Herbstdinge (2017: 256)

Fehlendes, ein Vorhaben und Gerüche.

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Was ist denn das da draußen? Ein Herbststurm, ein kleiner. Jedenfalls hier, in anderen Gegenden ist er heftig. Doch das Geräusch, das er hier oben im neunten Stock verursacht, das ist ziemlich laut. Es rauscht, es knarzt, es pfeift und heult manchmal sogar. Die Fenster sind nicht absolut dicht, nicht bei dem Winddruck, der außen auf ihnen lastet. Aber ideal abdichtende Fenster sind etwas, das ich sowieso nicht mag. Unten auf der Straße riß der Wind einige Äste von den Bäumen, irgendwo in der Stadt wurde davon sogar ein Fenster zerschlagen. Die WG hatte ziemliche Rennerei und einigen Aufwand, das schnell repariert zu bekommen. Hier oben kann mir das ja nicht passieren (ich klopfe vorsichtshalber dreimal auf Holz – woher kommt eigentlich dieser Brauch, dieses geflügelte Wort).

Jedenfalls ist jetzt Herbst. Morgens ist es noch dunkel, abends ist es nicht mehr lange hell. Es wird nicht mehr heiß in der Wohnung, ich fühle mich echt wohl. Ein paar Eicheln habe ich auch schon aufgesammelt – wo sind eigentlich die Kastanienbäume, ich habe noch keine Kastanien in der Hosentasche gehabt in diesem Jahr. Nein, es ist nicht lebensnotwendig und die glänzenden braunen Dinger haben auch keinen Nutzen; doch in der Hand fühlen sie sich gut an, besser als Handschmeichlersteine. Ach, irgendwo werde ich schon noch Kastanien finden.

Abends brennen spätestens um halb neun Kerzen, Teelichte, Stumpen – wonach mir gerade der Sinn steht. und wenn ich diese Woche daran denke, dann habe ich auch wieder Lampenöl. Leuchtdioden überall sind zwar hell, aber meist ist ihr Licht kalt. Für Haushaltsarbeit mag das gut sein, doch beim Schreiben und Lesen und Denken und Träumen liebe ich warmes, lebendiges Licht von Flammen. Auch wenn das vielleicht anachronistisch, rückständig erscheint. Da kann ich ja gleich noch ein Geständnis machen: Irgendwann möchte ich neben meiner Grubenlampe (eine Nachbildung des Schneeberger Geleuchts um 1850), die mit Rapsöl brennt, auch einen Kienspan ausprobieren. Ja, der riecht, der kann auch rußen, alles richtig, doch die Neugier ist groß. Nein, ich verkläre die Zeit, zu der damit beleuchtet werden mußte, keineswegs. Denn ich möchte nicht die Zeit erleben, in der Kerzen, Kienspan, Frosch und andere Öllampen neben dem Tageslicht die einzigen Lichtquellen waren, doch dieses Licht möchte ich erleben.

Und der Herbst ist meiner Meinung nach für solches Ausprobieren gut geeignet. Draußen riecht es kaum noch nach Häufen verbrannten Laubes, auch der Geruch eines Holzfeuers in einem Küchenherd ist selten geworden. Ein Kienspan soll nach Holzfeuer riechen, also nach Herbst in meinen Kinder-, Jugend- und jungen Erwachsenentagen. Hach. Und nein, es ist überhaupt nicht wichtig. Schaffe ich es nicht in diesem Herbst, bleibt mir der Kienspan für diesen Winter, für den nächsten Herbst, für irgendwann. Bis dahin habe ich ja Flammen genug.

Und den Geruch gerade ausgeblasener Stearin-Kerzen oder gar echter Bienenwachskerzen, die auch beim Brennen ein ganz besonderes Aroma verströmen, den liebe ich ja auch.

 

Pfffffffffhhhht!

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 13.09.2017 waren das herbstliche Gefühl im noch dunklen Morgen, leckerer Döner vor einem Mittagsschläfchen, Aufgeschriebenes.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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11 Antworten zu Herbstdinge (2017: 256)

  1. natisgartentraum schreibt:

    Schön, so ein Kerzenlicht. Das mag ich auch gern. Darauf freu ich mich immer wenn es früher dunkel wird: Überall Kerzen an und ruck zuck ist es gemütlich. Einfach schön. Hab einen schönen Abend. LG, Nati

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Ja, ich weiß.

      Miniermotten haben hier nicht nur die Kastanien, sonden auch die meisten der hier (die waren um 1970 in der DDR sehr beliebt) Platanen. Aber ich werde sicher noch die eine oder andere braune Schönheit finden.

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  2. sabeth47 schreibt:

    Zu den köstlichen Feuergerüchen gehörten für mich auch die Kartoffelfeuer, wenn das Kraut verbrannt wurde. Lange her, unsere Herbstferien hießen damals noch Kartoffelferien.
    Grüße vom warmen Ofen aus der kalten Bretagne.

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  3. Arabella schreibt:

    Begib dich bitte zu meinem „Jammerbeitrag“ heute….;-)
    Wer kann schon ohne Kastanien leben;-)


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  4. Sybille Lengauer schreibt:

    Ich hab keine Ahnung warum, aber in letzter Zeit kann ich manchmal nicht „gefällt mir“ drücken. Bzw. natürlich kann ich es drücken, sogar bis der Finger grün und blau ist, aber es geht nur kurz ein leeres Kastel auf dem Bildschirm auf und dann – nix. Also, hier ein mündliches „gefällt mir“. Ist eh viel netter. Nur halt Zeilenreicher. Und ohne Sternchen…

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