“Gerannt”. Nº 217 (2017)

Ultreïa! Tag 1.

 

Eine Stunde später als geplant fuhr ich mit der S-Bahn von Halle nach Leipzig. Vorher traf ich in der Bahnhofsmission noch zwei Menschen, die auch pilgernd unterwegs waren, auch auf dem Ökumenischen Pilgerweg in beiden Richtungen. Naja, die hätte ich sonst wahrscheinlich nie gesehen und mich auch nie so kurzweilig mit ihnen unterhalten.

Gudrun erwartete mich schon am Bahnsteig, wir saßen dann ein Weilchen mit einem Kaffee – Danke, Gudrun! – im Schatten in dem kleinen Park direkt vorm Leipziger Shoppingcenter mit Gleisnaschluß. Bevor wir losgingen zur nächsten Haltestelle der Bimmel, eben auch in Richtung des Weges, machte sie mit ihrem Telefon noch zwei Bilder von mir. Ich hoffe, sie sind geworden. Wir verabschiedeten uns kurz, denn “ihre” Bahn fuhr gerade in die Haltestelle. Ich winkte ihr hinterher.

Ziemlich genau um zwölf ging ich dann alleine weiter. Ein paar Straßen der Stadt, dann durchs Rosental, durch die Burgaue, durchs Quasnitzer und Hänicher Holz; weil ich dort aber irgendwann keine Muscheln mehr sah, kürzte ich ab, ging den Luppebogen nicht mit, sondern sehr gerade auf die Domholzschänke zu. Plötzlich hatte ich nur noch einen Kilometer zu gehen. Viel zu früich dann an der Rittergutskirche Kleinliebenau. Bis dahin hatte ich eine Pause gemacht, drei Liter Wasser getrunken. Auf dem Telefon wurden mir 13,7 km (statt geplanter 14,75 km) in nur 2 Stunden und 20 Minuten reiner Gehzeit angezeigt, das waren fast 6 km/h statt der geplanten 3,5 bis 4 …

Nach der freundlichen Begrüßung und Einweisung konnte ich mir einen Platz vorbereiten, duschen, das völlig verschwitzte T-Shirt schnell waschen und raushängen. Ich war gerade fertig damit, als zwei weitere Pilger ankamen. Ich begann, meine Notizen zu vervollständigen und abzutippen. Fertig wurde ich damit nicht, denn um 18 Uhr war ich wirklich bei der Pilgerandacht hier in der Kirche. Danach gab es noch das bis kurz vor acht dauernde Gespräch mit dem Menschen, der das Projekt Pilgerherberge und die Restaurierung der Kirche – die nie entwidmet war – erst ermöglichte. Die mittlerweile drei anderen Pilger schlafen heute Nacht in der Kirche, auf der Orgelempore, ich bleibe hier allein.

Das Internet ist hier nicht besonders stabil, ich wollte gerne nachsehen, ob es nicht um Merseburg herum noch andere Herbergen gibt und so aus den für morgen geplanten zwölf vielleicht doch ein paar mehr Kilometer werden, wenn es nicht regnet, könnte ich vielleicht gar bis Frankleben …

So, nun hoffe ich, daß das Netz mit mir ist.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 05.08.2017: Leipzig Hauptbahnhof nis Kleinliebenau (13,7 km).
 
Positiv war heute eine Ankunft, ein Gespräch, Ruhe.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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8 Antworten zu “Gerannt”. Nº 217 (2017)

  1. petra ulbrich schreibt:

    Das Netz ist mit dir und meine Gedanken sind bei dir. Ich ziehe meinen Hut vor dir…

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  2. natisgartentraum schreibt:

    Ich wünsche dir das es morgen genau so gut läuft. Heute kannst du auf jeden Fall gut schlafen.


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  3. Kai schreibt:

    Ein schwungvoller Start … ich freu mich, dass du uns auf deiner Wanderung mitnimmst. Ich lese gerne Reiseberichte.

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  4. eckstein schreibt:

    bom camino. guten weg, lieber emil. ichbfreue mich so, dsss du wieder losgegangen bist. ich freue mich auch auf deine berichte.


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  5. Sofasophia schreibt:

    May the Web mit dir sein.

    Wie hast du dich unterwegs eigentlich gefühlt?

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  6. Pit schreibt:

    Ich denke, das ist ein Pilgerweg und nicht der „Renn“steig! 😉 Aber gut, wenn’s laeuft.

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  7. Frau Momo schreibt:

    Die Bilder sind was geworden, habe sie bei Gudrun schon gesehen. Ich bin gespannt auf Deinen weiteren Weg… der Gatte trägt sich ja nun auch mit dem Gedanken. Erstmal eine kleine Strecke, aber immerhin.

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