Notwendigkeit Auffangen (2017: 067)

Aushaltenwollen und -können.

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Es ist etwas, das ich (auch) aus dem Kontext BDSM kenne, ja, das sogar ich als Dom schon in Anspruch nahm, und es wird in sehr vielen Bereichen des Lebens benötigt. Heute drehten sich meine Gedanken darum.

 

 

Die Hand zu reichen, reicht oft nicht aus; auch nach dem Aufhelfen ist Auffangen eine wichtige Geste.

Mit [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)] “signierter” Tweet.

 

 

Gehört hat “man” schon davon. Hier und da, ich bin mir sicher. Aber was ist dieses “Auffangen”? — In ganz unterscheidlichen Situationen offensichtlich etwas ganz Unterschiedliches, dessen konkrete Ausgestaltung meiner Meinung nach hauptsächlich vom Aufzufangenden abhängt, nach dessen Bedürfnissen erfolgen muß/sollte. Das setzt voraus und kann dann und nur dann gelingen, wenn der zum Auffangen Bereite, der Auffangende um diese Bedürfnisse weiß, sie mitgeteilt bekam oder bekommt. Herumraten oder “Versuch und Irrtum” sind da oft unangebracht, wenn nicht gar schädlich oder schädigend (leider trotzdem manchmal die einzige verbleibende Möglichkeit). Für mich braucht Auffangen emotionale Beteiligung und Kommunikation – die häufig auch schon vor dem stattfinden sollte, was den Wunsch, die Notwendigkeit zum Auffangen verursachen kann. Zu jeder Form des Auffangens.

Und: Auffangen ist mein Angebot. Es wurde auch schon abgelehnt, nicht angenommen. Schwierig für mich in diesen Situationen war zu erkennen, daß nicht ich abgelehnt wurde, sondern nur jegliche von mir leistbare Unterstützung, ganz gleich, wie richtig sie mir schien. In einem Fall war es auch nicht möglich, irgendwelche andere Unterstützung herbeizurufen oder nach Hinweisen in Anspruch zu nehmen. Da saß ich nur da und konnte nichts tun als eben dasitzen. Verdammt schwer auszuhalten! Aber es war genau das, was in diesem Moment als einziges möglich war. Alle vorher getroffenen Absprachen waren nicht einhaltbar, alle diese Dinge waren auch meinem Empfinden nach unerträglich.

Auffangen ist nicht nur nach negativen Erlebnissen, bei Trauer, Verlust, Absturz, möglich und notwendig. Selbst bei Erfolg, höchstem Glück, erfolgreich abgewendetem Schaden kann es hilfreich sein, wenn ein Mensch aufgefangen wird. Und ich spreche jetzt nicht davon, daß eine “harte Landung” verhindert, abgemildert werden muß. Nein, selbst nach absoluten Höhenflügen steht manchmal der Wunsch nach einem mitfühlenden Menschen, an den ich mich anlehnen kann, bei dem ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen kann, der mich in emotionalen Ausnahmezuständen ertragen kann. Neben der emotionalen Beteiligung, die für mich das Auffangen von professioneller Unterstüzung unterscheidet, ist dieses Aushaltenwollen und -können wichtig beim Auffangen. So denke ich.

Und wie denkt ihr?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.03.2017 waren eine gute Idee, geschaffte Musik, eine neue Ahnung.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Kelche.

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Gehen zu (z)weit (2017: 066)

Es ist nicht nur unveröffentlicht.

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Manchmal bräuchte es nur den Mut, eine Tür weiterzugehen, und die Einsamkeit wäre nicht mehr so groß.

Jeder Tag hat mindestens ein Geschenk für Dich. Aber hast Du auch genug Mut, es auszupacken?

Es ist Zeit.
Wie in jedem einzelnen verdammten Augenblick meines Lebens.

Wird Sehnsucht unerfüllbar, wird Sehnen zur Sucht & Tränen stürzen aus den Augen zu den Lippen nieder.

Mit [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)] “signierte” Tweets von mir
(Weil ich beim ersten die Ausweispersoninitialien verwendete, werde ich auch dabei bleiben.)

 

 

Vier meiner Tweets, die in der vergangenen Woche entstanden. Zu deren erstem ich einfach etwas dazusetzen wollte, das … Naja, wie aus Tante Erdmute kann daraus eine kleine Twittergeschichte werden. Und vielleicht gelingt es mir damit eher als mit der Tante, etwas daraus zu machen, das mehr als nur Tweets ist.

Wie das?

Zur Zeit versuche ich, zu den vier “Überschriften” (und zu noch ein paar weiteren hier herumfliegenden) Geschichten zu verfassen. Ich bin in meinem Schreibverhalten meinem Leseverhalten sehr ähnlich – ich habe immer mehrere Sachen “in der Mangel”. Die Bücher allerdings lese ich regelnäßig zuende, was mir beim Schreiben tatsächlich (jedenfalls bei buchlangen Texten) bisher nicht gelingen will. Gelingen wollte. Wirklich? Naja, vielleicht bringt die im Vergleich zum November geänderte Arbeitweise doch etwas. Ich weder es bemerken, davon berichten. Vorerst bin ich mit dem Projekt “Gehen zu (z)weit” und der verwirrend verwobenen Taxi-Nachbar-Texter-Peter-Patient-Agglomeration beschäftigt (vielleicht gehören diese drei separaten Kreise ja irgendwie zusammen).

Trotzdem. Trotzdem würde ich so langsam mal wissen wollen, warum das so und wie das eigentlich genau ist. Denn es bleibt eine Unzufriedenheit in mir, Unzufriedenheit mit den Ergebnissen, mit den Methoden, den Fortschritten. Unzufriedenheit mit mir. Herrgott nochmal! Wenn ich doch endlich eine mir passende Art finden würde, größere Stücke zu schreiben! Die Herumprobiererei hilft gerade nicht weiter. Pause hilft nicht. Wüst durcheinanderschreiben hilft nicht. Nichts hilft.

Nichts als mein Glauben daran, daß ich schreibe. Und ich weiß, daß irgendwann ein Buch daraus werden wird. Bis dahin bleibt “Gehen zu (z)weit” unveröffentlicht.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 07.03.2017 waren viele neue Leute beim Radio, eingeordnete Musik, ein nettes Bild, 1450 Worte.
 
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Gedankenmonolog über den Kerl (2017: 065)

Wie immer also.

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Fünf Minuten Pause hab ich mir verdient. Nur fünf Minuten raus, Beine vertreten und eine rauchen. Fürn Kaffee is jetzt keine Zeit, außerdem muß der ja dann auch wieder raus, irgendwann. Hm, nich viel los heute. Aber Moment mal. Moooooment. Der Kerl da. Der mit dem Kopftuch. Den kenn ich doch. Naja, was heißt “kennen”. Aber den hatt ich schon öfter. Einer, der nich so viel labert. Will auch immer dasselbe. Und is unkompliziert. Nein, der Opa nich, wenn, dann schon der Typ. Der sieht auch ganz niedlich aus. Ja, los Ela, nimm den Opa. Ich rauch noch auf.

Okay. Kippe aus, Mundspray, Lippen nachziehn, vorwärts. Jepp, er kommt zu mir. Wie immer also. Das werden … wart mal, das waren immer so knapp über Zwanzig. Meist gibt er 25 oder 30 – keine Ahnung, woran er das festmacht. Hm, der riecht gut, aber er sieht nich aus wie frisch geduscht. Das spricht für sein Deo oder Rasierwasser oder was immer er da auch nimmt. Heute lächelt er wieder so still vor sich hin. Jedenfalls soweit ich das in der Dunkelheit überhaupt erkennen kann. Boah. Die Stimme. An die konnt ich mich überhaupt nich einnern. Und der Geruch. Hach. Er läßt mich reden, hört sogar aufmerksam zu. Spielt nich mitm Telefon rum, das er in den Händen hält. Interessante Hände übrigens, kräftig, gepflegt; er scheint gut mit ihnen umzugehn und wahrscheinlich auch umgehn zu können. Ich hätt früher mehr drauf achten solln … Männlich riecht er, nich streng, sondern … wild, ein bißchen wie Wald. Was erzähl ich ihm denn alles?!

Oh, schnell abschaltn. Unauffällig, wie nebenbei. Und es soll ihm ja nich auffalln, daß ich … Egal, erledigt. An den Preis erinnern sich alle, an die Zeit nich so leicht. Und an die Strecke? Er hört immernoch zu, und wie er mich ansieht, wenn er denkt, ich merk es nich. Was macht er da mit seiner Hand. Nich vorhandene Haare wegstreichen. Ach nee, Haare hat er ja. Ob er auch welche auf der Brust? Schluß jetzt! Kaum bin ich im Haus allein, seh ich mich schonwieder nach Problemen um, oder wie? Himmel, so vereinsamt bin ich nun doch nich.

 

Ähm … Das is doch … Mein Ex hat mir geschrieben, daß die Kleine genau hierher, genau in dieses Haus gezogen ist. Und der Kerl will auch hierher. Hoffentlich hat er nix gemerkt.

“Dreiunzwanzichfuffzich.” “Dreißig. Stimmt so. Danke und eine gute Nacht.”

Das Taxi stand noch vor dem Haus, als sich dessen Tür hinter ihm schloß.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.03.2017 waren ein neues Portemonnaie, ein gefundenes Buch, Buchfinklob, Geschichtchen.
 
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Was ist das denn!? (2017: 064)

Für mich ist das kein Rätsel.

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Vorm Haus, in dem der neue Fahrstuhl auf dem absolut aktuellsten Stand der Technik ist (und der deshalb in den Störungsmodus geht, wenn jemand mehr als 30 s benötigt, um selbst hineinzukommen oder etwas einzuladen und deswegen die Aufzugskabinentür blockiert), liegen noch immer Reste der letzten Sperrmüllaktion. Die ist mehrere Wochen her. Natürlich haben die Hausmeister die meisten Überreste gleich danach beseitigt. Doch dieses Stück Beton liegt da noch:

 

Wie ein Stück Rand von einem in Beton mit quadratischem Querschnitt gebohrten Loch

Wie ein Stück Rand von einem in Beton mit quadratischem Querschnitt gebohrten Loch

 

Ein Teil, das aussieht wie … wie ein Stück von einer Scheibe eines in drei Scheiben geschnittenen Würfels, aus deren einem Randstreifen ein Kreisbogen herausgeschnitten wurde. Kompliziert, diese Form so zu beschreiben, daß auch Nichtsehende sich darunter etwas vorstellen können. Jedenfalls weiß ich, was das ist. Aber als ich das zum ersten Mal sah, zum ersten Mal davon hörte, da wollte ich es nicht glauben. Denn was ist das? Ein Betonteil, echter, schwerer Beton. Eines von bis zu vier Betonteilen, die als Ausgleichsmassen die Waschvollautomaten so schwer machen und für ihren relativ ruhigen Lauf auch beim Schleudern sorgen. Damals hüpfte eine neu gekaufte Maschine nämlich schon beim dritten Waschgang sehr lautstark durch die Küche. Der erscheinende Monteur nannte den Fehler: “Da ist nur der Beton locker.” Er stellte fest, daß eine der beiden Schrauben, mit der ein solches Betongewicht befestigt sein sollte, eben nicht fest war.

Seitdem weiß ich, warum Waschmaschinen so schwer sind. Der gewichtsmäßig größte Anteil der Geräte ist nämlich verdammt teurer Beton. (Früher war es manchmal auch Stahl, glaube ich.)

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 05.03.2017 waren Mut, Worte für Unsagbares, Zeit in der Moritzburg und das Gespräch mit einer Mitarbeiterin dieser über ein ungünstig plaziertes Ausstellungsstück.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Fünf der Kelche.

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Schreibdruck (2017: 063)

Und dann Verwirrung.

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Da saß er vor seinem Computer, starrte das leere Dokument an und nippte nervös an seinem kaltgewordenen Kaffee. Die Notizen für den Text, der in zwei Stunden eingereicht sein sollte, waren unaufindbar, das Notizbuch verschwunden. Er fragte sich seit Sunden, wo er es liegenließ, wann er es verloren haben könnte, wo dazu die Möglichkeit bestand. Ihm fiel nichts ein. Rächte sich jetzt, daß er seit einiger Zeit alles nur noch in ein einziges Heft schrieb, also Privates, sehr Intimes und auch alle Ideen und alles Material für seine Texte? Er war es einfach leid gewesen, ständig drei verschiedene Notizbücher herumzutragen. Jetzt hatte er noch zwei Stunden, um den in den letzten drei Tagen fast fertiggeschriebenen Text aus seinem Gedächtnis neu zu formulieren. Abtippen hätte etwa dreißg Minuten gedauert. Wieso hat er entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten nicht gleich jeden Abend das Gescheibsel in den Computer übertragen?

Also von vorn: Da war diese Busfahrerin, nein: Taxifahrerin. Die, die nur Nachtschichten fährt. Er hatte sich auf einer seiner Fahrten vom Bahnhof hier heraus ins Dorf angenehm unterhalten mit ihr. Nein, sie hatte gesprochen. Nur sie. Er warf nur ab und zu ein “aha” oder “soso” oder “wirklich” dazwischen. Jedenfalls drehte sie auf dieser Fahrt das Klischee um, daß Taxifahrer wie Friseure oder Barfrauen von den Gästen zugetextet werden, mit geschäftlichen und intimen Geschichten von Erfolg und Scheitern, mit Gefühlsausbrüchen und Heiratsanträgen. Nun, zu letzterem war es nicht gekommen, aber er erinnert sich auch daran, daß die Fahrt viel länger dauerte als sonst, obwohl sie kürzer gewesen zu sein schien. Und an ihre beiläufige Handbewegung, mit der sie nach dem normalen Fahrpreis das Taxameter abschaltete. Was hatte sie ihm alles erzählt? Sie begann mit … mit der Scheidung ihrer Tochter, nein, ihres Vaters. Oder doch mit der Geburt ihres Enkels? So alt hätte er sie auch nicht geschätzt, mit ihren roten Locken und den Sommersprossen. Dann war da auch der Auzug eines Kindes in der vergangenen Woche, aber ob Tochter oder Sohn, das hatte er wirklich vergessen.

Es klingelte. Ausgerechnet in dem Moment, da die Worte zu fließen begannen. Es klingelte mehrfach. Als er mißgestimmt die Tür öffnet, hiellt seine Nachbarin ihm sein Notizbuch unter die Nase. Er habe es vorhin bei ihr liegenlassen, als er ihr den Zugang zu seinem WLAN gab. Ja, den WLAN-Schlüssel hatte er auch darin notiert. Und diese junge Frau, vor einer knappen Woche eingezogen, hatte ihn am Nachmittag schüchtern gebeten, ob sie vielleicht, weil sie seinen Namen in der Liste der WLANs gesehen hätte, so unter Nachbarn … Er konnte nicht nein sagen. Er bedankte sich mit einem Blick auf seine Uhr, noch eine Stunde Zeit für den Text. “Ach ja, sie haben ja nur die Mittelwohnung mit Dusche. Falls Sie mal Lust haben auf ein Bad in der Wanne: Sie sind herzlich eingeladen.” Und hastig fügte er errötend hinzu: “Natürlich ohne jede Verpflichtung. Und bitte nicht jetzt sofort, ich habe noch eine knappe Stunde zu arbeiten.” Lächelnd antwortete sie: “Danke. Dann vielleicht in zwei Stunden? Ich bringe einen Rotwein mit, wenn ich darf.” Sie drehte sich so schnell um, daß ihre Haare aufschwangen und zwinkerte ihm, schon in ihrer Wohnung stehend, über die Schulter nocheinmal zu. “Und nach meinem Bad können wir ja über meine Mutter sprechen.”

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 04.03.2017 waren gute Ideen, Fortschritte beim Einlesen, ein sehr angenehmes Treffen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Einen Berg hinauf (2017: 062)

Ankommen, das beschwerlich scheint

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Zwölf Stunden Schlaf am Stück, den auch ein Wecker nicht beenden konnte. Auspacken, wegräumen, Wäsche anwerfen, Geschriebenes betrachten, am Rechner sitzen, Wäsche aufhängen. Gegessen habe ich auch und Kaffee getrunken und vor mich hingestarrt. Dann war Musik herauszusuchen und die Bücher mußten zurechtgelegt werden. Schließlich stand am Abend noch eine Livesendung an. Und zur Sparkasse mßte ich und meine Fahrkarte noch kaufen und zur Post usw. usf. – der Nachmittag war gut ausgefüllt.

Der Einstieg in den eigenen Alltag. Beschwerlich. Ein Gang wie einen Berg hinauf. Voller Erinnerungen an so viele Eindrücke, an so vieles … Morgen wird es schon einfacher sein. Morgen werde ich auch wieder Zeit für und Gelegenheit zu mehr Geschriebenem haben.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 03.03.2017 waren wieder das Verschlafen, eine Idee für den Buchfink und natürlich auch die Sendung.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Münzen.

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Lobeshymnen (2017: 061)

Von zuhause aus.

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Des Lobes voll kann ich heute sein. Zum einen meinen drei Gastgebern gegenüber, die mich wiedersehen möchten (und, wie teilweise schon in Planung, wohl auch werden), und zum anderen den Mitarbeitern der DB gegenüber. Ja, ich bin heute trotz Verspätung eines Zuges mit unseren/m Schienenverkehrsunternehmen und ihren Mitarbeitern zufrieden. Da ich diese Worte schreibe, sitze ich noch im IC 2057, der mich von Kassel-Wilhelmshöhe bis nach Halle (Saale) bringt. Es ist trocken, angenehm temperiert, der ZuB ist freundlich und sagte mir sogar, wo in einem Wagen mit Steckdosen noch Platz am Tisch ist. Erstaunt war ich auch über die von /si per Twitteraccount @DB_Bahn erfahrene Bertreuung. Nein, die war nicht besonders umfangreich oder kompliziert, aber das war wirklich ein sehr positives Erlebnis.

Einfach eine Woche ein anderes Leben miterleben, mitleben, leben – diese Möglichkeit zu haben! Ja, da bin ich des Lobes voll. Die Dankesworte könnte ich glatt noch einmal schreiben. Und für anderes fehlen mir jetzt noch die (äußerbaren, öffentlichen) Sätze. Die hole ich bestimmt nach, wie einige andere Dinge auch.

 

Jetzt bin ich tatsächlich zuhause angekommen. Und ehe ich den Rucksack auspacke, melde ich mich hier …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 02.03.2017 waren Verschlafen, Milchreis, wehmütiger Abschied, die Einladung zum Wiederkommen, die gelungene Heimfahrt.
 
Die Tageskarte für morgen ist VI – Die Liebenden.

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Beobachtet im Wingert (2017: 060)

Nachmittags im Sonnenschein

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Zwischen den Rebstöcken bewegt er sich langsam, aber sehr sicher im steilen Hang des Weinberges. Der jüngste ist er wohl nichtmehr, dazu sind seine Schritte zu gemessen. Doch bergauf! Hinauf muß er kommen, nach oben und von dort wieder herab! Erst einmal bergauf. Immer wieder bleibt er in der Frühlingssonne stehen, blickt nach rechts und links, sieht sich dieses und jenes länger und wohl auch genauer an. Dann duckt er sich, auch der Schwanz steht still: Der schwarzweiße Kater wird wohl eine Maus entdeckt haben.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.03.2017 waren viel Geschriebenes, leckerer Kuchen, viel miteinander Reden.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Schwerter.

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Viel zu selten (2017: 059)

Nein, ich übertreibe gerade nicht.

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Heute möchte ich als erstes einfach einmal Danke sagen. Danke für:

  • so viel Vertrauen
  • so viel Freude
  • so viel Fröhlichkeit
  • soviel Wasser
  • soviel Liebe, die ich sehen darf
  • so viele Mühen, die zu selten gesehen und noch seltener gewürdigt werden
  • noch mehr Vertrauen
  • Zeit
  • soviel Geduld
  • so offene Gespräche
  • so unendlich viel Verständnis und Verstehenwollen
  • leckeres Essen u.v.m.

 

Obwohl dieser Tag (für mich) schwierig begann, wurde er wie seine Vorgänger hier ein guter Tag. Das lag unter anderem an der sichtbaren Freude der Junioren im Wasser des Solebeckens. Ich wußte kaum noch, wie anstrengend der Aufenthalt im Wasser sein kann. Zumal ich ja nicht nur zu meinem eigenen Vergnügen darinnen war, sondern die meiste Zeit wahrscheinlich viel zu sehr auf das geachtet habe, was die Junioren dort taten. Eventuell habe ich morgen Muskelkater davon.

Und der Nachmittag? Der war für mich dann entspannter. Ich ließ die Seele baumeln, nickte wohl auch ein paar Mal im Sitzen für ein paar Sekunden oder Minuten ein. Ich war und bin wirklich geschafft. Wie Petra das schafft, das alles schafft, was sie tagtäglich leisten muß für die Junioren und für sich, das kann ich nur anerkennend bewundern (es ist der völlig falsche Ausdruck dafür, ich weiß; ich muß wohl ein Tunwort erfinden). Ach könnte ich doch nur …

Jetzt gehe ich voller Dankbarkeit zu Bett. Und freue mich auf morgen, einen besonderen Tag, der leider nicht der richtige besondere Tag ist. Hä? Rätselt ruhig ein wenig daran herum …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 28.02.2017 waren das Aquatoll in Neckarsulm, die gesehene Freude, Aufrichtigkeit, Dankbarkeit.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

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Nach dr Maultasch (2017: 059)

Unterwegs besucht

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Nach einem Maultaschenessen (“in dr Brieh”) ging es hinauf, um einmal Heilbronn von oben anzusehen. Ja, ein netter Blick auf und über eine Stadt in beinahe sommerlichem Wetter. Aber viel interessanter war der Anblick dieser Weinbergshütte: vielleicht zweieinhalb mal zwei Meter groß (ich könnte anhand der Dachziegel präziser schätzen), alte Bretter, von Wind und Wetter ausgebleicht; die Tür hängt unverschließbar nur noch in der oberen rostigen Angel und wird mit einem Schaufelstiel gestützt. (Ich habe durch den Spalt auch hineingesehen und -geknipst, werde diese Bilder aber noch nicht zeigen.) Bergab ist die Hütte mit Efeu (?) überwachsen, von den roten Dachziegeln fehlen schon einige. Eine Hütte wie viele in den Weingärten und -bergen hier.

 

(Beschreibung im zugehörigen Blogtext)

(Beschreibung im zugehörigen Blogtext)

 

Wer den Standort der Hütte und die Rebsorte(n) der darum herum stehenden Weinstöcke richtig angibt, gewinnt einen Blick hinein. Aber ob’s ein Gewinn ist?

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 27.02.2017 waren Kaffee bei Hagen, Bücher im SecondHand-Kaufhaus der Aufbaugilde Heilbronn, Maultaschen und noch so viel anderes mehr (, daß ich kaum drüber schreiben kann) …
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

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Überreich (2017: 057)

Gedankenwälzend.

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Ein breiter, sehr breiter Kühlturm, der Hybridkühlturm von Block II ist noch markanter als die beiden Halbkugeln der Kernreaktoren in Neckarwestheim (jaja, neu heißt das Atomreaktor, obwohl darinnen Energie aus Kernspaltung erzeugt wird).

 

In Bietigheim sah ich heute, daß sowohl in der Städtischen Galerie als auch im Stadtmuseum kein Eintrittsgeld erhoben wird. Und von der Galerie weiß ich, daß sie recht gut besucht wurde in der Zeit, in der auch wir dort weilten.

Und ansonsten bin ich mit einigen der in der Ausstellung »Was ich mit mir trage …« Gepäckstücke und ihre Fluchtgeschichten zu lesenden Texte beschäftigt. Nämlich mit denen, die über Flucht oder Ausreise aus der DDR berichteten. Ich selbst hatte nie die Idee, den Wunsch, dieses Land für immer zu verlassen. Eine Reise zu meinen Verwandten in der Bundesrepublik wäre schön gewesen, aber dafür hätte ich meine Heimat nicht aufgeben wollen …

 

Ein weiterer überreicher Tag geht zuende. Ich bin rechtschaffen müde …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 26.02.2017 waren der besuchte Gottesdienst, das neu kennen- und schmeckengelernte Gewürz Kreuzkümmel (muß ich auch haben) in sehr leckerem Gulasch, zwei Ausstellungen in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen, Gedankenwälzen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

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Stoiker (2017: 056)

Mit kaltem Blut?

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Dunkler Hengst, ein leichtes Kaltblut (?), Stockmaß etwa 150 cm, hielt zum Photographieren ganz still 
Am Nachmittag war ich allein im Städtchen unterwegs. Ich hörte noch das Glockenspiel vom Alten Rathaus, sah mich dort rundherum um, fand einen informativen Brunnen, eine doppelte Spindelkelter am Straßenrand, ging hinauf zur Kirche St. Veit, saß dort in der Sonne, schlenderte über den Friedhof und hielt auf dem Rückweg neben einem Weinberg an einer Pferdekoppel an. Vier Tiere standen dort, zwei fast schwarze mit langem Fell an den Beinen und sehr langem Schwanz, zwei unterschiedlich große Braune. Unterwegs hatte ich schon einige Bilder aufgenommen, wollte mich mit denen schon zufriedengeben und zückte dann doch nochmal die Knipselmaschine, als der Hengst stehenblieb wie ein Standbild, ohne sich zu rühren. Meine Faszination wird zur Zeit sowieso von allem erregt, daß Fell trägt – ganz konnte ich meine Hände also auch nicht vom einzigen Pferd lassen, das für eine Berührung nahe genug am Zaun stand: von diesem schwarzen Hengst.

 

Seitenansicht des Hengst-Kopfes von links (mit undefinierfarbigem Stoffzaumzeug)

Seitenansicht des Hengst-Kopfes von links (mit undefinierfarbigem Stoffzaumzeug)

 

Hengst Ansicht von vorn.

Hengst Ansicht von vorn.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen und Schauen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 25.02.2017 waren gute Erfahrungen, ein Spaziergang allein, Pferde.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Kelche.

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Alltag, der kein Alltag ist (2017: 055)

Mitleben und -arbeiten, so gut ich kann

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Mich in eine fremde Tagesroutine einzubringen, ist nicht so einfach, als ich das dachte. Zumal ich Nachtmensch hier keiner sein möchte. Doch ich fühle mich nicht unwohl, was ganz sicher an den drei Menschen liegt, bei denen ich zur Zeit bin.

So hatte ich dann heute die Gelegenheit, die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall zu besuchen. Zur Zeit sind dort “Wasser, Wolken, Wind – Elemantar- und Wetterphänomene in Werken der Sammlung Würth” zu sehen. Und ich kann euch sagen, ich war (und bin es noch) wirklich schwer beeindruckt. Sicher, einige der gezeigten Kunstwerke sind nicht einfach zu erfassen, zu betrachten. Doch fand ich eines, von dem ich sofort angetan und in denn Bann geschlagen war: Alex Katz‘ “Large Marina 1”. Auf dem ist … nun, nicht viel zu sehen. Ein Blick von Zühlendorf hinüber zum Darß vielleicht, sehr hell gehalten ist alles, und auf dem Wasser nur drei Boote. Groß ist das Bild und es leuchtet in mir nach …

Das, was ich für eine in übergroßem Format abgezogene Fotografie hielt, eine wahnsinnig brechende Welle in schwarz-weiß, entpuppte sich als montierte Kohlezeichnung. Boah! Und wenn ich mir Max Liebermanns “Badende Knaben” ohne den in meinen Augen schwülstig auftragenden Rahmen (mir schaudert noch jetzt) vorstelle: auch dieses Bild würde mir gefallen. Und ja, Kunst kann es auch sein, Mayonnaise und Filzstift auf weißem Papier zu verschmieren; die verderbende Natur bringt dann weiter Farbe hinein (Dieter Roth: Große Wolke).

So viele Bilder, einige Skulpturen/Objekte. Und alles bei freiem Eintritt, Hut ab! So viele Eindrücke und so viele Gedanken …

 

Der Nachmittag verging im Flug mit Einkauf und Routine. Nun, ganz allein Dinge zu tun behagt mir noch nicht. Aber es wird werden. Mir helfen ja auch drei wunderbare Menschen dabei, mich einigermaßen einzufügen und nicht fremdkörperhaft zu bleiben. Ein paar Tage Zeit haben wir noch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 24.02.2017 waren geschaffte Routinen, Kunst, Kunst, Kunst, leckerer Kartoffelsalat, nette Unterhaltung.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Unterwegs (2017: 054)

Wasserreiche Hinausblicke

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Es bleibt mir für Stunden nicht viel mehr zu tun, als aus dem Fenster zu blicken und die zum Teil schon über ihre Ufer getretenen Flüsse anzusehen, wie die Saale bei Saalfeld zum Beispiel. Mit wütendem Schaum drischt sie über ein Wehr. An den Waldrändern finden sich trotz aller Frühlingshaftigkeit noch immer ein paar wenige Schneereste. Vom Sturm, der heute übers Land ziehen soll, ist hier nichts zu sehen. Vorbei geht es an alten Fachwerkbahnhofsnebengebäuden, deren Anblick mich in seinem fortgeschrittenen Verfallsstadium erschrickt: Da sind nicht nur Fenster leer oder Dächer eingestürzt, da sind auch Schmierfitti dran und Müllberge liegen davor oder quellen aus ihnen heraus.

Ein übervoller Mühlgraben verschwindet hinter einem Haus, von dem ich nicht erkennen kann, was es einmal war: Loh- oder Getreidemühle, Pochwerk? In einem kleinen Städtchen mit einigen alten Häusern und vielen neuen “Eigenheimen” steht neben der traditionellen Kirche im Zentrum noch ein weißes hochmodernes Betonkirchenungeheuer in einer Hangsiedlung am Rande. Komplett schieferverkleidete Häuser wechseln sich mit aufgelassenen Bahnwärterhäuschen an der Strecke ab. Gewässer sind schmaler, schneller; die Schneeflecken größer. Ganze Wiesen sind komplett durchnäßt.

Wahrscheinlich hat der Zug eine Wasserscheide überquert auf seiner Faht nach Südwesten. Denn plötzlich fließen die Gewässer nicht mehr gen Norden, sondern in Fahrtrichtung. Sie werden größer, sind immernoch voller als voll und nehmen bei jeder sich beitenden Gelegenheiten an ihren Ufern liegende Wiesen und Wege in Besitz. Ein kleiner Holzsteg ist am aus dem Wasser ragenden Geläner zu erahnen und an der Welle, die das Wasser über ihn schlägt. Manche Parkplätze in den Gewerbegebieten am Rande der Orte sind größer als das zugehörige Betriebsgelände und stehen voller Autos, in denen jeweils nur eine Person über weite Wege zur “Arbeit” fuhr.

Foliengewächshäuser. Und schon verschiedenes Saatgrün auf Feldern. Durch ein offenes Hoftor ist im Vorbeihuschen ein heftig Tätowierter mit freiem Oberkörper zu sehen, der im Sonnenschein Holz hackt. Direkt neben dem Gehöft ist wieder eine große Wiese überschwemmt. Ein alter Traktor steht steht bis zur Hinterachse im fließenden Naß; ob er nach diesem Bad wieder funktionieren wird, frage ich mich, und sehe das rostig grüne Gefährt schon unter Schweißbrennern Funken versprühen. Aluschachtelwerkhallen und Wochenendgrundstücke liegen in der Nachmittagssonne. Das grüne halbkugelüberkuppelte runde Ding ist kein Atomkraftwerksreaktor, aber wahrscheinlich eine Biogasanlage.

Wieder riesige überschwemmte Flächen neben einem eingedeichten Fluß, dessen Namen ich nicht kenne. Der Wald rechts und links des Bahndamms steht unter Wasser. Auf Teichen sind noch Reste der Eisflächen sichtbar. Kurz vor Lichtenfels – ich muß später einmal nachsehen, welcher Fluß das ist. Moment: Hier im Zug gibt es doch Internet, also schnell mal einen Blick auf Openstreetmap geworfen. Siehe da, das raumgreifende Flußbett gehört zum Main. Da wird der Neckar wohl auch ziemlich viel Wasser führen … Nürnberg würde ich gerne wieder einmal für ein paar Tage besuchen, fällt mir ein, während ich auf dem Bahnsteig hektisch eine Zigarette rauche.

Unzählige Fahrräder stehen an einem im Unmbau befindlichen Bahnhof, der “Elektro-Müller” heißt, einer verblassenden Aufschrift auf unverputztem Ziegelmauerwerk zufolge. Und endlich rollt der Zug zwischen diesen hochmodernen, wunderschönen grauen Wänden, die hier – oh Wunder! – noch nicht besprüht sind. Ein hochästhetischer Anblick vor dem Fenster, der nicht so chaotisch und verwirrend ist wie diese kaum berührte Natur in den Tälern bisher. Wie schlimm müssen Reisen in der Vorschallschutzwandzeit für die Menschen gewesen sein, als noch bei 30 km/h die Befürchtung des Geschwindigkeitswahnsinns Stand der Wissenschaft war.

Dann braune Tiere auf einer Wiese, fernab, vor einem Wald. Ich kann nicht erkennen, ob das Rehe sind oder Ziegen, auch einen Zaun sehe ich nicht. Doch die Vorstellung von Ziegen gefällt mir wesentlich besser. Ich mag diese Tiere, die ich aus dem Heimatdorf sogar noch als Bergmannskuh kenne. Ziegen am Waldrand hinter überschwemmten Wiesen im Sonnenschein.

 

Grad frag ich mich, wieso ich hier, im neuen Zug, überhaupt ausgepackt habe, denn bald, in 30 min muß ich wieder aussteigen und vorher irgedwie alles verstaut haben.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 23.02.2017 waren geschaffte Anschlüsse, gesehene Landschaft, getroffene Menschen und viele nette kurze Mitreisendengespräche, am Ziel erwartet werden, Reden.
 
Die Tageskarte für morgen ist VII – Der Wagen.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Zetteltexte (2017: 053)

Bevor ich sie wegwerfe.

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Beim Scannen fand ich in einem der Haufen zwei Zettel, von denen ich nicht weiß, ob ich das Geschriebene schon einmal veröffentlichte. In meinen Blogs jedenfalls finde ich sie nicht.

 

 

Dinge, die wichtig sind, notiere ich in Telefon und Computer; was ich vergessen darf, wird noch immer auf Papier geschrieben. Was wird wohl eher unlesbar sein? — So war und bin ich schnell, manchmal zu schnell unterwegs. Und oft zu unbedacht. Deshalb rannte ich gegen die Wand. Immer wieder. Diesmal rannte ich so heftig gegen die Wand, daß ich sie umriß. Und wir liegen beide am Boden.

 

 

Zetteltexte von 2016. Das weiß ich noch.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 22.02.2017 waren Ausschlafen, Mitagsschlaf, Wannenbad, fertig packen.
 
Die Tageskarte für morgen ist X – Das Rad des Schicksals.

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