Alte Gedankenspielerei (Nº 034/2018)

Betrachtung, nichtvergleichende, in einem Satz.

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» Dieses ständige Vergleichen, dieses Aufrechnen von Gutem gegen Schlechtes – und vice versa – selbst für meine eigenen Gefühle bekümmert mich, macht mich unleidlich, denn ich selbst brauche es nicht und mag es nicht, weder bei mir selbst noch irgendwo anders, und doch fühle ich mich immer wieder dazu gezwungen – weil nach meinem Urteil gefragt wird, verlangt wird, von beinahe allem und jedem, von dem ich umgeben bin; und versuche ich die Augen zu verschließen vor diesen Erwartungen und sie zu ignorieren, dann bin ich ausgeschlossen von dem, was die Leistungsorientierten “Leben” nennen, dann mache ich mich zum Sonderling, der es nicht wert ist, der nicht viel bzw. nichts wert ist, weil ich mir eben keinen Wert zumessen will, mich nicht vergleichen, abschätzen, entwerten lassen mag. «

 

So steht es in einem alten Notizheft von 1993, fein säuberlich zwei Tage nach meinem Geburtstag noch in lateinischer Handschrift niedergeschrieben. Welch ein gedrechselter und geschraubter Satz! Vielleicht inspiriert von der Lektüre der Schriften Immanuel Kants? Damals war ich gerade 30 und die vermaledeite Ellenbognerei war kaum drei, vier Jahre alt. Heute, fünfundzwanzig Jahre später (und viele Jahre der vergeblichen Abrackerei später), ist mir – bis auf ein paar “naturgegebene” Wettbewerblereien, die aber auch nicht wirklich sinnstiftend sind – das ständige Vergleichen, die Reduktion des Menschenwertes aus sein Vermögen, monetarisierbare Leistung zu erbringen, noch mehr zuwider. Ach!

 

Dieses “Begegnen auf Augenhöhe”, von dem so oft geschwurbelt wird, ist oft auch nur Schauspiel, herablassendes Schauspiel der Sich-höhergestellt-Fühlenden. Manchmal, nein, fast immer habe ich von der Wettbewerbsgläubigkeit die Schnauze so gestrichen voll, daß ich es selbst kaum glauben mag …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 03.02.2018 waren ein halbes Dutzend abgeschriebene Seiten, Nachdenk­lich­keit­zeit mit ein paar Schneeflocken draußen, gute Musik.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Kelche.

© 1993 & © 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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6 Antworten zu Alte Gedankenspielerei (Nº 034/2018)

  1. Gudrun schreibt:

    Weißt du, was ich mir jetzt wünsche?
    Dass du dir dein Kopftuch etwas straffer um den Kopf bindest, die Hände in die Hosentasche steckst, vor dich hin pfeifst und denkst: „Ihr könnt mich alle mal.“
    Ach, Emil.

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  2. wildgans schreibt:

    Das mit dem Wettbewerb und dem Konkurrieren musste ich den kleinsten Schulkindern schon beibringen – und es war seltsam: manche spürten, dass ich nicht dahinter stand. Und wenn dann die Bilder meiner Klasse aus dem Kunstunterricht nicht in Reih und Glied hingen, mit übergebratenem Thema, versteht sich, sondern ein kreatives, von den Kindern hin gehängtes individuelles Muster waren, guckten Kollegen und Vorgesetzte sehr angesäuert…
    Ach, Egon [? — Absicht? Der Emil], ich glaube, wir sind Wenige! Um so besser geht`s mir, wenn ich hier lese und eine ähnliche Wellenlänge empfinde!

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  3. Ulli schreibt:

    Ich stimme dir aus vollstem Herzen zu, mich ermüdet das schon lange und müde bin ich gerade oft und viel…

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