“Gerannt”. Nº 217 (2017)

Ultreïa! Tag 1.

 

Eine Stunde später als geplant fuhr ich mit der S-Bahn von Halle nach Leipzig. Vorher traf ich in der Bahnhofsmission noch zwei Menschen, die auch pilgernd unterwegs waren, auch auf dem Ökumenischen Pilgerweg in beiden Richtungen. Naja, die hätte ich sonst wahrscheinlich nie gesehen und mich auch nie so kurzweilig mit ihnen unterhalten.

Gudrun erwartete mich schon am Bahnsteig, wir saßen dann ein Weilchen mit einem Kaffee – Danke, Gudrun! – im Schatten in dem kleinen Park direkt vorm Leipziger Shoppingcenter mit Gleisnaschluß. Bevor wir losgingen zur nächsten Haltestelle der Bimmel, eben auch in Richtung des Weges, machte sie mit ihrem Telefon noch zwei Bilder von mir. Ich hoffe, sie sind geworden. Wir verabschiedeten uns kurz, denn “ihre” Bahn fuhr gerade in die Haltestelle. Ich winkte ihr hinterher.

Ziemlich genau um zwölf ging ich dann alleine weiter. Ein paar Straßen der Stadt, dann durchs Rosental, durch die Burgaue, durchs Quasnitzer und Hänicher Holz; weil ich dort aber irgendwann keine Muscheln mehr sah, kürzte ich ab, ging den Luppebogen nicht mit, sondern sehr gerade auf die Domholzschänke zu. Plötzlich hatte ich nur noch einen Kilometer zu gehen. Viel zu früich dann an der Rittergutskirche Kleinliebenau. Bis dahin hatte ich eine Pause gemacht, drei Liter Wasser getrunken. Auf dem Telefon wurden mir 13,7 km (statt geplanter 14,75 km) in nur 2 Stunden und 20 Minuten reiner Gehzeit angezeigt, das waren fast 6 km/h statt der geplanten 3,5 bis 4 …

Nach der freundlichen Begrüßung und Einweisung konnte ich mir einen Platz vorbereiten, duschen, das völlig verschwitzte T-Shirt schnell waschen und raushängen. Ich war gerade fertig damit, als zwei weitere Pilger ankamen. Ich begann, meine Notizen zu vervollständigen und abzutippen. Fertig wurde ich damit nicht, denn um 18 Uhr war ich wirklich bei der Pilgerandacht hier in der Kirche. Danach gab es noch das bis kurz vor acht dauernde Gespräch mit dem Menschen, der das Projekt Pilgerherberge und die Restaurierung der Kirche – die nie entwidmet war – erst ermöglichte. Die mittlerweile drei anderen Pilger schlafen heute Nacht in der Kirche, auf der Orgelempore, ich bleibe hier allein.

Das Internet ist hier nicht besonders stabil, ich wollte gerne nachsehen, ob es nicht um Merseburg herum noch andere Herbergen gibt und so aus den für morgen geplanten zwölf vielleicht doch ein paar mehr Kilometer werden, wenn es nicht regnet, könnte ich vielleicht gar bis Frankleben …

So, nun hoffe ich, daß das Netz mit mir ist.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 05.08.2017: Leipzig Hauptbahnhof nis Kleinliebenau (13,7 km).
 
Positiv war heute eine Ankunft, ein Gespräch, Ruhe.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Kelche.

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Unterschlagen. Nº 216 (2017)

Ultreïa! Tag X-1

 

Ich habe tatsächlich die erste Etappe meines diesjährigen Pilgerweges unterschlagen, vergessen, ausgeblendet – was auch immer. Morgen früh, am 5. August 2017, geht es los: Um 7.48 Uhr steige ich vorm Haus in den Bus und fahre nach Leipzig. Vielleicht treffe ich mich morgen dort noch mit Gudrun von den Spinnradgeschichten – und dann liegen die ersten 17 km vor mir, vom Hauptbahnhof bis in eine kleine Kirche in Kleinliebenau. Weil nun Wochenende ist und die Versorgung sowohl morgen als auch am Sonntag sowohl wochentags- als auch streckenbedingt eher schlecht sein wird, habe ich etwas mehr an Vorräten dabei. Dafür ist der Rest leichter geworden, denn ich habe das Netbook gegen Tablet und Bluetooth-Tastatur getauscht und auch sonst einige Sachen weggelassen, die ich voriges Jahr auf dem #oekuweg nicht nutzte.

Kirche. Strohlager. Schloß. Das sind die ersten drei Pilgerherbergen. Denen, die sie betreiben und betreuen, möchte ich schon jetzt danken für ihre Unterstützung –und natürlich auch für ihren Beitrag zur Erhaltung einer uralten Reiseform: zu Fuß unterwegs sein. Erinnert euch: Goethe ging zu Fuß nach Italien, Heine durchwanderte den Harz. Und seit Urzeiten ist eine Tagesstrecke um die 25 km; so weit ist Gotha auch von Erfurt entfernt. Beide Städte werde ich durchqueren, wie auch Merseburg, Freiburg (Unstrut), Naumburg und am Ende Eisenach. Mal sehen, ob ich wenigstens alle Dome besichtigen werde. Auf den Hörselberg jedenfall werde ich steigen, der Weg führt darüber hinweg.

Treffe ich wieder Menschen, mit denen ich ein paar Schritte gemeinsam gehen darf? Was sehe ich alles, was ich sonst nicht bemerke?

Für 13 Etappen (vielleicht 14) hoffe ich auf gute Begegnungen und leichtes Unterwegssein.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs pilgert weiter und dankt für’s Lesen.

P.S.: Die Strecke am 04.08.2017: dreimal Rucksack ein- und umpacken.
 
Positiv war heute das Treffen mit der allerallerallerbesten Freundin, das funktionierende Equipment, der fast fertige Rucksack.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Vielleicht schon übermorgen (2017: 215)

Irgendwie packt es mich jetzt doch.

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Oder aber auch erst am Montag. Nicht am Sonntag, denke ich.

Es ist egal. Ich weiß, woher diese Unwohlsein kam. Vom Aufschieben. Seit ich das Losgehen nicht mehr vor mir herschiebe, sondern nur noch einige Dinge zu erledigen habe, seitdem ist es weg, dieses Flattern der Nerven, das Grummeln im Bauch. Heute zum Beispiel bin ich den ganzen restlichen Weg gegangen, von Leipzig bis Vacha, in zwölf bis vierzehn Etappen. Ich habe für den Weg nun zwölf GPX-Tracks – früher schrieb ich mir Orte und Straßen auf einen Zettel, heute kann ich mir die fetten Striche in der Karte auf dem Telephon ansehen. Ein Karte habe ich aber auch noch dabei.

Die längste Tour ist 28 km lang und führt von Stedten (am Ettersberg) durch Erfurt hindurch. Ich bin nicht gerne in Städten zu Fuß unterwegs, will schnell hindurch. Und die darauffolgende Nacht in einem Raum voller Bücher schlafen. Die kürzeste Tagesroute – eigentlich sind es zwei: Kleinliebenau → Luppenau und Luppenau → Frankleben – hat etwa zwölfeinhalb Kilometer

Ich werde in einem Schloß schlafen, in einem Strohlager, in Pfarrhäusern, vielleicht auch im Zelt, in mindestens einer Kirche. Ich werde gehen und twittern und denken, bis dann das Denken durch das Erleben ersetzt wird. Sehen werde ich und riechen (ja, auch ich werde riechen). Und schmecken, glaube ich, werde ich auch wieder, am Wegrand werden hoffentlich reife … Obste? Öbste? Am Wegrand wird hoffentlich viel verschiedenes Obst reif sein. Ich hoffe ja auch darauf, daß sich für die zwei Wochen stabil trockenes, nicht zu heißes Wetter einstellt, dann sind die 241 km (laut Planung, am Ende werde ich einige Kilometer weiter gegangen sein) gut zu machen.

Was ich mich jetzt frage: Gibt es Blogger und/oder Twitterer an der Strecke, die ich treffen werde? Finde ich immer rechtzeitig genug Wasser und Läden? Habe ich genügend Klopapier dabei? Ist das Mobilfunknetz abends gut genug für den Blog? — Wie im letzten Jahr werde ich feststellen, daß alles paßt.

Also: Es geht los – ähm: er geht los. Wundert euch also bitte nicht, wenn ich euch demnächst wieder mit “Ultreïa!” begrüße.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 03.08.2017 waren das Loslassen, die fertige Planung, der explodierte Ricksack.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVI – Der Turm.

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Ich weiß jetzt, wo es steht (2017: 214)

Dieses geflügelte Wort

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In irgendeiner Form kennt man diesen Spruch; vielleicht nur in einer abgewandelten, einer mit “dumm” gebildeten Form. Nun kenne ich aber die Quelle – lesen bildet (sic!)!

 

 

Das ist schön bei uns Deutschen; keiner ist so verrückt, daß er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht.

Heinrich Heine: Die Harzreise. (In H. Heine: Reisebilder. S. 14)
bb 126 Aufbau-Taschenbuch. Aufbau-Verlag, Berlin W 8 1962. Lizenz-Nr. 301.120/72/62

 

 

Für die Unterwegszeit zeichnete ich heute Abend eine Buchfink-Sendung auf mit nur einem einzigen Buch im Studio. Die “Reisebilder” von Heinrich Heine, in denen “Die Harzreise” und “Ideen. Das Buch Le Grand” abgedruckt sind. Und wie wundervoll politisch unkorrekt und wie liebevoll bildhaft boshaft manche seiner Beschreibungen sind: Heute, 191 Jahre nach dem Erstdruck, würde das niemand mehr zu drucken wagen, befürchte ich …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am ..2017 war .
 
Die Tageskarte für morgen ist XIII – Der Tod.

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Kraft der Träume (2017: 213)

Universum universal.

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Wenn wir uns eines Tages der Kraft bewußt werden, die in unseren geheimen Träumen steckt, dann wird die Welt eine andere und wir werden das Universum sein. Und das Universum ist jede und jeder einzelne, die oder der nicht allein ist.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.08.2017 waren Kaffee zu zweit, Sturm und Schwüle, Dr. Who.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

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Die Karussellfahrt (2017: 212)

Zum Weiterspinnen freigegeben.

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Plötzlich beginnt alles um ihn zu kreisen, sich zu drehen. Er weiß, daß er vollkommen still steht – doch alles kreist. Die Menschen und Dinge um ihn herum zerfließen zu Streifen, werden gedehnt. Als ob alles an ihm, als ob er in wahnsinniger Geschwindigkeit an allem vorbeirast, sich vorbeidreht. Wie im Kettenkarussell, früher, auf dem Rummel im Dorf, wenn der Schausteller aus dem Nachbardorf das Karussell viel schneller drehen ließ, als es überhaupt erlaubt war. Die Sitze an den Ketten hoben sich fast in die Waagerechte. Genau jetzt fühlt es sich wieder so an. Alles dreht sich um ihn, weil er an allem im Kreis vorbeifliegt. Obwohl er wirklich stillsteht. Dann wird es dunkel und er hört von Ferne, leiser werdend, seinen Namen rufen. — Daß man ihn wieder habe, das ist dann das Nächste, was er hört. Und es wird vielleicht das letzte sein, denn es kommt ein Licht auf ihn zu …

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 31.07.2017 waren gute Einkäufe, eine Zustimmung, ein sehr netter Abend.
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Stäbe.

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Abschweifung (2017: 211)

Sinnvolle?

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Die Sonne brennt – anders kann ich das nicht nennen – vom blauen Himmel. Es fühlt sich an, als schlüge die aufgetragene Sonnencreme nach kürzester Zeit Blasen, wie Kolophonium, in das ich den Lötkolben zu lange hineinhalte. Vor zwei Tagen noch gab es Regenschauer, die in zwei Stunden mehr Wasser auf die Erde rauschen ließen als sonst in einem nassen Monat insgesamt vom Himmel fällt. Seit gestern ist es auch im Schatten kaum noch aus­zu­halten. Schlimmer als die Hitze ist jedoch die ständige Schwüle. Das Drückende, Lähmende der Luft will einfach nicht vergehen. Ob nun 18 °C oder 32 °C – immer läuft mir der Schweiß übers Gesicht, dringt mir aus allen Poren und läßt mich alle zehn Minuten an kaltes Duschen und Aus- oder Umziehen denken. Das ist doch alles nicht mehr normal, das ist kein Wetter, wie es in diesen Landstrich gehört …

Ich befürchte ja, daß wir Menschen diese Veränderung zu einem Gutteil verursacht haben. Mit unserer Selbstüberschätzung, unserer Gier nach einem unvernünftigen “Mehr”. Ja, dieses Mehr an Verbrauch statt an Gebrauch und Bewahrung. Und ich befürchte, daß es für eine Rückkehr zum “althergebrachten Klima” wahrscheinlich schon zu spät ist.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 30.07.2017 waren leckeres Mittagessen, einige Trainingseinheiten, ein wenig Zugluft.
 
Die Tageskarte für morgen ist XXI – Die Welt..

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Haiku (2017: 210)

Ich zähl‘ sie nichtmehr.

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Schäfchenwolkenrot
Tiefblau dunkelnder Himmel
Ein Stern überm Wald

Ein Haiku.

 

 

Ein Bild dazu brauch ich bestimmt nicht zu zeigen, das stellt euch bitte selbst vor …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 29.07.2017 waren Spielereien, Bratkartoffeln, ein Sommerabendhimmel.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Kelche.

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Wie Neues Bewährtes gefährlich macht (2017: 209)

Steine aus uralten Zeiten.

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Über den tief unten in der Klamm dahinrauschenden Bach führt seit Jahrhunderten eine steinerne Brücke. Niemand weiß mehr, wer sie wann erbaute. So hoch über der Klamm, ohne Kran, ohne Mörtel, verbindet sie die Menschen zu beiden Seiten der Schlucht miteinander. Eines Tages aber wurde sie zu holprig und zu unmodern, und vielleicht auch zu schmal oder zu wenig stabil für den Automobilverkehr. Deshalb wurde nicht weit von der alten, steinernen, eine neue, stählerne Brücke erbaut. Die alte war noch gut genug, um über sie das Baumaterial und dir Maschinen von hier nach da und von dort nach hier zu bringen; doch für den modernen Verkehr war sie nicht geeignet, denn keiner konnte sie berechnen.

Nach der Fertigstellung des Wunderwerkes aus Metall wurden die Zuwege zur alten Brücke abgesperrt. Sie, die jahrhundertelang aushielt, war nun unberechenbar – und Unberechenbares ist unsicher. Nach einiger Zeit begannen in den Fugen zwischen ihren Steinen Gräser und Löwenzahn zu wachsen, die jetzt nicht mehr von Karren-, Fuhrwerks-, Kutschen-, Automobil- und Fahrrädern zerquetscht wurden. Nicht einmal ein einsamer Fußgänger benutzte die steinerne Brücke; sie war ein verbotener, unnützer Koloß geworden.

Als dann die ersten Birken trieben und im Laufe der Jahre zu jungen, kräftigen Bäumen heranwuchsen, sprengten sie allmählich, was jahrundertelang hielt. Eines Nachts stürzte ein Stein aus der Brückenseite hinab in die Tiefe, von niemandem bemerkt. Tage später fiel das ganze Bauwerk mit lautem Getöse in die Schlucht hinab, ließ das Wasser des Baches in der Klamm sich hinter dem Steinehaufen stauen, der lange, sehr lange Zeit hoch oben in der Luft ein vielbenutzter Weg war. Es waren nur wenige Jahre der Nichtbeachtung notwendig, den Einsturz geschehen zu lassen.

Die Stahlbrücke übrigens mußte nach kaum zwanzig Jahren auch erneuert werden …

 

 

Das ist so wahrscheinlich nirgends geschehen. Diese alte Steinbrücke war plötzlich da in ihrer zur Unsicherheit, zur Gefahr gesteigerten Nichtberechenbarkeit.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 28.07.2017 waren gefundene Schlüssel, Blumenkohl und Kartoffeln, leckeres Bier aus einer kleinen Brauerei.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Münzen.

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Das geheimnisvolle Leuchten (2017: 208)

Die Quellsteinsage.

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Im Tale am Schwarzen Wasser, an einer Felswand, findet sich ein Brünnelein, von dem die Sage gehet, es wäre verwunschen und die Badestelle der Waldschrate und Feen. In dem kleinen, zur Gänze aus dem gewachsnen Stein gehauenen Becken an der Quelle liegt ein glitzernder Stein. In dessen geschliffenen Facetten funkelt zwiefach gebrochnes Sonnenlicht: einmal in den Wellen, die sich um das kleine, aber stetige Rinnsal des etwas oberhalb des Beckens aus einem schmalen Spalte tretenden Wassers in fast perfektem Halbkreise ausbreiten, und ein zweites Mal vom Steine selbst. Nur wenn ein Vogel oder ein Reh zuweilen zur Tränke herankommen, oder ein unvorsichtiger Wanderer sich darüberbeugt, um seinen Durst zu stillen, wenn das Tageslicht also verdunkelt ist – oder aber in tiefdunkler Nacht –, wird sichtbar, daß da noch mehr Licht ist: ein Leuchten, welches aus dem Innersten des Steines aufscheint. Woher es kommt? Das hat noch nie jemand erfahren, der das Brünnlein bei lebendigem Leibe wieder verließ. Sein Geheimnis ward noch nicht enthüllt und soll auch erst zutage treten, da der Quell endgültig versiegt.

 

 

Nur der Anfang; die Szenerie stammt aus einem Tagtraum, den ich in der Straßenbahn träumte. Ihr dürft gerne weiterspinnen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 27.07.2017 waren der beendete Papierkram, ein Tagtraum, Vorfreude.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Schwerter.

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Eppich (2017: 207)

Sie und er und kein gutes Ende.

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Sie nannte ihn “Eppich”, denn er war für sie ein Efeu und hatte sogar einen recht passend klingenden Vornamen. Er umgarnte, umrankte sie. Er sorgte mit seinen Wort- und Gedankenblättern für ein ange­nehmes Klima, auch für Schatten und sauberere Atmosphäre. Sie dachte, daß er mit seinen kräftigen Wurzeln ihr Halt geben könnte. Viel zu spät wurde ihr bewußt, daß er sich mit seinen winzigen, aber unzähligen Haftwurzeln an ihr festhielt. Einige drangen in die Risse in ihrer Mauer ein und in die Öffnungen, die sie ihm dargeboten hatte, wuchsen dort weiter und nahmen ihr so die Stabilität. Die anderen, winzig bleibenden, aber unendlich vielen, übertrugen viele kleine Spannungen auf ihre Mauer, störten ihre Standfestigkeit weiter. Und durch des Efeus Blätter drang kaum noch Sonnenlicht zu ihr durch.

Die Erkenntnis, daß er sie nur benutzte, ließ sie nicht zusammen­brechen. Aber er, Eppich, der wie ein Efeu war, hatte ihre Stabilität weit genug zerstört. Sie fiel einfach in sich zusammen. Über den Trümmern wucherte er weiter, auf der Suche nach der nächsten Stütze

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 26.07.2017 waren Mittagsbuffet im Chinesischen Restaurant mit der allerallerallerbesten Freundin, eine fertige Sendung, das gefundene HTML-Sonderzeichen für die bedingte Worttrennung am Zeilenende (codiert als ­).
 
Die Tageskarte für morgen ist das As der Stäbe.

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Rum-Reime (2017: 206)

Traumsprachspiel mit einem Sprachspieltraum.

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Mir träumte letzte Nacht – jawohl,
des Nachts, da darf das sein –
von einem Gläschen Alkohol.
Gab Zuckerstückchen rein
und einen Schluck vom Kaffee, heiß,
und einen kleinen Würfel Eis
und auch noch zwei, drei Heidelbeeren.
Im Traum, des Nachts, im tiefen Schlaf,
da hub ich an, das Glas zu leeren.
Am Tage nämlich bin ich brav.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 25.07.2017 waren ein weiterer erledigter Teil des Papierkrieges, ein kleiner Spaß, Dr. Who am Abend.
 
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Ich spinn‘ mir was zusammen (2017: 205)

Natürlich, alles Spinnerei.

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An einem Tag dreimal unterwegs gewesen. Und mich wiedereinmal geärgert darüber, daß ich beim Betreten dieses Gebäudes noch immer zu zittern beginne und mich total unwohl fühle. Und beim zweiten Gang ärgerte ich mich nocheinmal über meinen Fehler vom Sonnabend: Im Laden hatte ich den betrag von 8 Euro ybsnmhpfzig mit einem 50-Euro-Schein bezahlt; viele Stunden später, als ich erneut etwas bezahlen wollte, merkte ich erst, daß mir nur auf zwanzig Euro herausgegeben wurde. Aber so viele Stunden nach dem Fauxpas ist eine Reklamation dieser Art nicht mehr möglich. Wenn ich bedenke, daß mir das mit einem Zwanziger schonmal passierte und der von mir verlangte Kassensturz dann sogar ein Minus aufwies! Danach habe ich mich wochenlang gegrämt – und doch kann ich diesen Laden nicht meiden. Heute aber ging alles gut. Auch beim dritten Gang, der dann doch noch nötig wurde, weil mein Datenvolumen zur Neige zu gehen drohte, gab es keine Auffälligkeiten. Nur, daß ich jetzt mit einer knallroten Lesebrille am Rechner sitze. (Mal sehn, wann ich davon ein Bild mache.)

Der Tag verging ansonsten mit Bürokratie und Papierkrieg, den ich erledigen mußte. Mit Zettelscannen. Mit dem Digitalisieren von Musikkassetten hier zuhause. Unspektakulär. Nicht langweilig, aber nicht … Er verging wie so viele andere Tage vor und nach ihm. Er brachte mir mit einem schönen Gedanken auch eine bedenkenswerte Frage, eine, die ich mir notiert habe, für unterwegs …

Ein untypischer Montag war es. Und auch der morgige Dienstag wird nicht ganz normal, ich muß wieder zu einer Behörde. Auch das gehört noch zum Papierkrieg. Dann besorge ich mir noch einen ganz bestimmten Vordruck. Und danach, danach kann ich alles kopieren, eintüten und wegschicken. Ich hasse sowas, ehrlich: Behörde C braucht von Behörde A und Behörde B Daten, die sie – weil sie miteinander vernetzt sind – einfach elektronisch einsehen könnten. Aber nein, der Antragsteller muß alles in Papierform von A und B zu C schicken, und alles tatsächlich perönlich bei A und B abholen. Bank- und Steuerdaten rufen sie doch auch überall ab, ungefragt. Und viel einfachere Sachen sind nicht möglich. Ich seh da nicht durch – außer vielleicht … außer es ist beabsichtigt, daß die Anträge und die zugehörigen Unterlagen nicht immer rechtzeitig … Oh, das kann nicht sein.

 

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Der Emil

P.S.: Das Gute am 24.07.2017 waren ein trotzdem geschaffter Behördentermin, ein sehr günstig erstandenes Gerätfür die Musikkassetten, ein vereinbarter Besuch.
 
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Ich geh wieder los (2017: 204)

Die Vorbereitungszeit hat begonnen.

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In Vorbereitung meiner bald wieder stattfindenden Wanderzeit auf dem #oekuweg habe ich mir nun doch eine andere Kartenapp (OSMand) installiert und sogar dafür bezahlt. Der Tag heute verging mit dem Herunterladen von Karten, denn mit dieser App kann ich auch ohne Internetverbindung navigieren, Routen planen und aufzeichnen. Das werde ich in den nächsten Tagen gründlich ausprobieren, so daß mir die Bedienung unterwegs keine Probleme mehr bereiten sollte.

Auch der Rest der Ausrüstung wird langsam zusammengestellt, bereitgelegt. Noch habe ich viel Zeit zum Packen, denn ich werde irgendwann zwischen dem 1. August und dem 6. August (eher Fr/Sa/So) nach Leipzig fahren am frühen Morgen und von dort aus in Richtung Vacha weitergehen. Was ich wie wohin zu packen habe, das weiß ich noch. Und diesmal werde ich mir auch noch ein paar verfügbare GPX-Tracks (von anderen aufgezeichnete Routen) mitnehmen.

Etwas ist anders als voriges Jahr: Diesmal weiß ich, worauf ich mich einlasse, habe schon ein paar Kilometer Pilgerweg hinter mich gebracht. Ansonsten gibt es diesmal nicht viel vorher zu zittern, zu probieren, zu jammern.

 

Aber psssssst! Mir fiel beim Zusammensuchen auf, daß ich noch zwei Dinge vom vorigen Jahr zu erledigen habe, die ich einfach vergaß und verdrängte. Das versuche ich nun mit 11 Monaten Verspätung noch vorm erneuten Losgehen zu erledigen.

 

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Der Emil

P.S.: Das Gute am 23.07.2017 waren leckeres Essen, die Installation der notwedigen Karten, zwei wunderbare Feierabendsterni.
 
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Ich habe noch mehr sonderbare Dinge vor (2017: 203)

Eines davon ist ein für 17 Tage im Voraus geplanter Text

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Kann ich es mir erlauben (im Sinne von: bin ich überhaupt fähig dazu), einen Tag mit dem Bloggen hier auszusetzen? Ich weiß es nicht. Gerade sieht es so aus, als wäre das nicht möglich. Ud wenn ich nach den Gründen dafür suche, dann … Ja, dann finde ich da nur eure von mir vermuteten oder erwarteten Erwartungen. Und ein bißchen Stolz auf mein Durchhaltevermögen ist da aber auch. Nein, nicht als Grund; doch da ist Stolz als Gefühl.

Und indem ich das mitteile, habe ich nun doch etwas Text verfaßt. Und ich bin mir mittlerweile doch sicher, daß ich es mir erlauben darf und kann und werde. Wieder einmal einen Tag ohne Blogtext. Wie am 23. April 2014; das ist jetzt auch schon über zwei Jahre her. Und wenn ich heute sinniere über das Nichtbloggen, dann … Dann ist es zumindest in meinen Gedanken nicht mehr so “erschreckend falsch”.

 

Ob ich den Artikel für diesen absichtlich blogbeitragslosen Tag jetzt doch noch … ich mein‘: einfach so, morgen vielleicht, doch noch veröffentliche, dieses gut gehütete Geheimnis lüfte? Anderes, noch älteres Aufgeschriebene gebe ich ja auch frei. Aber diesen Beitrag?

Ich denke darüber nach. Und wenn mal einen Tag nichts hier erscheint, dann ist das auch in Ordnung. Erst nach 17 Tagen ohne mein Eingreifen wird ab sofort ein schon lange vorbereiteter Text (den ich morgen komplett hochladen werde) automatisch veröffentlicht; das werde ich morgen genau so einstellen. Und dann hoffe ich, daß ich das Umstellen des Planungszeitpunktes nicht zu oft vergesse. Vielleicht widerspricht das diesem Plan – oder vielelicht auch nicht, denn ich habe noch viele Geschichten auf Papier bei mir.

Verdammt viel “doch”.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 22.07.2017 waren Ruhe, ein Sandsacks-Konzert am Saaleufer, leckeres Gekochtes für morgen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Münzen.

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