Alt genug. (2017: 051)

Generation Heizkissen.

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Ich bin jetzt alt. Und nichts und niemand mag mich gerade.

Halt. So ist es ja nicht. Aber: Ich habe mir heute ein Heizkissen gekauft. Im Alter von 53 Jahren kaufte ich mir ein Heizkissen. Ich. Und irgendjemand sortiert Kommentare in den Spam, die da nicht hingehören. Und ich merke es viel zu spät. Wie so ein Tatt…

 

Noch mal von vorn.

Wenn mir etwas Unangenehmes bevorsteht oder geschieht, dann schlägt mir das auf die Nieren, wortwörtlich, schon seit Kindheit und Jugend. Ich hatte und habe dann wirklich Nierenschmerzen. Gegen die half mir bisher immer eine schöne (zuletzt gelbe) Gummiwärmflasche. Nun wollte ich es etwas bequemer haben und habe mich technisch aufgerüstet. Heute Abend saß ich am Tisch und probierte das Heizkissen aus, ausgiebig, zur Zufriedenheit. Mir geht es wieder besser. Und doch war es eine Überwindung, ehrlich, mit dem Teil zur Kasse zu gehen im Bewußtsein, daß mein grauer werdender Bart die Vermutung zuläßt, es sei für mich bestimmt. Jaja, mein Kopf dreht sonderbare Kreise!

So ist das mittlerweile in vielen Bereichen meines Lebens. Manches (notwendige) fühlt sich an, als wäre ich noch nicht alt genug dafür. Manches fällt mir schwerer als früher, anderes fällt mir leichter. Noch nicht viel leichter, aber gerade beim Loslassen, Entsorgen, Verschenken bemerke ich Fortschritte. Gelesene Bücher gehen zum überwiegenden Teil in die öffentlichen Büchertauschzellen. Zettel, Ansichts- und Werbekarten wandern wie auch alte Zeitungen und Zeitschriften und Ausrisse ins Altpapier. Ich habe aufgehört, jeden Werbekugelschreiber haben und behalten zu wollen. Was mit meinen selbstvollgeschriebenen Kladden geschehen wird, weiß ich auch.

Und zu guter Letzt sah ich vorhin noch (und “klaue” jetzt einfach) diesen Tweet von @kdoerfner:
 
«Was ist mir wichtig? Was sollte ich besser nicht mehr aufschieben?»

Wieder zwei Fragen für mich, für mein Leben. Ich stelle fest, ich bin jetzt alt.

Alt genug für diese beiden Fragen und neue Antworten darauf. (Und wenn ich sie gefunden habe, teile ich sie mit, die Antworten.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.02.2017 waren eine gut vorbereitete Magazinsendung, ein Heizkissen, ein verschenktes Telefon, eine wunderbare Unterhaltung.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVIII – Der Mond.

© 2017 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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6 Antworten zu Alt genug. (2017: 051)

  1. fraurebis schreibt:

    Och, ich hab schon lange ein eigenes Heizkissen. Und bin noch nie auf die Idee gekommen, es in einen Kontext mit „alt“ zu rücken. Für mich sortiere ich es unter „wohlfühl“ ein …
    Und die Fragen, die trage ich auch in mir.

    Gefällt 1 Person

  2. Elvira schreibt:

    Ich weiß, das hört sich an wie eine Floskel, ist aber wahr: Alt ist relativ! Und es hat absolut nichts mit dem Kauf eines Heizkissens zu tun. Für mich kann ich sagen, dass ich mich, und ich bin ja doch eine Ecke älter als du, ziemlich alterslos fühle. Zwar welkt meine äußere Hülle und in meine Haare haben sich auch graue Strähnen geschlichen ( die ich allerdings irgendwie attraktiv finde), aber das sind nur die natürlichen Folgen meines Geburtsdatums . Das sagt nur überhaupt nichts über mein gefühltes Alter aus.
    Also genieße dein Heizkissen. Es entlastet deinen jungen Geist von Gedanken um Nierenschmerzen und anderen Unbill.

    Gefällt 1 Person

  3. puzzleblume schreibt:

    Hm, Männern mögen Heizkissen bzw. Wärmflaschen als Inbegriff des Alterns ansehen, während Frauen ihre Wärmflasche mit gemischten Gefühlen betrachten, weil sie sich schwer daran gewöhnen, sie nicht mehr, wie jahrzehntelang allmonatlich gewohnt, auf dem Bauch oder im Kreuz zu platzieren …

    Gefällt 1 Person

  4. Sofasophia schreibt:

    Ist alt was Schlimmes für dich? Und wenn ja, warum?

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