In der Straßenbahn erlauschte Vergangenheit (2017: 048)

Die Weisheit des “einfachen” Volkes

To get a Google translation use this link.

 

Ohne Absicht. Aber das Gespräch direkt neben mir in einer Tram der Linie 4 kann ich nicht überhören. Eine Frau und ein Herr, beide sichtbar über sechzig, sprechen über Alzheimer; sie siezen sich dabei. Und dann sagt er, mit schlechten Zähnen, schlecht rasiert und in abgerissener und doch sichtlich gepflegter und reparierter Kleidung (wörtlich wiedergegeben, weil ich es gleich notierte):

 

 

» Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, die nicht dem Vergessen anheimfallen darf. «

 

 

Ist das ein geflügeltes Wort, ein Zitat? Diverse (Meta-)Suchmaschinen (außer Gockle) geben darauf keine Antwort. Es kann also ein Satz aus dem Volksmund sein (das nehme ich an), oder doch einer aus seiner Lebenserfahrung, seine Conclusio zu den vorher besprochenen Hilfen und Hilflosigkeiten, die anscheinend beide mit Demenzerkrankten hatten und haben … Laßt uns diesen Satz zu einer Volksweisheit machen!

Und wenn auch nicht die ganze Vergangenheit, so sind doch einige Bestandteile jedes Menschen Vergangenheit es wert, für die Nachwelt bewahrt zu werden. Wirklich jedes Menschen, auch Teile Deiner und Deiner und ihrer und seiner und Deiner Vergangenheit. Ich bin mir da ganz sicher. — Aber was meint ihr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 17.02.2017 waren die verlängerte Frühschicht nach vier Stunden Schlaf, 78 aus der digitalen Bemusterung heruntergeladene Alben, der tatsächlich fast komplett geschaffte Haushalt.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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8 Antworten zu In der Straßenbahn erlauschte Vergangenheit (2017: 048)

  1. Ulli schreibt:

    Ich teile deine Meinung!
    herzlichst
    Ulli

    Gefällt 2 Personen

  2. wildgans schreibt:

    „anheim fallen“ – das gefällt mir rein so vom Ausdruck her.
    Und etwas in mir sträubt sich dagegen, dass es auch gelten soll für üble Nazis, Folterer, Menschenschinder…?

    Gefällt 1 Person

  3. Elvira schreibt:

    Das könnte von mir sein, nicht der Wortlaut, aber der Inhalt, wenn auch in einem anderen Kontext. Wenn Kolleginnen, Ärzte oder Stationsschwestern wieder über einen alten und nervenden Patienten sprechen, dann mische ich mich gerne ein (auch wenn er/ sie wirklich nervt). Eine befreundete Apothekerin meinte einmal zu mir, dass sie im Laufe der Jahre eine Allergie gegen alte Menschen entwickelt hat. All denen sage ich dann, dass diese Menschen auch einmal jung waren, verliebt, bekümmert, dass sie tanzen waren, arbeiten, vielleicht Eltern, ihre Höhen und Tiefen erlebt , gelebt haben. Dass ich nicht nur die runzelige und verhärmte Faru vor mir sehe, nicht den gebeugten Mann mit dem ewigen Tropfen an der Nase, sondern in ihnen Menschen sehe, die eine Vergangenheit haben.

    Gefällt 2 Personen

  4. Medienkanzler schreibt:

    Große Worte. Sehr wahr. Ich finde, auch die Fehlgeleiteten verdienen Erinnerung. Ja, sie sind Männer, Frauen, Eltern, Kinder. Als Menschen sind sie auf furchtbare Weise gescheitert und haben Schuld auf sich geladen. Ein schreckliches Beispiel für uns Nachgeborene, das gerade deshalb nicht dem Vergessen anheimfallen darf. Wir sollten mit Brecht der finsteren Zeit gedenken, der wir entronnen sind und ihrer mit Nachsicht. Jetzt sind wir dran! Welche Erinnerung hinterlassen wir?

    Gefällt 1 Person

  5. Der Emil schreibt:

    Ich vermute, irgendjemand hat diesen Satz bei PlagAware nachschlagen lassen. Das Ergebnis würde mich sehr interessieren …

    Gefällt mir

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