(2017: 336) Das 2. Türchen

Sein Anblick hat sich gewaltig verändert.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 
Weihnachtsmarkt

Gottfried Keller (∗1819 – † 1890)
 

Welch lustiger Wald um das hohe Schloß
Hat sich zusammengefunden,
Ein grünes bewegliches Nadelgehölz,
Von keiner Wurzel gebunden!

Anstatt der warmen Sonne scheint
Das Rauschgold durch die Wipfel;
Hier backt man Kuchen, dort brät man Wurst,
Das Räuchlein zieht um die Gipfel.

Es ist ein fröhliches Leben im Wald,
Das Volk erfüllet die Räume;
Die nie mit Tränen ein Reis gepflanzt,
Die fällen am frohsten die Bäume.

Der eine kauft ein bescheidnes Gewächs
Zu überreichen Geschenken,
Der andre einen gewaltigen Strauch,
Drei Nüsse daran zu henken.

Dort feilscht um ein winziges Kieferlein
Ein Weib mit scharfen Waffen;
Der dünne Silberling soll zugleich
Den Baum und die Früchte verschaffen.

Mit rosiger Nase schleppt der Lakai
Die schwere Tanne von hinnen;
Das Zöfchen trägt ein Leiterchen nach,
Zu ersteigen die grünen Zinnen.

Und kommt die Nacht, so singt der Wald
Und wiegt sich im Gaslichtscheine;
Bang führt die ärmste Mutter ihr Kind
Vorüber dem Zauberhaine.

Einst sah ich einen Weihnachtsbaum:
Im düstern Bergesbanne
Stand reifbezuckert auf dem Grat
Die alte Wettertanne.

Und zwischen den Ästen waren schön
Die Sterne aufgegangen;
Am untersten Ast sah man entsetzt
Die alte Wendel hangen.

Hell schien der Mond ihr ins Gesicht,
Das festlich still verkläret;
Weil auf der Welt sie nichts besaß,
Hatt' sie sich selbst bescheret.

 

 

Jaja, der Weihnachtsmarkt. Verändert hat er sich im Laufe der Zeit. Hier in der Stadt scheint er fast nur noch aus Freß- und Saufbuden und Rummelplatzattraktionen zu bestehen. Und laut ist er geworden, der Markt, der seit einiger Zeit schon bis weit über das Weihnachtsfest hinausgeht und bis zum 6. Januar als Wintermarkt weitervegetiert.

Trotzdem besuche ich ihn, heuer wie in jedem Jahr zuvor. Ich werde einen heißen Met trinken, vielleicht etwas essen, mir die wenigen Stände ansehen, die weihnachtliche Waren feilbieten. Vielleicht treffe ich Menschen, die ich kenne, die mich kennen, wechsele ein paar Worte mit ihnen. Trotz allen Gedränges, trotz allem Kommerzunwohl gehört der Besuch auf dem Weihnachtsmarkt für mich zur Advents- und Weihnachtszeit dazu. Und ich weiß, daß ich nicht sehen werde, was Gottfried Keller sah.

Werdet ihr den Weihnachtsmarkt meiden wie die Pest, wegen der “Terrorgefahr” nicht besuchen oder gehört er auch zu eurem Programm?

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.12.2017 waren eine wahrscheinlich geglückte Rettung, eine späte Meldung, ein sehr schönes Lied.
 
Die Tageskarte für heute ist die Neun der Kelche.

© 2017 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung). Gottfried Kellers Gedicht ist gemeinfrei.

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