Zum ersten Mal zelten. Nº 218 (2017)

Ultreïa! Tag 2 auf dem #oekuweg

 

Gegen sieben wurde ich das erste Mal wach, klar, meine sieben Stunden Schlaf waren um. Doch nichts konnte mich von sofortigen Aufstehen überzeugen. Auch nicht die Rufe der Turmfalken, die in diesem Jahr zwei Jungvögel im Kirchturm aufzogen. Aber halb acht dann treppe ich die Rannte hinab. Nein. Auf Kaffee verzichtete ich am Morgen. Während sich die Mitpilger verabschiedeten, packte ich meinen Krempel (übrigens wieder zweimal). Dann trank ich doch noch einen Tee und aß etwas, ehe ich um 9.22 Uhr selbst startete. Ohne Ziel, wie ich mir einreden zu vermögen glaubte. Unter Autobahnen, zumindest aber unter der A 4, ist es laut und zugig; dafür entschädigt die Ruhe in der Horburger Marienkirche, in der heute wieder die Weinende Madonna zu sehen ist. Ich gönnte mir eine kurze Zeit der Andacht und ein Ave Maria (ja, ich kann es, als Evangele, allerdings nur Deutsch – also hei&szligt; es “Gegrüßt seiest Du, Maria”). Und nein, ich habe kein einziges Foto gemacht, nicht den winzigsten Augenblick daran gedacht …

Kurze Zeit später wurde der Weg schlammig-glitschig, unbequem. Ein Hund hörte partout nicht auf sein Frauchen, sprang mich an, knurrte. Das junge Tier hatte einfach nicht genügend Erziehung genossen. Ich mußte tatsächlich laut und wütend werden, ehe der Welpe an die Leine kam. Mehr als einmal rutschte ich dann weg, hätte mich beinahe in den Matsch gelegt. Ich wei&szlig, nicht, aber irgendwie fand ich bis zum Ende der Strecke heute weder mein eigenes Tempo noch einen gehbaren Rhythmus. Schnelle, flache, kleine Trippelschritte immer wieder und bewußt weite, langsame wechselten sich ständig ab. Da war das Gehen nicht wirklich eine Freude.

Dafür aber die Begegnungen. Der Herr, der sich in dem Buswartehäuschen für ein paar Worte und Minuten zu mir setzte, der gerade Wirbelsälenoperierte Mann mit zwei Krücken und Hundchen, dessen Krankheitsgeschichte ich mir vor seinem “Guten Weg und Gottes Segen” anhörte, die Fahrradfahrer, die mir auswichen, anhielten und nach meinem Gepäck fragten und nach meinem Ziel, die beiden Menschen, zu denen ich mich an einem Rastplatz setzte und die die Muschel für ein Hinweiszeichen für Angler hielten. Immer nahmen all diese Menschen und ich uns Zeit für ein paar … ich möchte fast sagen: liebevolle, zumindest aber ehrliche und wohlwollende Worte.

Als ich dann sah, daß der gegangene Weg deutlich länger war als überall angegeben, als mir Schultern und Füße schwer wurden, ging ich doch zur Herberge in Löpitz. Die war voll belegt mit Kindern, die hier mit einem Betreuer ein Ferienlager machten. Aber nach meiner Frage, ob ich mein Zelt irgendwo aufbauen könnte, gab es kein weiter mehr. Das Zelt steht, ich habe es also nicht nur mitgeschleppt:

 

Das Zelt im Herbergsgarten unter dem Vordach einer Gartenlaube

Das Zelt im Herbergsgarten unter dem Vordach einer Gartenlaube

 

Ich werde hervorragend schlafen nach einem sehr lustigen Abend mit sportbegeisterten, sich austoben dürfenden Kindern und ihrem wunderbaren Betreuer. Vielen Dank, Frank.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 06.08.2017: Kleinliebenau → Horburg → Dölkau → Zweimen → Raßnitzer See → Wallwitzer See → Löpitz: 16,4 km in 4 Stunden und 33 Minuten.
 
Positiv waren heute Andacht, Begegnungen, Kinderlachen & mein Zelt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Münzen.

© 2017 – Der Emil. Text & Bild unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Zum ersten Mal zelten. Nº 218 (2017)

  1. Sofasophia schreibt:

    Hach, das klingt nach einem Weg zu dir hin. Und das mit dem eigenes Tempo-&-Tritt-Finden kenn ich allerbestens. Ich wünsch dir Geduld mit dir und deinem Weg und was immer dir guttut.


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