Klettern und Seile (2017: 100)

Fünf Minuten Gesprächsfetzen.

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“Sag mal: Du schreibst doch seit Jahren schon jeden Tag einen Artikel für Deinen Blog, oder wie Du oft sagst: auch mehrere Texte?” Neugierig sehe ich sie an, wie sie über ihr Weinglas hinweg in irgendeine weite Ferne blickt und lächle. “Worüber schreibst Du denn so, wenn die Texte nicht im Internet landen?” Warum möchte sie das wissen? Und wieso nimmt sie an, daß die Texte nicht in irgendeinem Blog landen? Mein Lächeln wird etwas schiefer. “Weißt Du: Ich versteh’s einfach nicht. Da lese ich ja schon lange mit bei Dir und auf Twitter verrätst Du ja auch ziemlich viel von Dir. Ich achte dort nämlich nicht nur auf das, was Du schreibst. Ich seh‘ mir nämlich auch an, was Du gut findest und weiterverteilst. Mir ist aufgefallen, daß da ziemlich viel … ziemlich viel … Ach, Du weißt schon, was ich meine. Bist Du etwa auch so’n perverses Arschloch?” Mein Lächeln verschwindet. Denn nur, weil mir Dinge, Verhaltensweisen, Interessen abseits der political correctness, der Massenkompatibilität gefallen, bin ich nicht pervers und erst recht kein Arschloch. Also frage ich sie, was genau sie mit dieser Bezeichnung meint und woraus sie schließt, daß ich eben dieses bin: ein perverses Arschloch. Schließlich kennen wir uns auch außerhalb der Blogwelt und des ganzen großen Internets schon einige Zeit. Ob ich ihr irgendwann auch nur ein einziges Mal einen Grund gegeben habe, das von mir anzunehmen: daß ich ein perverses Arschloch sei? “Nein. Aber wenn Du da … Wenn Dir gefällt, daß Kerle ihre Frauen schlagen … Wenn Du gut findest, daß die Frauen machen müssen, was diese perversen Schweine befehlen, dann mußt Du ja auch …” Da ist der Punkt erreicht, an dem ich sie unterbreche. Kann sie sich nicht vorstellen, daß die Männer nichts anderes tun, als Sehnsüchte und Wünsche ihrer Partnerinnen zu erfüllen? Gut, vielleicht, nein, sicher nicht nur deren Wünsche, aber wer macht schon freiwillig das Kostbarste kaputt, was ihm geschenkt wird? Vertrauen, Hingabe, Liebe, Nähe, Zärtlichkeit, Verständnis und Verstehen, Achtung – das alles macht einen Großteil jeder Beziehung aus, beonders einer so besonderen Beziehung. “Aber keine gesunde Frau …” versucht sie zu unterbrechen. Oh, dann ist sie ja wohl auch nicht gesund. Denn kein gesunder Mensch begibt sich freiwillig in Lebensgefahr, merke ich an. Nein, gesunde Menschen klettern nicht in Felswänden und sonstwo herum, niemand, der gesund ist, riskiert freiwillig einen Absturz aus mehreren Metern, vielleicht sogar mehr als hundert Metern Höhe. “Das kannst Du doch nicht vergleichen. Ich bin gesund und Klettern macht Spaß. Jeder erreichte Gipfel ist ein kleiner Sieg!” Und fügt leiser hinzu: “Und fast immer wie ein kleiner Orgasmus.”

Das Leben ist nicht wie in diesem unsinnigen, wahnsinnig flachen und meiner Meinung nach völlig ohne Sachverstand geschriebenen oder übersetzten Buch. Meine Meinung dazu kennt sie. Doch hat sie mir auch gestanden, daß sie manches sehr interessant findet von dem, was Christian mit Anastasia tut. Vor einiger Zeit versuchte sie, ganz nebenbei und gänzlich unverfänglich meine Meinung über Fesselspiele und vor allem meine dazugehörigen Phantasien aus mir herauszubekommen. Meine Standardantwort war die, die sie bei diesen Themen immer zu hören bekommt: ich zeige es ihr gern, aber ich werde nicht darüber diskutieren – und genau darauf würde es immer wieder hinauslaufen beim Darüberreden. Mehr als einmal zog sie sich daraufhin schmollend zurück. Auch jetzt werden das die letzten Worte sein, die ich ihr diesbezüglich sage. Ich zeige es ihr gerne, aber ich diskutiere es nicht tot. Ich kann kaum verstehen, was sie daraufhin sehr leise und mit heftig geröteten Wangen in das Weinglas vor ihrem Munde spricht: “Ich glaube, es ist Zeit, daß Du Deine Seile holst.” Ungläubig gehe ich hinüber zum Schrank und sehe aus den Augenwinkeln, wie sie ihr Shirt auszieht.

 

 

Ups. Schonwieder. Anzügliches in meinem Blog. Phantasie, reine Phantasie. (Bis auf meine Meinung zu diesen Büchern, jawohl.) Hoffentlich vergraule ich euch damit nicht …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 10.04.2017 waren zwei geklärte Termine, die rechtzeitige Ersatzbeschaffung, ein wenig Mut.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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5 Antworten zu Klettern und Seile (2017: 100)

  1. Sofasophia schreibt:

    Was ich nicht verstehe, ist deswegen noch lange nicht pervers. Dennoch muss ich es nicht verstehen müssen. So irgendwie?! 😊

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  2. petra ulbrich schreibt:

    Nix pervers – so ähnlich, wie mein Kuddelmuddel.

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  3. M schreibt:

    Wie ausgesprochen schade, dass es nur eine Phantasie war.

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