Der Wurm drin (2017: 309)

Eine nicht ganz wahre Geschichte.

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Irgendwie … Irgendwie war heute der Wurm drin, wie man so sagt. Nichts klappte wirklich so wie geplant, nichts. Obwohl: Das gemein­same Frühstück war wirklich sehr schön, harmonisch bis traumhaft. Und auch am Vormittag gab es keine Verzügerung, kein Hinhalten, kein Ausweichen; es war eigentlich alles perfekt. Zu Mittag gab es – sehr spät zwar – “nur” Salat, also gemischten Salat, mit etwas Thunfisch, mit leckerem Dressing (das früher einfach Salatsoße hieß, aber dieses verflixte Denglish schleicht sich auch in meine Alltagssprache ein). Danach wurde weitergearbeitet, und zwar so, daß alles Geplante schnell erledigt war. Ich freute mich wirklich darüber und tat das nicht alleine …

Schließlich war es Zeit zum Packen. Trotz all der Dinge, die wir aus­sor­tiert hatten und die ich nun mitnehmen durfte, blieb der Ruck­sack deut­lich leerer als üblich. Dafür war das Herz voller, das Gemüt bedrückter, die Laune am Boden. Zu allem Überfluß regnete es in Strömen, ich wurde auf den wenigen Metern vom Auto zum Bahnsteig naß, kaufte, im Regen stehend, am Automaten noch die Fahrkarte, was erst nach mehrmaligem Einzug des Geldscheines klappte. Im Zug war dann Tohuwabohu: Der Automat in der Bahn konnte keine Kartenzahlung annehmen (vielleicht war die Karte gesperrt), der Mensch davor mokierte sich deswegen lautstark (ich liebe dieses Wort “mokieren”, das nichts anderes heißt als sich spöttisch oder abfällig – über etwas oder jemanden – zu äußern) und beschimfte schließ den Zugbegleiter, der dennoch freundlich die Bezahlung mit Bargeld anmahnte, welche aber nicht möglich war wegen fehlenden Bargeldes, woraus sich eine längere, lautstarke Diskussion über Serviceleistung und Pflichten ent­spann, die bis zum Zielbahnhof des Nichtzahlenkönnenden dauerte, an dem er sozusagen im letzten Moment aus dem Zug floh, denn der bis dahin freundlich, aber bestimmt reagierende Mitarbeiter des Eisen­bahn­unternehmens drohte mit erhöhtem Beförderungsentgelt oder Polizei­einsatz.

Puh.

Der geplante Anschluß hatte – wieso hatte ich an diesem Tag, in dem doch der Wurm drinwar, überhaupt mit etwas Anderem gerechnet? – dann Verspätung. Mehr als 30 Minuten waren angekündigt, es waren dann 13. Dreizehn Minuten Verspätung! Ausgerechnet diese Unglücks­zahl! An ein halbwegs pünktliches Ankommen zuhause war da nicht mehr zu denken. Also nahm ich den ungeplanten früheren, aber verspä­te­ten Zug, so daß ich nicht bequem bis zum Ziel durchfahren konnte, sondern irgendwo unterwegs in der Pampa, da, wo sich Fuchs und Hase “Gute Nacht” sagen, da, wo der Pfeffer wächst, umsteigen und zu diesem Behufe mehrere Minuten für eine Zigarette im Regen stehen mußte. Bah! Alles naß, und bei dem blöden Wind konnte ich mich auch nicht so stellen, daß wenigstens der Tabak richtig trocken blieb. Ich sag's ja, es war der Wurm drin.

Doch dieses Umsteigen klappte, aber eben nur mit naßwerden und auch wieder viel später als geplant. Wegen einer Ober­lei­tungsstörung. Dabei dachte ich, Mehdorn wäre schon längst für andere Vorhaben zuständig, die unbedingt scheitern müssen? Naja, vielleicht ist der Weber ja auch so einer, der für keinen Fehler verantwortlich ist und deshalb so gut bezahlt werden muß. Doch nein, es war keine Störung der obersten Leitung des Konzerns, sondern noch immer eine Ober­lei­tungsstörung, also der Stromversorgung irgendwo unterwegs. Nicht immer ist der Fortschritt Garant für sicheres Funktionieren von Geräten und Einrichtungen! Die Restkapazität des Smartphonakkus näherte sich Werten unter 10%. Jetzt hatte ich also über 30 Minuten Verspätung, die Vorhersage beim ersten Umsteigen bewahrheitete sich. Was sollte auch anderes geschehen, wenn in einem Tag sowieso der Wurm drin ist?

Das Ziel erreichte ich dann doch noch heute (mit im Zug wieder­auf­geladenem Telefonakku), an diesem Tag, der so beschissen war. Echt, ich kann ihn nicht anders beschreiben als: der Tag, in dem der Wurm drin war.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 05.11.2017 waren ein ruhiges Frühstück, die geschaffte Arbeit, gutes Heimkommen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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4 Antworten zu Der Wurm drin (2017: 309)

  1. Sofasophia schreibt:

    Jetzt ist der Wurm raus … hoffe ich.

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  2. natisgartentraum schreibt:

    Wenn es einmal nicht läuft, dann zieht es sich wie eine rote Schnur durch den ganzen Tag.
    Auf das der heutige besser wird.


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