Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. (2017: 114)

Zumindest vor dem ohne wirklichen Klang.

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Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende ist dort.

Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.

Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.

Aus: Rainer Maria Rilke. Die frühen Gedichte. (Gefunden auch auf dieser Webseite.)

 

 

Noch ein Gedicht. Gestern schon und heute wieder. Warum denn nur?

Wegen der Sprache. Denn die erzeugt in mir, was die Lyrik, die Poesie ausmacht. Es sind nicht die Worte und ihre vielfältigen Bedeutungen und Beziehungen zueinander. Da ist mehr, viel mehr als nur das in der Poesie. Da entfaltet sich vor meinen inneren Ohr eine Melodie (wie die Sprachmelodie in dem Video) und vor meinem inneren Auge entsteht ein Bild. Manchmal ist es abstrakt, doch jedes der Bilder hat einen Geruch. Also hat – für mich – auch jedes (“wahre”) Gedicht ein Odeur. Dieses hier riecht nach einem vom Regen gelöschten Feuer in genau dem Moment, da die Tropfen zu fallen aufhören.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 24.04.2017 waren Schritte in der Stadt, Gespräche über das Netz und im Leben draußen, Poesie am Abend, Gemüseeintopf.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Nur eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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5 Antworten zu Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. (2017: 114)

  1. Sofasophia schreibt:

    Feine Texte beide, deiner und Rilkes. Danke.

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  2. petra ulbrich schreibt:

    Rilke war auch so einer! Ein zerrissener und einer, der hellsichtig aufschrieb, was andere nur dachten… er fand die Worte, die manch einem (auch mir) sehr fehlen.


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  3. wildgans schreibt:

    „Odeur“ ist ein zartheftigdeftig schönes Wort!

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