Hindernisse (2017: 253)

Meine eigenen Erfahrungen.

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Halt mal kurz an! Bleib stehen! Sieh zurück und sieh Dir an, wieviele unüberwindliche Hindernisse Du überwunden und hinter Dir gelassen hast!

Heute von mir veröffentlichter Tweet.

 

 

An manchen Tagen erfahre ich so vieles über erlebte und gefühlte Schwierigkeiten von Mitmenschen, lese und höre ich mehrfach von der Absicht, das alles nicht mehr ertragen zu wollen oder von der Unfähigkeit, es weiterhin ertragen zu können. Beide Varianten kenne ich aus meiner eigenen Vergangenheit; mehrmals versuchte ich, mich aus meinem Leben “zurückzuziehen” (d.h. ich versuchte mehrmals, mich mit zum Glück untauglichen oder nicht funktionierenden Methoden zu töten bzw. töten zu lassen). Heute war so ein Tag. Natürlich weiß ich, daß ich in aller Regel niemanden von seinem Vorhaben abbringen kann, wenn dieser Mensch es tatsächlich “endlich” versucht. Doch eines werde ich immer wieder versuchen: anderen zeigen, wie ich jetzt mit meinen entsprechenden Gedanken umgehe, was mich jetzt immer weiterleben läßt, wie ich mich motiviere, mir selbst den Spiegel der Wahrheit vorhalte in dem Moment, da meine Unvernunft (und meine Dpression) lautstark jeden meiner Versuche niederzubrüllen versucht, vernünftig zu handeln.

Die Aufforderung oben, den Hinweis, die Bitte oder was auch immer jemand darin sehen mag, halte ich mir selbst sehr oft vor Augen. Ich meine, ich bin jetzt 54, habe also all die Jahre überlebt, gelebt. Ja, ich hab Scheiße gebaut, nicht zu knapp, eher viel zu viel, aber ich lebe noch immer und bin darüber recht froh. Jedenfalls die meiste Zeit. Also fast immer. Aber es gibt immer und immer wieder Momente, Zeiten, Tage, an denen mir alles, wirklich alles zuviel ist, in/an denen mir meine Vergangenheit einen sehr, sehr finsteren Schatten auf meine Gegenwart und meine Zukunft wirft und mich alles schwarzsehen läßt. “Das kann ich nicht. Das schaffe ich niemals. Ich bin zu nichts nütze. Niemand kann mich mögen.” Selbst die kleinsten Kleinigkeiten sind davon betroffen. Dann denke ich daran, beim Zurückschauen all das zu sehen, was ich überstanden, geschafft habe. Dann erinnere ich mich nicht an Mißerfolge (bzw. an das, was ich für Mißerfolge hielt und halte). Dann bemerke ich, zu welchen Leistungen ich fähig war und bin.

Dann blieb oder bleibe ich kurz stehen (kurz kann auch länger als eine Woche sein, zum Beispiel) und schaue zurück. Wenn ich nicht vor mir selbst, meiner Vergangenheit und meinen Möglichkeiten davonzulaufen versuche, dann sehe ich, was ich alles geschafft habe. Danach kann ich mich wieder nach vorne wenden. Vielleicht muß ich aufstehen, weil ich hingefallen, gestürzt war; aber gegen die Sachen, die ich schon hinter mich brachte, ist das eine leichte Übung. So kann ich es mir einreden, erfolgreich einreden. Und wenn ich stehe, kann ich anfangen weiterzugehen, weiterzuleben, wie ich das schon oft, schon sehr oft geschafft habe.

Ich bin kein besonderer Mensch, niemand, der besser als die meisten anderen Menschen ist; ich halte mich auch nicht dafür. Um eines bemühe ich mich trotzdem (?) sehr oft: denjenigen, die vor sich selbst, vor ihrer Vergangenheit, vor ihren Möglichkeiten wegzulaufen versuchen, das da oben zuzurufen. Ich bin dazu nicht verpflichtet, aber ich nehme mir das Recht heraus, aus meiner eigenen Erfahrung.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 10.09.2017 waren der Ausflug zum Tag des offenen Denkmals mit der allerallerallerbesten Freundin mit Eis und Döner, gute Telefonate, viel aufgeschriebene Vergangenheit.
 
Die Tageskarte für morgen ist XI – Die Gerechtigkeit.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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5 Antworten zu Hindernisse (2017: 253)

  1. Kai schreibt:

    Ein Text, der mich zum Nachdenken bringt. Ich überlege, wie viel Kraft und Energie es kostet, trotz des Tunnelblicks derartiger Situationen den Kopf für die motivierende Rückschau wenden zu können. Den Kopf wenden, obwohl der Blick so starr diesen Punkt in der Unendlichkeit fixiert. Das braucht viel Erfahrung und Vertrauen in diese Überwindung.

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Es ist auch: Nicht der Angst nachgeben, sondern mich meinem eigenen Leben stellen.

      Hab ich (wahrscheinlich ganz nebenbei in oder wegen der Tagesklinik) gelernt und ist noch immer nicht einfach, aber sehr notwendig für mich.

      Gefällt 1 Person

  2. Sofasophia schreibt:

    Ein sehr wichtiger wertvoller Text, danke!

    Gefällt 2 Personen

  3. natisgartentraum schreibt:

    Ich freu mich für dich das du deinen Weg, trotz allem, gehst.

    Gefällt 1 Person

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