Zwang oder Privileg (2017: 074)

Es ist (oft) meine Entscheidung

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Ich habe jetzt zwei Wochen lang meine Schreibzeiten notiert, auf fünf Minuen genau. Es waren jeden Tag mehr als zwei Stunden, im Schnitt 3:28:13 Stunden und einmal sogar etwas mehr als sechs Stunden. Das war jetzt einerseits enttäuschend wenig für das, was ich insgeheim als “meine Arbeit” bezeichne, andererseits weiß ich aber auch, daß ganz viel meiner übrigen Lebenszeit der Vorbereitung eben dieses Schreibens dient. Ich habe keine Ahnung, wie groß dieser Anteil wirklich, quantitativ ist. Doch ohne all das, was ich erlebe, erlese und anderweitig erfahre, könnte ich nur ganz wenig bis nichts schreiben.

Vielleicht war ich manchmal ein wenig unzufrieden mit meinem Leben, denke ich nun, und hätte dazu keinen Grund gehabt. So sehe ich es heute, im Rückblick. In den jeweiligen Zeiten und Situationen aber war und ist mir dieser Blick nicht möglich, versperrt sozusagen, und zwar versperrt durch genau diese Unzufriedenheit. Eben darauf achtete ich auch in den vergangenen Schreibzeitnotiertagen, und siehe: genau diesen Effekt stellte ich wieder, noch immer fest. Zwar hebe ich versucht, dem entgegenzuwirken, unter anderem eben durch das oben Beschriebene, doch ich bin damit nicht immer erfolgreich gewesen. Nein, ich bin nicht immer erfolgreich damit. Also damit, meine Unzufriedenheit mit mir und meiner “Leistung” anzunehmen, zu ertragen, verwandeln zu können. Nicht immer. Aber es gelingt mir doch sehr häufig. Und das ist erfreulich.

Was mache ich mit solchen, mit diesen Erkenntnissen?

Nun, ich werde weiterhin notieren, welche Zeit ich täglich fürs Schreiben aufwende. Doch ich setze mich nicht dem (eigenen) Zwang aus, täglich mindestens hh:mm:ss Stunden schreiben zu müssen. Ich gönne mir das Privileg, gar das Vergnügen, täglich so lange ich möchte schreiben zu dürfen. Welch ein Unterschied zwischen diesen beiden Formulierungen! Ich hoffe, daß ich auch in ganz anderen Bereichen so zu denken lerne. Und aus all dem hier laut gedachten formte sich ein nächster Satz für mein großes Werk:

 

 

“Lebenswert ist weder Effektivität noch Effizienz, sondern Muße & Glück & Sehnsucht & Zufriedenheit.”

Mit [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)] “signierter” Tweet.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 15.03.2017 waren eine Überraschung, etwas Verstecktes, mehrere Gespräche.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Zwang oder Privileg (2017: 074)

  1. Sofasophia schreibt:

    Das mit dem Privileg – ja! Tut mir gut, dich so zu lesen!

    Gefällt 1 Person

  2. petra ulbrich schreibt:

    Warum machen wir uns eigentlich immer so viel Druck? Wer erwartet das?

    Ich nehme mich da nicht raus. Aber wir sind es immer selber, die uns quälen und fordern – nicht müssen, sondern dürfen!

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Wir werden (heute) entsprechend indoktriniert, immer „besser“ sein zu müssen als andere — und ich habe Zeiten erlebt, in denen das so nicht war. Damals war miteinander wichtiger als gegeneinander.

      Jedes Mal, wenn ich solche Mißdingense bei mir feststelle, versuche ich, daraus zu lernen. Lang hält es meist nicht vor, leider. Doch ich lerne es immer öfter, in immer kürzeren Abständen.

      Gefällt 2 Personen

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