Wasserstandsmeldung (2017: 190)

Gut, eine Zustandsbeschreibung.

To get a Google translation use this link.

 

Sonntag. Jetzt am Abend sitze ich wartend zuhause. Ich warte auf eine Nachricht, einen Anruf, ein “Jetzt geht’s gleich los” oder ein “Alles gut, hat alles geklappt.” Jedenfalls kam schon das erste nicht, und ich warte bis jetzt über drei Stunden. Schon einige Zeit kämpfe ich gegen mein Katastrophisieren an, gegen meine Überlegungen zu all dem, was hätte schiefgehen können, zu dem, was zustoßen, passieren könnte. Das kann ich noch immer richtig gut, schließlich habe ich es jahrzehntelang in und mit meiner Depression geübt. Und mein “nervöser Darm” hat mir dabei auch gute Dienste geleistet (eine ganze Zeit bin ich nur, und das gestehe ich jetzt zum ersten Mal, mit Boxershort und Jeans und Socken im Rucksack aus dem Haus gegangen). Am Anfang war da nur Angst, daß etwas sehr Unangenehmes, aber Konkretes passieren könnte. Bald war die Zahl der Ängste gestiegen und auch der Gegenstand der Ängste wurde unkonkreter. Ich erlebte Angstspiralen und begann, aus jedem Flöhehusten ein katastrophisches Szenario zu entwickeln. Das beherrsche ich noch heute, und ich kann es sogar ohne Grund und Anlaß.

Heute aber, heute versuche ich dagegenzuhalten, nicht zu katastrophisieren. Ich versuchte, die eine oder andere Szene, die mit wenigen Worten in einem Tweet angedeutet war, auszuformulieren, auszugestalten, aufzuschreiben. Es gelang mir nicht und gelingt mir nicht. Klar, darüber ärgere ich mich, ja. Aber außer mir hat niemand Schuld daran, daß ich jetzt nicht arbeiten kann, nicht schreiben kann, kaum denken kann. Selbst beim Zettelscannen habe ich ziemlich viele Fehler gemacht, weil ich eben … nun, abgelenkt bin, mich nicht konzentrieren kann. Dazu kommen häufig, heute aber nicht, Selbstvorwürfe, denn daß ich mich von irgendwelchen Nichtigkeiten so beeinflussen lasse, zeugt von … Ja, wovon denn? Von Unvernunft? Ungeduld? Falschen Hoffnungen? Ich fühle mich … unwohl, wenn ich mich von solchen Kleinigkeiten so beeinflussen lasse.

 

Jetzt ist Schluß damit, zumindest für heute. Ich werde wahrscheinlich noch zwei Stunden Texte abschreiben, sortieren, umstrukturieren. Zu manchem habe ich ja ein paar Notizen, was ich da wie ändern möchte oder muß, vielleicht findet sich auch ungeplant noch der eine oder andere Geistesblitz.

Und gerade habe ich erfahren, daß es durchaus auch noch bis zwei Uhr dauern kann.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 09.07.2017 waren ein verbesserter Plan, Arbeiten im klimatisierten Studio, späte Nachricht.
 
Die Tageskarte für morgen ist XXI – Die Welt.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2017, Erlebtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s