Unbegreiflich. (2017: 196)

Auch ich bin davon verwirrt.

To get a Google translation use this link.

 

ALs ich dasaß und auf das Durchlaufen des Kaffees wartete, erlebte ich einen sehr sonderbaren Moment. Plötzlich war – ich kann es nicht anders beschreiben – alles weg. Wirklich alles. Als wäre ich für einen Moment aus der Welt herausgerückt, entrückt. Um mich herum Stille, wirklich lautlose Stille, wohltuend. Eine sonderbare Lichtlosigkeit – aber keine Dunkelheit, kein Schatten, nichts, als hätte die Dualität Licht/Finsternis nie existiert; es brauchte auch diese beiden Begriffe nicht und es war keineswegs unangenehm. Ein Moment, in dem wirklich nichts wichtig war, nichts mich beanspruchte, nichts mich ablenkte. Es gab nur dieses ich, dessen Existenz mir in diesem Moment allumfassend bewußt war: alles war ich, ich war alles, und das Alles war Nichts. Spürte ich Freiheit? Die war bedeutungslos. Hatte ich Angst? Nein, hatte ich nicht. Denn es war nichts außer Ich. Und ich war Alles. War ich in diesem Moment glücklich? Nein, denn Glück war bedeutungslos, weil nichts außer Ich war. Und ich war Alles. Und das Alles war Nichts.

Eine Gotteserfahrung? (Wobei ich Gott jetzt als Synonym für jedes Höhere Prinzip benutze, nicht für diesen einen, bestimmten, alleinseligmachenden …)

Ein Moment der Erleuchtung vielleicht, ein mystischer Moment? Ein Blick ins Nirwana? Denn da nichts war in diesem Moment, war der Moment ein Moment vollkommener Klarheit. Ob es auch vollkommene Wahrheit war, weiß ich nicht zu sagen. Denn … Nun ja, wenn das Nichts die einzige, vollkommene Wahrheit wäre, dann stellte sich die Frage nach dem Sinn meines Lebens plötzlich wieder neu. (Obwohl: Stellt sich die nicht sowieso immer und immer wieder neu, egal wieviele Antworten ich darauf schon gefunden zu haben glaube?)

 

Wenn ich nur wüßte, was diesen Moment ausgelöst hat. Ich möchte ihn gerne wiederholen, wiedererleben. Er war so … so friedvoll, leidlos, so klar (ich wiederhole mich, ich weiß). Vielleicht war es nur der Bruchteil einer Sekunde, vielleicht waren es mehrere Sekunden, aber mehr als ein oder zwei Minuten waren es nicht. Ein Hauch dieses Moments begleitet mich den Tag über. Selbst nach dem Ärger mit dem nicht bestellten, aber gebuchten Handy-Abo (das ist wieder weg, puh!) kam ich schnell wieder hinein in seinen Nachhall.

So plötzlich, wie er begann, war er wieder vorbei. Aber ich erinnere mich daran, ohne zu begreifen.

Nur ich war und ich war Alles. Und dieses Alles war Nichts. Allumfassend, alldurchdringend. Alles eins, eins alles und nichts. Unbegreiflich. Ergreifend. Erlösend, befreiend, beruhigend.

Unmöglich. Und doch erlebt.

 

Ich schleiche mich noch immer verwirrt davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 15.07.2017 waren der besondere Moment, das gleich wieder losgewordene (und blödsinnig und ohne zu wissen wie eingefangene) Handyabo, ein schöner (noch andauernder) Abend mit der allerallerallerbesten Freundin.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

Advertisements

Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
Dieser Beitrag wurde unter 2017, Erlebtes, Geglaubtes, One Post a Day abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Unbegreiflich. (2017: 196)

  1. Ulli schreibt:

    Das ist ein Moment, den ich, wenn ich ihn erleben würde, in eine rote Lackschachtel packen würde und diese wäre sehr, sehr heilig …

    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

    Gefällt mir

  2. Mrs. Flummi schreibt:

    Ich finde es schön, dass Du diesen Moment mit uns teilst. Wer weiß, vielleicht weckst Du damit in einem anderen Menschen das Bewusstsein dafür. Ich stelle mir so ein Erwecken gerade im Bild einer Tür vor, die vielleicht lange oder gar immer ungeöffnet war und nun mit Deinen Worten einen ersten zarten Lichtstrahl hindurchlässt. Ich spüre stille Freude.


    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

    Gefällt mir

    • Der Emil schreibt:

      Es gibt auch offene Türen, durch die ich einfach nie hindurchgehen mochte (zum Beispiel). Allerdings sperre ich mich gerade etwas gegen die Erweckung, denn ich denke, daß die nicht von einem Menschen kommen kann …

      Gefällt mir

      • Mrs. Flummi schreibt:

        Sie kommt vielleicht nicht von enem Menschen, aber die Offenheit für etwas entsteht manchmal dadurch, dass man die Erfahrungen eines anderen Menschen durch Zuhören oder Mitfühlen teilt. So als würde dadurch ein innerer Empfänger sensibilisiert oder geweckt. Konnte ich mich verständlicher machen? Sonst versuche ich es noch einmal. :)

        Gefällt mir

  3. Sofasophia schreibt:

    Pssst, ich kenne das auch und nenne es Blick hinter den Vorhang. Das Problem dabei ist bei mir, dass ich seither weiß, dass das hier (Alltagswelt) nicht „alles“ ist und darum oft schwer erträglich ist. (Es weckt die Sehnsucht nacht mehr, nach Wiederholung, wie du es ja schreibst.)


    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

    Gefällt 1 Person

    • Mrs. Flummi schreibt:

      Das „Problem“ kenne ich auch, dass man sich nach weiteren Wiederholungen sehnt. Merkwürdigerweise ist diese Sehnsucht mehr und mehr schwächer geworden, seitdem ich Sport treibe. Wirklich euphorische Zustände sind zwar eher selten, aber ich erlebe im Alltag nun häufiger diese zarten Glücksgefühle des Einsseins, des mit mir einig-seins.
      Deshalb kam ich auch auf mein Gedankenspiel zu Pfeffermatz‘ Kommentar, ob Stoffwechselprozesse einen Anteil an diesen Dingen haben. Ich hoffe, das kommt jetzt nicht so rüber, als wolle ich dieses Unbegreifliche in den Dreck des Alltags ziehen oder es seinem Stellenwert berauben. Das Erleben auf alltäglicher Ebene macht es ja auch nicht wertloser für mich, deshalb habe ich damit kein Problem. Weiß aber, dass nicht jeder so empfindet, erlebt, denkt. Deshalb gleich ein vorrauseilendes Sorry für meinen dicken Elefantenpopo im Porzellanladen. 😉


      https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

      Gefällt 1 Person

  4. Elvira schreibt:

    Das hört sich wie eine buddhistische Erleuchtung an. Ich hätte so etwas ähnliches einmal vor Jahren auf der Straße. Es fühlte sich an, als wäre die Zeit um mich herum eingefroren, als würde ich selbst in einer Blase in dieser eingefrorenen Zeit stecken. Ich hatte in dem Moment sehr unterschiedliche Gefühle. Zu einem Angst, weil ich buchstäblich das Gefühl hatte, stehengeblieben zu sein, mitten zwischen zwei Schritten. Auf der anderen Seite war dieses unbeschreibliche, alles umfassende Gefühl des Seins.

    Gefällt mir

  5. zeilentiger schreibt:

    Das klingt sehr, sehr kostbar. Ich freue mich!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s