Und noch eine Miniatur. In Kladden, auf Schmierzettel und zum Teil in einfache Textdateien auf dem Schmahrdfohn. Das alles steht nicht wirklich in erkennbaren Zusammenhängen. (Irgendwie wie beim Buchfink: Da nehme ich Bücher o. ä., aus denen ich “irgendetwas” vorher nicht wirklich festgelegtes vorlese, dazu habe ich mir ein paar Lieder herausgesucht. Und dann, im Sendungsablauf, den ich spontan geschehen lasse, fügt sich doch immer irgendwie alles zueinander. Oft verstehe ich auch im Nachhinein nicht, wieso das so wunderbar zueinander paßt.) Ich schrieb von kurz nach Mitteracht bis morgens um fünf, wechselte den Schreibplatz, das Papier, die Stifte. Und schrieb. Bis fünf Uhr morgens. Dann endlich war der Druck im Kopf weg, der nicht unangenehm war, mich aber so lange zum Schreiben drängte. (Und gescannt habe ich nebenbei auch wieder.)

Nicht lange danach war ich eingeschlafen. Etwa um Neun wurde ich einmal kurz wach, weil die Fahrstuhlmonteure mittlerweile im achten und hier im neunten Stock Schlagbohrmaschinenarbeit verrichten. Na und? Das störte mich nicht. Ich schloß das seit abends offene Fenster, drehte mich zur Wand, sortierte mich und meine Steppdecke in die immer komplizierter werdene Heimatschlafstellung und wurde vom Schlagbohrmaschinchen sanft in den Schlaf gesäuselt. Erst kurz nach 13 Uhr endete meine Nacht. Oder der Schlaf. Ich bin ja sowieso keiner, der am Regelarbeitstag sich orientieren mag, ich Nachtmensch, der ausnahmsweise einmal nicht morgens um drei oder vier einen Tag beendete, sondern gestern schon um Zehn zur (ersten) Ruhe ging.

Statt Frühstück gab es eben Mittagessen. Und dann ging es an den Rechner, an die Rechner. Schreiben. Was sonst. Musikdateien bearbeiten. Scannen. Lesen. Telefonieren. Überhaupt Kommunizieren. Eine Pause in der Wanne – aber auch dort waren Papier und Stift mit. Bruchtstücke, Satzfetzen, Anfänge und anderes.

Und dann habe ich heute tatsächlich ein Problem erkannt. Es ist zu viel zu Unterschiedliches, das sich bei mir sammelt. Wie sortiere ich das? Für verschiedene Blogs habe ich verschiedene Projektordner. Auch für andere Texte gibt es Ordner auf meinen Rechnern, die – natürlich – synchronisiert werden. Ich habe also vier Geräte, mit denen ich auf identische Textbestände zugreifen kann. Und zwei Sicherungen, die ich etwa aller zwei Wochen aktualisiere. Und doch: Was wird aus all den Skizzen, Anfängen, Einzelsätzen und -wendungen, wo lasse ich die? Und zwar am besten so gespeichert/aufbewahrt, daß auch eine mehr oder weniger gezielte Suche im Haufen möglich ist?

 

Semantische Indizierung, lexikalische Sortierung, thematische Gruppierung, fraktale Segmentintegration nach Morphemen? Hilfe! Wie sortieren, nutzbar durchsuchbar machen?

 

Einige Zeit habe ich auch darüber nachgedacht. Einige Zeit. Und mich dann dafür entscheiden, es bei verschiedenen Kladden und diversen Zettelhaufen zu belassen. Vergesse ich etwas, dann ist das in Ordnung so. Finde ich etwas nach längerem Suchen in meinem Chaos wieder, dann ist das in Ordnung. Finde ich etwas nicht, dann ist auch das – ihr vermutet richtig – in Ordnung. Wahrscheinlich ende ich, ähnlich wie Der Spülmaschinenkommunist, seine geschirrtechnische Identitätslosigkeit, irgendwann als Textkommunist, der alles mit vielen zu teilen vermag und ansonsten einfach weiter hortet – einen Hort anlegt, d.i. etwas schafft, (Ort, Institution und so weiter), das einem geistigen Gut oder dergleichen einen besonderen Schutz zuteilwerden läßt (laut wiktionary) allein durch das herrschende Chaos der Undurchsuchbarkeit?

Und nachdem ich Irgendlinks Text las und mich an seine Sommerküche erinnerte, war ich mir grad sicher: Es ist alles gut genug sortiert so wie es ist. Ich bleibe bei der Haufenisierung meiner Texte. Ganz wie so ein alter Drache es mit seinem Golde machte …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 07.02.2017 waren die vielen Worte, nette Texte, ein weiterer Plan.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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Eine Antwort zu Der Hort eines Textdrachens (2017: 038)

  1. Ulli schreibt:

    Während ich deins lese, denke ich an die Uhren ohne Zeiger und das Schriftsteller (vielleicht) Penner sind- siehe dazu meinen heutige Buchbesprechung- ich denke auch an Patti Smith, die in Cafés sitzt und auf Servietten schreibt, die sie dann manchmal zerknüddelt in der Manteltasche wiederfindet oder auch nicht, sie findet Sätze, manche lassen sich einordnen, andere stehen und bleiben für sich.
    Schön, dein Sein mit den Worten, Dateien, Ordnern, Kladden, Zetteln und so … so ist das, auch bei mir und doch auch wohl sortiert im oberflächlich betrachteten Chaos.
    Herzliche Grüsse von Schreiberling zu Schreiberling
    Ulli

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