Kleiner Erfolg (2017: 197)

Es hätten 140 Zeichen gereicht.

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In einer Ein-Zimmer-Wohnung ist der Platz begrenzt. Noch dazu, wenn der Bewohner – also ich – durchaus seine Schwierigkeiten mit dem Entsorgen von bestimmten Dingen hat. Und so sammelt sich immer wieder immer mehr an, als gut und beabsichtigt ist. In den letzten zehn oder zwölf Wochen wanderte vieles immer wieder auf den Platz, den ich mir extra für das Schreiben auf Papier geschaffen hatte, und dieser wurde dadurch unbenutzbar. Das wurmte mich schon ein Weilchen, doch nie konnte ich mich aufraffen, den Stapel durchzusehen und beinahe alles in ihm Liegende zu entsorgen. Heute allerdings war es soweit.

Knapp zwei Stunden dauerte das. Zwei Stunden, die ich mir mit sofortigem Sortieren erspart hätte. Zwei Stunden Kopfschütteln über Zeitungsausrisse, Prospekte, Flyer, Visitenkarten, Krimskrams. Zwei Stunden meist vergebliches Kramen in den Erinnerungen, zu welchem Zweck ich wohl dieses oder jenes da ablegte. Danach blieben von all dem Gesammelten exakt vier Schriftstücke, die aufgehoben werden müssen. Und einige Sachen lagen dort schon zum Scannen bereit, waren aber im Haufen untergegangen. Jetzt sind sie in einer der beiden Pappkisten verstaut, in denen all die noch zu digitalisierenden Zettel liegen. Jaja, vieles davon könnte ich auch so, ungescannt wegwerfen, aber … einige Erinnerungshilfen möchte ich dann wenigstens als Datei behalten. Ich sentimentaler Grantler, ich!

Mir fehlt ganz einfach der Drang, sofort wegzuwerfen, was ich nicht brauche, ich leg’s erstmal irgendwo hin. Ja, das ist nur eine Gewohnheitssache, ich könnte mir mehr oder weniger schnell eine andere Handlungsweise angewöhnen – aber ich habe es bisher eben nicht getan bzw. nicht durchgehalten. Wozu auch, ich wohn‘ hier ja alleine. Aber es wurmt mich doch, daß ich manchmal so disziplinlos bin, daß es immer wieder “einreißt”, also will und werde ich etwas dagegen tun. Ehe ich im August wieder zu Fuß unterwegs bin, räume ich ja sowieso nochmal durch hier; danach hoffe ich, daß ich bei der Ordnung dann bleiben kann, daß ich es schaffe, den Stand zu halten. (Übrigens: Bei anderen kann ich ganz wunderbar aussortieren und Ordnung schaffen und halten, nur in meinem eigenen Kram geht das immer wieder schief. Welches Gen fehlt mir? Und wie kann ich die in fremden Angelegenheiten vorhandenen Fähigkeiten auch auf meine Angelegenheiten übertragen?)

Nur zwei Stunden. Was ich mich da überhaupt echauffiere! Da war doch nichts schlimm? Das ist doch alles beherrschbar? Jaja, ist es schon, nur fühle ich mich bei solchen Selbstertappungen nie sehr wohl. Und heute, heute war es besonders unangenehm, weil ich im Prinzip ja um das Problem wußte und weiß und mit keinem Aufwand hätte das kleine Chaos verhindern können. Was ich aber aus mir selbst unerklärlichen Gründen nicht tat. Hmpf.

All das hier habe ich am Nachmittag schon in einem Tweet untergebracht, in 140 Zeichen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 16.07.2017 waren leckere Kässpätzle, Aufgeräumtes, schöne Bilder.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Ritter der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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4 Antworten zu Kleiner Erfolg (2017: 197)

  1. Kai schreibt:

    Eine meiner wichtigsten Ablagen im Büro ist die „Kompost“-Ablage. In diese Kiste kommen alle Unterlagen, die ich nicht zielsicher irgendwo unterbringe, aber – warum auch immer – noch nicht gleich wegwerfen möchte. Die Kompost-Ablage sehe ich dann meist durch, wenn die Kiste voller wird. Dazu drehe ich die Kiste um (also wende den Komposthaufen) und fange mit den ältesten Unterlagen an. Und dann geht es mir wie Dir, das meiste davon ist nicht mehr interessant, veraltete oder kann aus sonstigen Gründen entsorgt werden.
    Gutes Schreiben am freien Platz!

    Gefällt 1 Person

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