Ostererinnerung (2017: 108)

Mit der Erinnerung ist eine Hoffnung auferstanden.

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Na? Habt ihr die Feiertage alle gut überstanden? Genug zugenommen? Satt geworden? Eier versteckt, gesucht und gefunden? Und auch schon am Donnerstag, Freitag und Sonnabend “Frohe Ostern” gewünscht? Zumindest das Letzte war für viele nicht richtig,nicht korrekt. Denn Frohe Ostern werden erst ab Auferstehung, also ab dem dritten Tag nach seinem Tode gewünscht, ab da geht die Frohe Botschaft seiner Auferstehung in die Welt.

 

Ich habe oft gelesen, daß es zu Ostern Geschenke gibt, zu geben hat. Wirklich? Irgendwo stand auch, daß Ostern das zweite Weihnachten wird, geschenkemäßig, ja, vom Umsatz her schon vor Weihnachten liegt. Und dann war da die Ostergeschichte in Gudruns Spinnradgeschichten, die mich an meine Kindertage erinnerte und auch an die wenigen Osterfeste, die ich mit meinen Kindern verbrachte. Denn Eierausblasen und -bemalen, Eierverstecken und -suchen waren wie das gemeinsame Osterfrühstück am Sonntag die zentralen Rituale, die Traditionen, die auch ich pflegte. Obwohl ich Ostern als Fest nicht besonders mag, noch nie mochte. Wahrscheinlich wegen der vorhergehenden Karwoche mit Kreuzigung und Tod. Denn auch mir als … naja, damals war ich noch Atheist oder Agnostiker, jedenfalls war ich da noch kein Christ (und bin es auch heute noch nicht, nach den offiziellen Kirchenregeln), weil ich diese Dogmen, all diese Zwänge und Regeln nicht mag.

Doch meine Oma mütterlicherseits und eine ihrer Schwestern erzählten mir die biblischen Geschichten, beteten mit mir und für mich. Und Oma erklärte mir die Bedeutung des Bildes über ihrem Ehebett: Jesus auf dem Ölberg. Wenn ich bei Oma war, dann war ich dort nie allein. Es waren immer Cousinen da und Cousins. Und am Sonntag ging Oma in die Kirche, und ein viel größeres Nachbarsmädchen ging mit uns, also mit mir und den anderen Kindern, in die Sonnatgsschule, in den Kindergottesdienst. Meine Eltern gingen nicht in die Kirche, waren auch keine Mitglieder der SED (das war ich dann später von 1981 bis zu meinem Austritt am 31.12.1987). Ich lernte also vieles, das in der Bibel steht, als Kind.

 

Heute, als ich Gurdruns Text las, dachte ich über Ostern nach. Über meine Ablehnung von Osterdekoration, von “üblichen” Osterbräuchen. Und habe festgestellt, daß es das nicht ist. Es ist keine Ablehnung. Es fehlt mir nur seit Jahren jeglicher Bezug dazu, ich habe mit den Kindern und der Herkunftsfamilie auch Ostern “verlassen”. Damit aber, damit aber habe ich vielleicht irgendwann die Gelegenheit, wieder ein Frohes Ostern zu erleben.

 

Oh. So ehrlich wollte ich heute überhaupt nicht sein …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 18.04.2017 waren frühes Wachsein, drei weitere Stunden im Museum, ein erhellender Gedanke.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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8 Antworten zu Ostererinnerung (2017: 108)

  1. Ulli schreibt:

    Lieber Emil, ich mag Ostern sehr, für mich ist es das Fest der Auferstehung in der Natur, ich färbe meine Eier rot, selbst wenn ich alleine bin, färbe ich für mich allein zwei Eier, aber Geschenke gibt es bei uns nicht! Es geht (bei mir/uns) ums Eier finden, ob nun vom Huhn oder aus Schokolade, um Spaziergänge und Freude über all die vielen Blüten, alles Spriessen und Wachsen …
    Aber man meisten macht es mir auch Spass, wenn ich Ostern mit Kindern teilen kann!
    Danke für deine Ehrlichkeit-
    herzlichst, Ulli

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  2. Gudrun schreibt:

    Danke und sie ist gut, deine Ehrlichkeit. (Ich habe es gerade erst gelesen, also mindestens 12 Stunden zu spät. Passiert selten, aber es passiert.)
    So ehrlich wie du war ich nicht. Bei mir hat das Fest keine religiösen Bezüge und mit der DDR hat das nichts zu tun, eher mit der Familie aus der ich komme. Ich sehe das so wie Ulli, nur, dass ich die Eier nicht rot (so traditionell bin ich nicht) anmale, sondern bunt und mit Motiven, die uns gerade so in den Kopf kommen.
    Es ist schon interessant, die verschiedene Sicht der Dinge. Es ist gut so und wäre noch besser, wenn niemand meinen würde, dass seine Auffassung die unbedingt richtige ist.
    Grüße von der Gudrun, die auch im nächsten Jahr wieder malt.

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  3. Sofasophia schreibt:

    Ich mag den Bezug zu Ostara,
    den Fruchtbarkeitsgedanken, das Ei als nicht-christliches Element. Die Farben.
    (Den ganzen christlichen Kontext blende ich dabei total aus.) Aber Geschenke? Hm. Nö. Ich mag keins dieser Du-musst-was-schenken-Feste.
    Traditionen hab ich keine.

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