Schatten an der Wand (2017: 085)

Stundenlang starrte ich sie an.

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Ein Frauenschatten an der Wand. Auf dem rechten Arm vielleicht ein Ball?

Der Schatten ist’s nur, der an der Wand zu sehen ist.
Ein Frauenschatten. Auf dem rechten Arm vielleicht ein Ball?

 

Wie sie da steht! Nicht nackt, nein – aber die vollen Brüste mit den durch das Turnhemd sichtbaren Brustwarzen stehen unnatürlich halbkugelnd und der Schwerkraft trotzend vor ihr. Das Haar hat sie streng nach hinten gekämmt und dort zu einem waagerecht ovalen Knoten gebunden. Die Turnhose wirft Falten am Übergang vom runden, fest scheinenden Po zum Bein; und vorn trifft das in der Hose steckende Hemd mit der oberen Grenze der Schambehaarung zusammen. Stramme Oberschenkel, kräftige Waden und große, wirklich große Füße geben ihrem Stand bei geschlossenen Beinen unerschütterlichen Halt.

Einen Ball hält sie mit der Rechten an ihrem Oberarm gepreßt, durch diese Haltung wird das perfekte Rund der rechten Brust nicht im mindesten verformt. Diese Taille! Sie lenkt ab auch von den viel zu groß wirkenden Händen. Einen seltsam gebundenen Blumenstrauß zeigt sie mir mit links.

Es stimmt vieles nicht an dieser Frau, meine ich – und doch ist sie als Frau schön mit ihrem androgynen (?) Gesicht, lädt mich ein, lange vor ihr zu sitzen und sie zu betrachten, ganz unverschämt, und sie zu fotografieren …

 

 

Statue einer stehenden Frau mit Ball auf dem angewinkelt erhobenen rechten Arm, in der linken Hand eine Art Blumenstrauß, bekleidet mit Turnhemd und -hose. Hinter ihr an der Wand ihr Schatten. Ansicht schräg von vorn (Halbprofil sozusagen).

“Preisträgerin” für das Sachsenbad Dresden, gegossene und montierte Bronze, 1928.
Von Eugen Hoffmann (1892 – 1955).

Statue einer stehenden Frau mit Ball auf dem angewinkelt erhobenen rechten Arm, in der linken Hand eine Art Blumenstrauß, bekleidet mit Turnhemd und -hose. Hinter ihr an der Wand ihr Schatten. Ansicht schräg von vorn (Halbprofil sozusagen).

 

Die “Preisträgerin” ist ein Exponat in der neugestalteten Dauerausstellung Die Andere Moderne im Kunstmuseum Moritzburg, die ich heute mit Fotoerlaubnis besuchte. Sehen mit geschlossenen Augen hebe ich mir noch auf.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 26.03.2017 waren interessante Neuigkeiten, die Preisträgerin (zwei Stunden lang nur sie, wirklich) und eine neue Idee.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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2 Antworten zu Schatten an der Wand (2017: 085)

  1. petra ulbrich schreibt:

    Mir gefällt die bronzene Frau sehr – sie hat ein leises Lächeln im Gesicht.

    Gefällt mir

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