Zwickmühlenzeit (Nº 039/2018)

Mutsuche.

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Das im Folgenden Beschriebene ist bei mir gerade nicht aktuell. Es war einmal, mehrmals genau so.

 

 

Alles zuviel und von allem zuwenig. Wieder eine Zwickmühlenzeit. Und er? Er tigert umher. Geht vom Bett zum Tisch in die Küche zum Tisch zum Bett ins Bad. Blickt mit leeren Augen aus dem Fenster. Während in seinem Kopf … Nein, im Kopf ist: Nichts. Alles weg. Alles. Kein Gedanke, kein Gefühl, keine Erinnerungen, keine Wünsche. Oder doch. Ein Wunsch: Daß das alles einfach nur zuende ist. Daß er nicht mehr ist. Keine Belastung mehr für andere, nicht mehr krank, nicht mehr verschuldet, nicht mehr allein und einsam.

Es ist gut, daß er sich an diese Zwickmühlenzeit erinnern kann. Er kennt seit Jahren Tricks und Kniffe, wie er das Hineinrutschen in diesen Zustand, das Abgleiten, Untergehen verhindern oder mindestens so lange verzögern kann, bis er sich Hilfe suchen konnte. Manchmal hilft lesen, manchmal hilft reden mit Fremden; oft helfen ihm gute Freunde, per Telefon, die ihn an seine eigenen Erfolge erinnern, an überwundene Katastrophen und Krisen. Vorhin zum Beispiel. Wie gut es tat, daß da Verständnis auf der anderen Seite war, von der Art, die er schon kennt, und von dem er weiß, daß es echt ist. Das Angebot, für ein, zwei Tage hinzufahren, aus seiner Einsamkeit, seiner Umgebung auszubrechen, nein, nicht auszubrechen: in den zwei Tagen kann und darf er Abstand nehmen vom Üblichen und muß nicht einsam und alleine sein. Allerdings heißt das auch, daß er zwei Tage lang auf viele seiner Gewohnheiten verzichten wird.

Um einer Zwickmühlenzeit zu entgehen, wird er diese Zwickmühle aushalten. Seine Gewohnheiten unterdrücken, auf sie verzichten. So schwer ist das ja auch nicht. Zwei Tage leben, wie die meisten Menschen es tun. Mit anderen zusammensein. Reden. Etwas unternehmen. Verzichten auf Berieselung aus dem Fernsehgerät rund um die Uhr. An den Tagesrhythmus eines anderen Menschen angepaßt essen, schlafen und arbeiten. Nähe aushalten und genießen, ja, auch genießen; und aushalten.

Er muß nur noch den Mut finden, das Angebot anzunehmen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 08.02.2018 waren eine fertige Sendung, eine getroffene Entscheidung, überarbeiteter Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Münzen.

© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

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6 Antworten zu Zwickmühlenzeit (Nº 039/2018)

  1. wildgans schreibt:

    Wie gut: wenn man älter ist, hat man mehr und mehr Ressourcen! Angefangen beim heißen Bad bis zum Mailen mit einer hilfreichen Person der Telefonseelsorge. Einfaches Spazieren kann helfen- und was du alles beschreibst!

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  2. kopfundgestalt schreibt:

    Wie vertraut…wenn ich so sagen darf, ohne Argwohn zu erregen,
    Ich bin auch Einzelgänger, auch Depressiver, auch Angstpatient, auch Zwangskranker.

    Man fragt sich: Wieso das alles? WIESO?

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  3. natisgartentraum schreibt:

    Hilfe annehmen können ist ein guter und wichtiger Schritt.
    Rauskommen aus dem Alltagstrott, auch für kurze Zeit, bringt frischen Wind. Und man kann mit neuen Elan zuhause wieder loslegen.

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