Geräuchert (2017: 040)

Und zwar kalt.

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In der Tonne brennt Holz. Fünf halten ab und zu die Hände über die Flammen, um die klammen Finger etwas aufzuwärmen. Dann drehen sich die Zigaretten leichter. Der Rauch des Feuers brennt in den Augen, mischt sich mit dem Geruch des Tabaks. Husten ist zu hören. Hin und wieder huschen Worte hin und her, scheinbar zusammenhanglos, sich in ihren Bedeutungen und Sprachen überkreuzend. Die Hunde streichen durch das Gelände, halten sich aber vom durchaus wärmenden Kreis um die Tonne fern. Kann sein, sie haben mit den fliegenden Funken schlechte Erfahrungen gemacht. Auf Stüheln neben der Tonne stehen Tassen mit Kaffee oder Tee. Alkohol ist hier nicht üblich.

Nach einer Weile ist es zu kalt, die Fünf legen kein Holz mehr in der Tonne nach und gehen zu den Wagen. In denen brennen die Öfen; drinnen ist es mollig warm. Heute geht es höchstens zum Kochen nocheinmal hinaus oder zur Toilette. Einer setzt sich an seinen Schreibtisch. Zu hören sind das Knacken der Scheite im Ofen, das Rascheln des Stiftes auf Papier und ganz leise Musik aus einem Radio. Es riecht nach dem Holz der Innenverkleidung und Lagerfeuer.

 

 

So stelle ich mir einen dämmernden Nachmittag vor, bei -2 °C und Wind …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 09.02.2017 waren der Einblick in ein anderes Leben, eine gute Idee, ein Besuch bei bisher Unbekannten.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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4 Antworten zu Geräuchert (2017: 040)

  1. wildgans schreibt:

    Ein bisschen obdachlos, das geht nicht! Einfühlsame Beschreibung!
    Wie geht das: bisher Unbekannte besuchen?

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  2. Gudrun schreibt:

    Deine Geschichte erinnert mich an ein Wintergrillen im Hinterhof einer alten Fabrik in Leipzig. In alten Tonnen brannten Feuer. Es war krachend kalt und dennoch gut und erwärmend. Und irgendwie hatte es etwas von einem Vagabundenleben.

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