Notwendigkeit Auffangen (2017: 067)

Aushaltenwollen und -können.

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Es ist etwas, das ich (auch) aus dem Kontext BDSM kenne, ja, das sogar ich als Dom schon in Anspruch nahm, und es wird in sehr vielen Bereichen des Lebens benötigt. Heute drehten sich meine Gedanken darum.

 

 

Die Hand zu reichen, reicht oft nicht aus; auch nach dem Aufhelfen ist Auffangen eine wichtige Geste.

Mit [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)] “signierter” Tweet.

 

 

Gehört hat “man” schon davon. Hier und da, ich bin mir sicher. Aber was ist dieses “Auffangen”? — In ganz unterscheidlichen Situationen offensichtlich etwas ganz Unterschiedliches, dessen konkrete Ausgestaltung meiner Meinung nach hauptsächlich vom Aufzufangenden abhängt, nach dessen Bedürfnissen erfolgen muß/sollte. Das setzt voraus und kann dann und nur dann gelingen, wenn der zum Auffangen Bereite, der Auffangende um diese Bedürfnisse weiß, sie mitgeteilt bekam oder bekommt. Herumraten oder “Versuch und Irrtum” sind da oft unangebracht, wenn nicht gar schädlich oder schädigend (leider trotzdem manchmal die einzige verbleibende Möglichkeit). Für mich braucht Auffangen emotionale Beteiligung und Kommunikation – die häufig auch schon vor dem stattfinden sollte, was den Wunsch, die Notwendigkeit zum Auffangen verursachen kann. Zu jeder Form des Auffangens.

Und: Auffangen ist mein Angebot. Es wurde auch schon abgelehnt, nicht angenommen. Schwierig für mich in diesen Situationen war zu erkennen, daß nicht ich abgelehnt wurde, sondern nur jegliche von mir leistbare Unterstützung, ganz gleich, wie richtig sie mir schien. In einem Fall war es auch nicht möglich, irgendwelche andere Unterstützung herbeizurufen oder nach Hinweisen in Anspruch zu nehmen. Da saß ich nur da und konnte nichts tun als eben dasitzen. Verdammt schwer auszuhalten! Aber es war genau das, was in diesem Moment als einziges möglich war. Alle vorher getroffenen Absprachen waren nicht einhaltbar, alle diese Dinge waren auch meinem Empfinden nach unerträglich.

Auffangen ist nicht nur nach negativen Erlebnissen, bei Trauer, Verlust, Absturz, möglich und notwendig. Selbst bei Erfolg, höchstem Glück, erfolgreich abgewendetem Schaden kann es hilfreich sein, wenn ein Mensch aufgefangen wird. Und ich spreche jetzt nicht davon, daß eine “harte Landung” verhindert, abgemildert werden muß. Nein, selbst nach absoluten Höhenflügen steht manchmal der Wunsch nach einem mitfühlenden Menschen, an den ich mich anlehnen kann, bei dem ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, der mich in emotionalen Ausnahmezuständen ertragen kann. Neben der emotionalen Beteiligung, die für mich das Auffangen von professioneller Unterstüzung unterscheidet, ist dieses Aushaltenwollen und -können wichtig beim Auffangen. So denke ich.

Und wie denkt ihr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.03.2017 waren eine gute Idee, geschaffte Musik, eine neue Ahnung.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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7 Antworten zu Notwendigkeit Auffangen (2017: 067)

  1. sonjasperspektive3 schreibt:

    Lieber Emil
    Ich kann nur von mir schreiben. Mich kann nur jemand auffangen, der oder die mit mir Emotional verbunden ist. Am besten jemandem, mit dem oder der eine so enge Bindung besteht, dass die Sprache zur Kommunikation und zum Verständnis oftmals unnötig ist. Auffangen kann mich nur jemand, wo ich völlig authentisch frei und hemmungslos mich fallen lassen kann….. ein Seelenverwandter, oder gar ein Seelenzwilling.

    Ich kenne das von früher. Im Moment bin ich zu verkrustet und versteift und unbeweglich um so etwas intensives erleben zu können.

    Schlaf gut. Lieben Gruss, Sonja

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  2. petra ulbrich schreibt:

    Jemanden auffangen kann ich auch ohne emotional eingebunden zu sein. Dazu bedarf es oftmals besser Professionalen Abstand – so geht es einfacher. Für den der auffängt und der aufgefangen wird. Weil nämlich dann dieser Mensch nicht zu sehr enttäuscht ist, wenn das auffangen in die Hose geht.

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