Im Jetzt (Nº 077/2018)

Haben wir vergessen, was Lebenszeit bedeutet?

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(Ich wiederhole mich selbst, stelle heute einen alten Blogtext von mir hier ein. Erstveröffentlichung am 14. Juli 2009, damals bei MySpace. Und es gilt, glaube ich, noch immer.)

 

Vor einiger Zeit quälte ich mich mit einer Arbeit, die ich mir selbst eingebrockt hatte mit einer uneinhaltbaren Zusicherung – und nie wieder möchte ich solchen Druck erleben! (Ich hab es seither auch nicht wieder getan.) Es war nicht wie sonst: Denken, Hin­schrei­ben, Fertig. Es war anders. Und trotzdem eine ungewöhnliche Erfahrung, die ich nicht machen wollte, aber nun auch nicht mehr missen mag. Denn jetzt weiß ich, daß sich auch ein Lebenskünstler unter Druck setzen kann. Zeigt das nicht einmal mehr, daß die “Jetzt-­Und-­Sofort-­Oder-­Spätestens-­Bis-­Zum-­Termin”-­Lebensweise eine dem eigentlichen Menschen eher nicht angemessene ist? Eine, die am Glück, an der Zufriedenheit mit dem Leben (und nicht mit dem Erreichten!) gemessen, eher kontraproduktiv ist? “Aber bis dann und dann muß das und das erledigt sein!” Wieso? Weil Andere uns das so vorschreiben. Ist das ein eigenes, selbstbestimmtes Leben? Oder werden wir da gelebt – wird unser Leben da von Anderen dirigiert? Und wenn wir “gelebt werden”: Warum lassen wir das zu? Hilft das bei der Erfüllung irgendwelcher Aufgaben oder Wünsche? Kam das Sofort vor dem “Ständig erreichbar” oder danach? Sind wir weniger wert, wenn wir nicht zu jeder Zeit erreichbar sind und nicht sofort ans andere Ende der Welt kommen können?

Ist der Mensch nicht mehr in der Lage, in Zeiträumen zu leben? Geht es nur noch in dem Sofort nach dem Jetzt, nicht mehr im Jetzt?

Ich soll nur noch von einer Situation in die nächste hetzen, habe keine Zeit mehr zum verarbeitenden Innehalten und zum tatsächlichen Genießen? Dazu habe ich keine Lust. Bringen wir uns und unseren Kindern wieder bei was es heißt, Zeit zu haben und nicht nach Terminen zu hetzen. Egal, ob wir weiblich, Allein­er­ziehende, kinderlose Allein­er­ziehende, männlich, Polygamisten, Singles oder was auch sonst sind. Tun wir es einfach.

 

So, wie ich es gestern tat, als ich den Müßiggang übte.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 18.03.2018 waren fertiggestellte Listen, herzhaftes Lachen, Katerkraulen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

© 2009 & 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler
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2 Antworten zu Im Jetzt (Nº 077/2018)

  1. Jules van der Ley schreibt:

    Ich muss an den römischen Kaiser Septimius denken. Als er einmal abwimmelte, er habe keine Zeit, rief aus der Menge ein altes Weib: „Du hast keine Zeit? Dann sei kein Kaiser!“
    „Kaiser“ wäre beliebig auszutauschen.

    Gefällt 2 Personen

  2. piri ulbrich schreibt:

    weise Worte, einen guten stressfreien Wochenanfang wünsche ich von ganzem Herzen!

    Gefällt 1 Person

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