Weggeworfen (2017: 102)

Die entsorgten Erinnerungen.

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Das waren zwei Tage in einem kleinen Keller, aus dem wirklich eine gewaltige Menge hinausgeschafft wurde.

 

Es sind schon Wochen und Monate, in denen ich scanne, scanne und scanne, um meine Papierberge abzutragen. Ich schrieb schn mehrfach darüber. Als ich heute nach Hause kam, war auch ich radikal: Einige der gescannten Sachen hatte ich, weil ich sie trotzdem aufheben wollte, weil an ihrer physischen Existenz so viele Erinnerungen hängen. Ich fuhr mit einer Einkaufstüte voller … eingescannter Dokumente noch einmal hinunter zum Altpapiercontainer. Und als ich deren Deckel wieder schloß, da waren die Gefühle sehr, sehr zwiespältig, hätte ich doch mindestens zwei Drittel des Hineingeworfenen am liebste wieder herausgeholt. Aber nein! Gescannt ist es alles, wahrscheinlich sogarmehrfach. Es haftet dem Papier kein besonderer Geruch mehr an, nach all den Jahren, die es in meinen Schränken lag …

Nur: Erleichtert bin ich auch jetzt noch nicht wirklich. Aber eher, weil meine Haufen und Schrankfächer noch immer höher und voller sind als mir lieb ist. Doch heute konnte ich einfach nicht mehr. Ich war kaputt, nickte sogar in der Wanne ein. Und wollte schon fast den Blog ausfallen lassen … Und dachte doch noch darüber nach, ob ich mit dem Papier auch die Erinnerungen entsorgt hatte oder nicht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 12.04.2017 waren der fertige Keller, weggeworfenes Papier, Badewannenschaum.
 
Die Tageskarte für morgen ist II – Die Hohepriesterin.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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3 Antworten zu Weggeworfen (2017: 102)

  1. Elvira schreibt:

    Die Frage ist doch, warum wir an bestimmten Dingen und den mit ihnen verbundenen Erinnerungen hängen. Warum geben wir ihnen so eine Macht? Was würde geschehen, wenn Erinnerungen verblassen? Ich nehme krankhaftes Vergessen hier natürlich aus. Wären wir dann ein anderer Mensch? Oder würden wir intensiver in der Gegenwart leben können? Diese Fragen beschäftigen mich schon eine Weile, denn ich würde gerne einen radikalen Schlussstrich ziehen. Aber immer wieder stolpere ich in die Erinnerungsfalle. Letztens hatte ich eine Vase in der Hand, die meiner Mutter und vorher schon ihrer Mutter gehörte. Ich benutze sie nie. Weggeworfen habe ich sie dennoch wieder nicht. Was hindert mich daran? So, wie ich mich nicht dazu aufraffen kann, mein Blog zu schließen, obwohl er mir keinen Spaß mehr macht. Es hängen eben auch daran ein bis drei sehr intensive Erinnerungen.

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  2. Sofasophia schreibt:

    Die Vergangenheit – ich frag mich manchmal was sie wirklich von uns und mit uns will und warum auch ich bei vielem denke: Behalten! Das und das will ich, wenn ich mal alt bin/viel Zeit habe, nochmals „kauen“.
    Bloß: warum? Was genau verspreche ich mir davon?
    Und doch …
    Dennoch: es ist nur für mich, nicht für die Nachwelt.

    Gefällt 1 Person

  3. puzzleblume schreibt:

    Schwierig, wenn man dem Umkehrschluss der Redensart „Wer schreibt, der bleibt“ in die Falle geht, weil man dann umgekehrt das beschriebene Papier als Stück Existenz seiner selbst zu empfinden neigt. Dabei ist es doch umgekehrt.


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