(2017: 345) Das 11. Türchen

In zehn Minuten geschriebenes Märchen

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 
Der schnitzende Mönch
 

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren, da war in der Adventszeit ein Mönch auf Wanderschaft von einem Kloster zum anderen. Der Weg war weit und es war kalt. Als es Abend wurde, klopfte der Mönch daher am Haus eines Gärtners. Er bat um eine Mahlzeit und eine Schlafstelle. Die Gärtnersleute waren arm, aber barmherzig. Sie baten den Mönch ins Haus und teilten mit ihm das Wenige, das sie hatten. Nach einem schmalen Nachtmahl saßen die Gärtnersleute, ihre Kinder und der Mönch noch ein Weilchen am Tisch. Im Licht der letzten Kerze begann der Mönch gar schöne und gelehrte Geschichten zu erzählen. Alle hörten ihm andächtig zu. Und wie der Mönch so erzählte, nahm er ein Messer aus der Kutte und begann aus den wenigen dünnen Holz­scheiten, die als Feuerholz dienen sollten, ganz wundersame kleine Dinge zu schnitzen. Da erschienen ein Gänsebraten, Bälle, Puppen, Kreisel und Kerzen. Der Mönch erzählte und schnitzte, bis daß die Kerze am Verlöschen war. Da legten alle, die Kinder, die Gärtnersleute und der Mönch, sich zur Nacht nieder.

Am nächsten Morgen jedoch erschraken die Gärtnersleute, denn der Mönch war spurlos verschwunden. Sein Nachtlager sah aus, als hätte nie jemand darinnen gelegen, als wäre er nie Gast in ihrem armseligen Häuschen gewesen. Und wie erschrocken waren die Kinder und die Eltern erst, als sie in die Küche kamen! Da sahen sie nämlich, daß sie den Mönch doch nicht geträumt hatten. Auf dem Tisch lagen die Dinge, die der Mönch am Abend geschitzt hatte. Doch waren sie nicht mehr aus Holz, sondern sie waren geworden, was sie zeigten. Da stand ein Gänsebraten auf dem Tisch und duftete köstlich. Daneben lagen Bälle, Puppen und Kreisel. Sie alle waren wirklich geworden! Und der Korb mit Feuerholz quoll förmlich über. Im Regal lagen Unmengen an Kerzen, die dann über den gesamten Winter reichten.

Seit diesem Tag luden die Gärtnersleute, ihre Kinder und Kindeskinder jedes Jahr in der Adventszeit Mönche und Nachbarn ein, an einem Feuer Märchen und Geschichten zu erzählen. Auch heute noch trifft man sich im Advent am Haus der Gärtnersleute und denkt immer wieder an den verschwundenen schnitzenden Mönch.

 

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 10.12.2017 waren das geschriebene Märchen, die Vorlesezeit am Feuer (die Kutte riecht nach Rauch) und der Schnee.
 
Die Tageskarte für heute ist die Zwei der Schwerter.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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9 Antworten zu (2017: 345) Das 11. Türchen

  1. Anna-Lena schreibt:

    So schön!

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  2. sabeth47 schreibt:

    Wohlig-zufriedenes Aufseufzen. Ach ja.

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  3. wildgans schreibt:

    Werde die feine Geschichte gleich nochmal lesen, dann aber mit einem Onkel-Herbert-Herbsttee neben mir und schlürfend.
    Dein feines kleines Adventsjournal schätze ich sehr. Es wärmt!

    Gefällt 1 Person

    • Der Emil schreibt:

      Ich hab das in zehn Minuten runtergeschrieben, weil ich eine Erklärung brauchte, warum ein Mönch in einer Gärtnerei sitzt und Geschichten vorliest (ich war bei einem guten Freund zu Gast).

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  4. Pit schreibt:

    Was fuer eine schoene Geschichte – einmal mehr! Danke!
    Hab‘ eine feine Adventszeit,
    Pit

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  5. petra ulbrich schreibt:

    Meistens sind Schnellschüsse die besten Geschichten…

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  6. mmandarin schreibt:

    Eine feine Geschichte, aus Märchenholz geschnitzt

    Gefällt 1 Person

  7. Ulli schreibt:

    Lieber Emil, dein Märchen habe ich sehr gerne gelesen und ich glaube, dass auch heute noch kleine und grössere Wunder geschehen, man muss erstens nur die Augen aufhalten und zweitens vielleicht ein Päckchen für leuchtende Kinderaugen packen (ja, ich habe gerade rückwärts gelesen) – danke für deine Wärme und alles hier, herzlichst, Ulli


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