Gedankenmonolog über den Kerl (2017: 065)

Wie immer also.

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Fünf Minuten Pause hab ich mir verdient. Nur fünf Minuten raus, Beine vertreten und eine rauchen. Fürn Kaffee is jetzt keine Zeit, außerdem muß der ja dann auch wieder raus, irgendwann. Hm, nich viel los heute. Aber Moment mal. Moooooment. Der Kerl da. Der mit dem Kopftuch. Den kenn ich doch. Naja, was heißt “kennen”. Aber den hatt ich schon öfter. Einer, der nich so viel labert. Will auch immer dasselbe. Und is unkompliziert. Nein, der Opa nich, wenn, dann schon der Typ. Der sieht auch ganz niedlich aus. Ja, los Ela, nimm den Opa. Ich rauch noch auf.

Okay. Kippe aus, Mundspray, Lippen nachziehn, vorwärts. Jepp, er kommt zu mir. Wie immer also. Das werden … wart mal, das waren immer so knapp über Zwanzig. Meist gibt er 25 oder 30 – keine Ahnung, woran er das festmacht. Hm, der riecht gut, aber er sieht nich aus wie frisch geduscht. Das spricht für sein Deo oder Rasierwasser oder was immer er da auch nimmt. Heute lächelt er wieder so still vor sich hin. Jedenfalls soweit ich das in der Dunkelheit überhaupt erkennen kann. Boah. Die Stimme. An die konnt ich mich überhaupt nich einnern. Und der Geruch. Hach. Er läßt mich reden, hört sogar aufmerksam zu. Spielt nich mitm Telefon rum, das er in den Händen hält. Interessante Hände übrigens, kräftig, gepflegt; er scheint gut mit ihnen umzugehn und wahrscheinlich auch umgehn zu können. Ich hätt früher mehr drauf achten solln … Männlich riecht er, nich streng, sondern … wild, ein bißchen wie Wald. Was erzähl ich ihm denn alles?!

Oh, schnell abschaltn. Unauffällig, wie nebenbei. Und es soll ihm ja nich auffalln, daß ich … Egal, erledigt. An den Preis erinnern sich alle, an die Zeit nich so leicht. Und an die Strecke? Er hört immernoch zu, und wie er mich ansieht, wenn er denkt, ich merk es nich. Was macht er da mit seiner Hand. Nich vorhandene Haare wegstreichen. Ach nee, Haare hat er ja. Ob er auch welche auf der Brust? Schluß jetzt! Kaum bin ich im Haus allein, seh ich mich schonwieder nach Problemen um, oder wie? Himmel, so vereinsamt bin ich nun doch nich.

 

Ähm … Das is doch … Mein Ex hat mir geschrieben, daß die Kleine genau hierher, genau in dieses Haus gezogen ist. Und der Kerl will auch hierher. Hoffentlich hat er nix gemerkt.

“Dreiunzwanzichfuffzich.” “Dreißig. Stimmt so. Danke und eine gute Nacht.”

Das Taxi stand noch vor dem Haus, als sich dessen Tür hinter ihm schloß.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.03.2017 waren ein neues Portemonnaie, ein gefundenes Buch, Buchfinklob, Geschichtchen.
 
Die Tageskarte für morgen ist VI – Die Liebenden.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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