Nebel im Nebelung (2017: 305)

Wie in jedem Jahr.

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November. Nicht der Letzte. Der Vorletzte. Und auch nicht, wie uns sein Name vorzugaukeln scheint, der Neunte. Nein, der Elfte. Nebelung, der das Jahresende mehr als deutlich ankündigt. Wie wundersam sein alter Name klingt. Ne-be-lung.

Viele sagen ja, daß sie diesen Monat nicht mögen, weil er naß und kalt und nebelig und dunkel ist. Genau deshalb mag ich ihn, denn ich bin Wintermensch (ja, ich hab das schon mehrere tausend Mal erwähnt). Keine Hitze, keine pralle Sonne. Heimeligkeit an den Abenden und an den Morgen, immer dann, wenn ich Kerzen anzünde, die ganz nebenbei auch ein wenig meine Wohnung heizen. Und den Geruch des November liebe ich, den ich tief einatme, wenn ich durch den Wald, an umgepflügten Äckern vorbei oder über nebelfeuchte Wiesen gehe. Erdig nenne ich den Geruch, nicht faulig, erdig und urnatürlich. September und Oktober haben noch den Pilzgeruch, den hat der November nicht mehr. Da ist nur der Boden, die Erde.

Wenn der Nebel über der Stadt, dem Dorf oder der Landschaft liegt, dann dämpft er das Licht und auf seine ganz eigene Weise auch alle Geräusche. Nebel stimmt mich friedlich, nur wenn er außerordentlich dicht wird, bei Sichtweiten unter fünf Metern (die ich bisher nur zweimal erlebte, beide Male als Kraftfahrer, einmal in Vaters Trabbi und einmal im Raketentransporter der NVA, beide Male in Erfurt), nur dann werde ich auch ein wenig ängstlich. Schließlich bin ich kein Freund von Horror- und Gruselfilmen oder -büchern. Überhaupt keiner. Es fehlt mir einfach das Gen, durch welches Menschen Angst, Furcht, Abscheu usw. in körperliche und geistige Wohlgefühle umzuwandeln in der Lage sind.

Zu gut Deutsch: Ich bin ein Schisser vor dem Herrn.

Aber den Nebel im November, den mag ich. Er ist für mich der Vorläufer vom Schnee, deckt auch schon die Landschaft zu und verschafft ihr die Ruhe, die zur Vorbereitung eines neuen Jahreszyklus' notwendig ist. Auch ich bin jemand, der sich im Nebelung zurückzieht, sich auf die Weihnachtszeit als den Höhepunkt des Jahres vorbereitet. Mach ich eben so, und die Ruhe, die im November beinahe überall herrscht, kommt mir dazu sehr gelegen.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.11.2017 waren die geschafften Vorhaben, das Mehr an Erledigtem, das vorgewärmte Bett.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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9 Antworten zu Nebel im Nebelung (2017: 305)

  1. Ulli schreibt:

    Ne-be-lung … klingt neu und mag ich sehr! Danke Emil!
    Und ja, mag ich auch…

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  2. Pit schreibt:

    Lieber Emil,
    ich kann mir das gut vorstellen, wie (schoen) Du den November empfindest: eine sehr ausdrucksstarke Beschreibung hier. Ich wuerde noch erganezen: ein knisterndes und flackerndes Feuer im Kamin.
    Hier bei uns ist damit aber eher nix. Wir hatten jetzt zwar ein paar kuehle bis kalte Tage, und auch schon den allerersten (ganz leichten) Frost, aber es war viel zu trockene Luft fuer eine solch schoene Stimmung, und nun wird es auch wieder waermer. Ich fande es schoen, wenn es hierzulande auch so waere. Aber wenn man auf derselben Breite wie Kairo liegt, dann kann man das ja wohl nicht erwarten. Na ja, man kann eben nicht Alles haben.
    Liebe Gruesse, und geniesse den November,
    Pit


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  3. Sofasophia schreibt:

    Nov kommt aber von neun, nicht von acht (Okt). Musste uch jetzt einfach loswerden. 😉

    Ansonsten: feiner Text – ich glaube, ich komme langsam ins Alter, wo ich HerbstmögerInnen zu verstehen anfange.

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  4. puzzleblume schreibt:

    November kann schön sein, nachdenklich macht er auf jeden Fall. Wenn man das willkommen heissen kann, ist es ein Monat, der einem etwas zu geben hat.

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  5. Elvira schreibt:

    Auch ich mag die kühlere Jahreszeit mehr als den Hochsommer. Im Urlaub an der Nordsee war es sehr frisch! Allerdings nie nebelig. Dafür windig, so wie ich es mag. Na, ja, zum Schluss auch stürmisch, was ich auch mag.

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  6. natisgartentraum schreibt:

    Ich mag den November sehr. Vor allem wenn es, wie du beschreibst, schön nebelig ist. Richtig mystisch. Früher, bevor meine Jungs zur Schule mussten, haben wir unseren 2. Urlaub meist im November gemacht. Und so nass, wie die Meisten sagen, war es oft gar nicht.

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  7. Arabella schreibt:

    Zeit sich zurückzuziehen bringt der November. Dafür liebe ich ihn.


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  8. Bess schreibt:

    November ist eine Zeit für mich, sich einzuhüllen, eine Verpuppung.
    Richtig zu genießen ist er für mich im Urlaub und jetzt im Ruhestand. November ist ein Monat und ein Gemütszustand, an dem ich am liebsten nicht ‚raus möchte.

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