(2017: 348) Das 14. Türchen

Die Krüppelfichte.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 

Er ist nicht ganz gerade. Nein, wirklich nicht ganz gerade. Eher sogar krumm und schief ist der Baum. Und sehr viele symmetrisch ange­ordnete Äste hat er auch nicht. Viele würden das Bäumchen als “Krücke” bezeichnen, es als Weihnachtsbaum einfach nicht ernst­nehmen können. Denn dieser Fichte kann auch das Einfügen weitere Äste nicht zu einem besseren Aussehen verhelfen. Und doch wurde sie gestern gekauft.

Heute hat der Pastor diese Karikatur eines Weihnachtsbaumes in seiner Kirche aufgestellt. Wie sonderbar der Anblick ist, nach all den prächtigen Bäumen in den vergangenen Jahren, den vollen, kerzen­geraden, wunderbar kegelförmigen Nordmann- oder Nobilistannen. An diesem aber Baum finden die sonst angesteckten 24 Kerzen keinen Platz, gerade einmal zehn sind auf den Zweigen der Krüppelfichte unterzubringen. Und auch mit dem sonstigen Schmuck geht der Pastor wirklich sparsam um: Ein paar Strohsterne und sechs rote Christ­baum­kugeln hängt er an das Ungetüm. All das tut er, obwohl er dafür nur wenige gute und sicher viele harsche Worte hören wird.

Dafür wird er in seiner Predigt zu den Gottesdiensten am Weihnachts­abend und an den Weihnachtsfeiertagen über genau diesen Baum sprechen. Darüber, daß es bei diesem Symbol nicht auf den Reichtum an Schmuck, nicht um das perfekte Aussehen geht. Wie sich auch zu Weihnachten nicht alles nur um den Geldwert der Geschenke drehen sollte und um Äußerlichkeiten. Denn die Weihnachtsbotschaft ist doch eine andere: Fieden, Liebe, Gemeinsamkeit; und ohngeachtet aller Statussymbole, ohngeachtet des Aussehens und der Herkunft soll das für alle Menschen gelten. Wenn die Besucher der weihnachtlich geschmückten Kirche das Licht auch an der Krüppelfichte wahrnehmen können, dann sehen sie den Menschen – so Gott will – auch im Kranken, im Bettler, im Obdachlosen, im Flüchtling, im gehaßten Nachbarn … So hofft der Pastor jedenfalls.

Ein Beispiel will er geben hier in seiner Kirche. Nichts und niemand muß perfekt sein, um   ohne seiner Würde beraubt zu werden – Teil der Weihnachtszeit zu werden. Das gilt für einen nicht perfekt gewachse­nen Baum ebenso we für einen nicht perfekten Menschen. Vielleicht kommen seine Worte und der unperfekte Baum bei einigen Menschen an, die seine Predigt hören; und vielleicht werden sie sich für einige Zeit an das Licht am unperfekten Bäumchen erinnern.

 

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 13.12.2017 waren der fertige Keller, ein paar wundervolle Momente, gute Nachricht.
 
Die Tageskarte für heute ist die Acht der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

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4 Antworten zu (2017: 348) Das 14. Türchen

  1. natisgartentraum schreibt:

    Sehr Symbolträchtig.
    Sollten doch mal mehr Menschen einen weniger schönen Baum kaufen.

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  2. Anna-Lena schreibt:

    Gerade das Nicht-Perfekte hat seinen besonderen Reiz :-) .

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  3. petra ulbrich schreibt:

    Danke, ich werde, wenn ich den Baum kaufe, daran denken.

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  4. Weena schreibt:

    Warum fühle ich mich jetzt gerade wie diese Fichte?

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