Die Sprünge im Schnee (2017: 042)

Von einem Gedankengang zum anderen

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Über Nacht wurde die Welt vor meinem Fenster doch noch einmal komplett überpudert und zeigt mir beim AUfwachen, wie Winter sein könnte. Ja, nur könnte, nicht “ist” – denn diese dünne Schicht verschwindet, nein, sie verschwand bald wieder. Nicht vollständig, denn es ist kalt geblieben; und nur in der Sonne oer dort, wo Salz gestreut wurde (pfui, das sollte schon wegen seiner giftigen Wirkung auf Bäume und Sträucher am Straßenrand unterbleiben) ist sie weg. Die verbliebenen weißen Flächen geben mir Anlaß und mein “freier” Tag Gelegenheit, über meine Sehnsucht nach Schnee nachzudenken. Wieso überhaupt “nach”-denken? Das ist doch … Das ist doch wie beim nachspüren: einer Sache hinterherspüren, im Sinne von … Ja, in welchem Sinne? Hinterher im örtlichen Sinne, folgend einer Richtung, gar ver-folgend? Oder zeitlich gedacht? Also zu einem späteren Zeitpunkt (später als alle anderen, die schon längst Erkenntnis gewannen aus ihrem Denken)? Nun, über meine Sehnsucht nach Schnee denken klingt spröder, ungewohnter als nachdenken, sagt vielleicht etwas anderes aus … Ich nehme jetzt die Kombination “nachdenken über” in der Bedeutung “eigene Denkprozesse zum angegebenen Ding zulassen” als festehende Wendung hin, die nichts, für mich jedenfalls nichts mit Zeit und Richtung zu tun hat.

Also zurück zum Schnee, diesem kalten, weißen Zeug da draußen. Mich wundert es, daß so viele Menschen jetzt schon wieder Frühling haben wollen. Viele von denen möchten dann trotzdem in den nächsten Wochen noch zum Schifahren in die Berge … Der Winter ist noch lange nicht vorbei und er hat seine Funktion im Jahreslauf. Ist er zu kurz oder zu warm, fehlt seine Wirkung auf die Pflanzen- und Tierwelt. Wenn bei Kälte der Schnee fehlt, so nehmen Pflanzen und Tiere sogar Schaden. Und wenn der Schnee fehlt, dann ist es für mich mittelgebirgskindheitvervöhnten Opa eben auch nicht Winter, sondern nur kalt. Warum aber fehlt mir das so sehr? Gerade der Schnee? Liegt es an den angegebenen Vernunftsgründe, liegt es an meinen Erinnerungen?

Ich lege mich fest. Es sind meine Erinnerungen an glückliche(re) Zeiten. Und meine Befürchtung oder Annahme, daß den Kindern heute dieses Glück entgeht, da ihnen der Schnee fehlt zu all dem Unfug, den wir damals im Schnee trieben. Zum Herumtollen und -toben. Vielleicht ist da auch ein Wunsch, selbst mal wieder kindlich zu sein und einen fetten Schneemann zu rollen … (Aber zufrieden bin ich damit nicht, mit diesem Erklärungsversuch für meine Sehnsucht nach Schnee.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 11.02.2017 waren der Schnee am Morgen, leckerer Möhreneintopf zu Mittag, ein schöner Dialog Nachmittag.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zehn der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Die Sprünge im Schnee (2017: 042)

  1. Pit schreibt:

    Darf ich rueberkommen und mich im Schnee waelzen? Hier ist strahlender Sonnenschein bei 28 Grad!

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  2. Arabella schreibt:

    Schnee macht die Kälte lebbar, er bringt Stille und sorgt mit seiner weißen Schönheit für innere Harmonie.

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  3. petra ulbrich schreibt:

    Wir Menschen wollen doch immer das, was wir nicht haben! Es soll schön sein und die Sonne soll strahlen – das Elend überdecken.

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  4. Ulli schreibt:

    Schnee bedeutet für mich immer wieder Frieden, Stille und weiche Formen, bedeutet rodeln, Schneefiguren bauen und einen Schneeball auf die Enkelkinder werfen und sie auf mich. Durch den Schnee stapfen heisst auch mit rot gefrorener Nase und kalten Füssen wieder in die warme Stube zurückkommen und sich auf ein wärmendes Getränk zu freuen.
    Schnee bedeutet für mich aber auch, die leise Regsamkeit ab Februar unter ihm zu spüren, die die Vorfreude aufs Schmelzen und den Frühling schüren …
    herzliche Sonntagmorgengrüsse an dich
    Ulli

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