Hund am Strand (2017: 165).

Aus der winzigen Kladde.

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Ein (schwarzer?) Hund trottet gesenkten Kopfes über einen Strand. Ob das an Stausee, einem Fluß oder gar an der Ostsee ist, spielt keine Rolle. Es ist kein feiner Sandstrand, es liegen viele runde Kiesel dort. Dem ab und zu heranströmenden Wasser weicht das Tier aus, als würde es nasse Pfoten um jeden Preis vermeiden wollen. Mir fällt auf, daß der Hund zwar mit gesenktem Kopf läuft, aber nicht auf dem Boden schnüffelt. Der Kopf hängt nur nach unten; einem Menschen mit einer solchen Haltung würde ich Traurigkeit, tiefste Traurigkeit oder beinahe vollständige Erschöpfung zuschreiben. Aber einem Hund? Ich habe zuwenig Erfahrung mit der Körpersprache von Tieren. Gut, einen freudig wedelnden Hundeschwanz erkenne ich ebenso wie den abwehrend gekrümmten Buckel einer Katze.

In meiner Vorstellung muß das Ufer, muß der Strand ohne Ende sein, denn noch immer trottet ein schwarzer Hund gesenkten Kopfes über den von vielen Steinen durchsetzten Sand und weicht den heranrollenden Wellen aus. Weit links steht ein Mensch, dessen Haare im Wind wehen – ist es eine Frau? Und kann es sein, daß der Hund reumütig zu ihr zurückkehrt von einem Ausreißversuch, zu dem ihn sein zwar verkümmerter, aber doch noch vorhandener Jagdinstinkt gelockt hatte? Aber was nur jagt ein schwarzer Hund an einem Ufer? Vögel? Läuft ein Hund wirklich kilometerweit hinter Vögeln her? Oder war da eine Katze, die sich in Sicherheit bringen konnte, die schneller war als der Hund, den vielleicht die Rufe seines Frauchens bremsten? Waren da Kaninchen, die der Hund jagte, oder hatte er etwas anderes entdeckt? Nichts davon weiß ich, nichts davon habe ich beobachtet.

Ein schwarzer Hund trottet über den Strand. Vor dem Glitzern des Sonnenlichtes auf dem Wasser sehe ich einen Kopf und Schwanz hängenlassenden, todtraurig dahintrottenden Hund am Rande der Erschöpfung. Und einen Menschen weit links hinten …

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 14.06.2017 waren Ausschlafen, Freude über geschaffte 126 Seiten, ein ruhiger Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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7 Antworten zu Hund am Strand (2017: 165).

  1. petra ulbrich schreibt:

    Noch ein Nachtrag – bitte nicht böse sein: mir gefällt diese Geschichte nicht.

    Gefällt 1 Person

  2. Elvira schreibt:

    Ein einsamer Hund. Und ein einsamer Mensch. In meiner Vorstellung gehören sie nicht zusammen. Könnten sich aber finden. Ein Hund auf der Suche nach seinem Menschen. Vielleicht ausgesetzt? Zurückgelassen? Der Mensch auf der Suche. Nach Antworten vielleicht. Jede Welle eine Verheißung auf Hoffnung. Es ist leise am Strand. Ich höre das sanfte Plätschern des Wassers. Ich höre, wie die Kiesel aneinander reiben. Und ich sehe, wie der Mensch langsam den Kopf wendet. Sein Blick erfasst den Hund. Einsam und auf der Suche wie er selbst. Der Mensch erwacht aus seiner Starre. Langsam setzt er einen Fuß vor den anderen. Die Leere weicht aus seinem Kopf. Der Mensch setzt sich auf die warmen Steine und schaut dem Hund entgehen. Gemächlich trottet das Tier ihm entgegen. Unmerklich hebt sich der Kopf. Nein, das ist nicht der Geruch seines Menschen, den er wahrnimmt. Aber es ist ein guter Geruch. Ein Geruch nach Vertrautheit in dem Fremden. Als der Hund den Menschen erreicht hat, setzt er sich neben ihn. Es ist immer noch leise. Nur Das Plätschern des Wassers und das Reiben der Kiesel aneinander sind zu hören…….
    Was für ein toller Anfang. So viele Möglichkeiten der Fortsetzung. Je nach Stimmung des Schreibenden.

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    Gefällt 1 Person

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