Ein Buch mahnt mich (2017: 137)

Und von diesem Buch hätte ich das nicht erwartet.

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Ein Buch lag in der Büchertauschzelle, ein Jugendbuch. Es bekam 1981 den Zürcher Kinderbuchpreis “La vache qui lit” und 1983 eine der drei Medaillen des Janusz-Korczak-Preises. Einen Tag brauchte ich, um es druchzulesen: Stolperschritte von Mirjam Pressler. Die Geschichte um die stolpernden Schritte eines Schuljungen und die Tragödien in seiner Familie.

 

 

Und dann fange ich an zu frieren.

Ich fühle mich kalt und leer und weiß nicht, womit ich diese Leere in mir füllen soll. Ausfüllen. Zumachen. Flicken. Verbergen. Zustopfen. Reinstopfen.

Irgendetwas reinstopfen, Gedanken, Essen, Bücher, Lieder, Bilder. Aber ich nehme nichts auf, ich kann nichts bei mir behalten.

Mirjam Pressler: Stolperschritte. S. 70
Lizenzausgabe als Ravensburger Taschenbuch Band 4030 (vorher RTB 926)
© 1984 Ravensburger Buchverlag Otto Meier GmbH, ISBN 3-473-54030-7

 

 

Wenn ein Schuljunge so denkt, muß etwas geschehen sein. Und das ist es ja auch. Etwas existentielles. Etwas, das ein Kind mehr als aus der Bahn wirft, es an sich selbst zweifeln und sich mit Schuld beladen fühlen läßt. Mir als Erwachsenem ging es auch so. Vielleicht ist es bei vielen, beinahe allen Menschen so?

Und auch diefolgenden Worte einer Schülerin sind nicht ohne.

 

 

Ich glaube, es ist eine Sache des Gefühls. Irgendwann fing ich an, mich dumm und unzureichend zu fühlen, und dann wurde ich es auch. Je dümmer ich mich fühlte, um so schlechter wurde ich [ in der Schule – Anm. Der Emil ]. Deshalb fühlte ich mich dann wieder dumm und so weiter.

ebenda S. 86f

 

 

Ich kenne Menschen, die genau diese Gefühle in anderen Menschen hervorrufen – sich dumm und unzureichend zu fühlen. Das sind Weiber bei ihren Männern, Männer bei ihren Weibern, Eltern bei ihren Kindern, Mitschülerinnen bei ihren Mitschülerinnen, Lehrer bei Schülern … Da in diesem Buch ist eine, die diese Spirale beschreibt. Nein, es ist nicht erwähnt, woher bei ihr das Gefühl kam, aber sie spricht davon.

Manchmal bin ich ganz froh darüber, daß ich an diese Unsitte erinnert werde: andere klein- und dummachen. Da merke ich wieder auf und achte ein wenig besser auf mein Verhalten. Und nach den anderen Büchern von Mirjam Pressler werde ich auch suchen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 17.05.2017 waren meine Badewanne, das ausgelesene Buch, Denkanstöße.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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6 Antworten zu Ein Buch mahnt mich (2017: 137)

  1. gabriele auth schreibt:

    Hast mich neugierig gemacht auf dieses Buch. Danke.

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  2. Sofasophia schreibt:

    Von ihr hab ich vor Jahren ganz vieles gelesen (frag nicht nach Titeln) und alles sehr wertvoll empfunden. Kann ich also nur empfehlen.

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