Kurz und Kürzer (2017: 099)

Vereor multa verba?

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Ich habe mich ertappt.

Ich habe mich ertappt dabei, wie ich aus einer Seite Text (DIN A5, eng beschrieben in untypischer Schrift) zwei Sätze machte. Nur zwei, die dann auch nur eine Hälfte des Ganzen beschreiben. Habe ich jetzt Angst vor vielen Wörtern?

 

Seite einer meiner Kladden.

Seite einer meiner Kladden.

 

Heute habe ich von sehr vielen angenehm anzusehenden Dingen geträumt und auch viele angenehm anzusehende Dinge gesehen. Da waren viele Blüten am Wegesrand zum Beispiel, viele Insekten, Frösche, Vögel, Menschen. Natürlich gibt es auch Häuser, die mir gefallen; keines der heute gesehenen aber würde mir so gefallen, daß ich es besitzen wollte.

Wie ich so sitze und darüber nachdenke, was die Menschen und — nein, was Subjekte und Objekte zu solchen macht, die mir gefallen, die mir gefällig sind, bemerke ich, daß ich da eine grobe Einteilung in vier Kategorien vornehme. Vier Kategorien, vier Wertungs- und Bewertungsstufen. Es scheint mir, daß diese Vierstufigkeit und … die Vierstufigkeit ganz unmittelbar zu meinem Wertekanon gehört und ich sie auf alle möglichen Lebensbereiche anwende. Ja, ich denke, das ist etwas für mich ganz typisches.

Als erstes gibt es nichts, dem ich tatsächlich absolut neutral, also nicht (einmal) wertend, gegenüberstehe. Der Zeiger, zumindest der des Bewertungssystemes, schlägt immer nach einer Seite aus: zugetan oder abgelehnt, gut oder schlecht, häßlich oder schön, eklig oder angenehm. Sobald ich mich mit einem Gegenstand meines Erlebens und Fühlens befasse, gibt es kein neutral mehr.

Mein Wertesystem/Bewertungssystem ist aber kein binäres, keines, das nur uneingeschränkte Begeisterung oder ewige Verdammnis kennt. Nein. Doch was ich wirklich vorbehaltlos als Schön/Gut einordne, das bleibt auch vorbehaltlos Schön/Gut, für den Rest meiner Zeit. Und es verändert seinen Ort auf meiner Werteskala nicht mehr. Deshalb gibt es diese beiden Quarantäne-Zustände: “eher blöd” und “ziemlich hübsch”. Die dort eingeordneten Objekte/Subjekte bleiben für eine bestimmte Zeit dort – aber sie können aufgewertet oder herabgesetzt werden im Laufe der Zeit.

Quattro stagioni, nein, quattuor gradus. Und deshalb kann ich all das hier geschriebene zusammenfassen:

“Alles Hübsche hat seine Zeit. Doch nur wirkliche Schönheit bleibt auf ewig zeitlos schön.”

Getwittert als/unter: [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)]

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 09.04.2017 waren ein Spaziergang, Fieberfreiheit, Gedankenspiele.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Stäbe.

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Alleingang (2017: 098)

Gelesen. Und …

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Eines der in den letzten Tagen gelesenen Bücher war John Erpenbecks “Alleingang” Ich hatte, bevor ich es aufschlug, noch nichts von diesem Autor gelesen, und auch vom Inhalt dieses Werks wußte ich nichts. Aber ich wollte es lesen! — Vieles Beschriebene erkannte ich – als gelernter DDR-Bürger, der auch ein Weilchen studierte – auf Anhieb wieder. Seien es die Wohnungssituation, die Beschaffung von Einrichtung und Geräten. Natürlich kenne ich auch noch die Parteiversammlungen und die verschiedenen Funktionäre der unterschiedlichen Massenorganisationen (FDGB und FDJ; und beim Wort Parteiversammlung war jedem klar, welche der fünf zugelassenen Parteien da zur Versammlung rief) und all die da vorhandenen Einflußmöglichkeiten. Auch die teilweise nur angedeuteten Schwierigkeiten des DDR-Wissenschaftsbetriebes fand ich gelungen und nachvollziehbar beschrieben.

Allerdings habe ich keine Ahnung, wie das Geschilderte auf jemanden wirkt, der all das eben nicht erlebt hat: zu unwahrscheinlich, zu wenig heftig? Obwohl: Literatur kann mir so vieles vermitteln, wenn ich mich darauf einlasse. Und ich bin nicht die einzige lebende Ausnahme. Wieso denke ich über diese Frage nach? Das Leben bei den Beduinen, bei den Indianern und Skipetaren können Karl-May-Leser ja auch … Nachvollziehen? Verstehen? Alles andere wäre doch …

 

Für mich gehört(e) dieses Buch zur Aufarbeitung meiner Vergangenheit, meiner Geschichte. Meine ganz speziellen Erfahrungen mit universitärer Forschung, die ich von 1985 bis 1988 machte, die waren dem Buch ganz ähnlich. Am Ende aber klappte ich es nach dem letzten Satz zu und blieb recht ratlos sitzen. Ich werde es wohl irgendwann ein zweites Mal lesen. Und jetzt, jetzt nehm ich den “Ulysses” wieder zur Hand … Oder was einfacheres. Ich hab ja genug.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.04.2017 waren die Besserung des Männerschnupfens, Post, viel Schlaf.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Schwerter.

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Das Rindenschiffchen (2017: 097)

Der kleine Traumtransporter.

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Im Sommermittag gehen wir in das Wäldchen hinterm Garten, durch das ein munterer Bach mit kühlem, klaren Wasser tollt. Wir liegen in der wärmenden Sonne und lassen uns auf der kleinen Lichtung streifenlos bräunen. Das Gespräch springt von einem zum nächsten Gegenstand. Längst sitze ich schnitzend neben Dir, und aus dem Stück Kiefernrinde in meiner Hand wird ein kleines Boot. Würde ein kleines Boot werden, wären meine Augen nicht immer wieder von Deinem Anblick abgelenkt. Wir erzählen uns von den geheimen Träumen, die wir haben, und von der Unmöglichkeit ihrer Erfüllung. Denn als Freunde sprechen wir zwar darüber, doch erfüllen können wir sie nicht miteinander, ohne diese Freundschaft zu gefährden. Ich schaffe es schließlich doch, zwei dünne Hölzchen als Masten in das fertiggewordene Schifflein zu stecken; Du holst zwei Blätter von einem Strauch, die als Segel dienen sollen.

Wir lassen die Decke und alles andere liegen und gehen nackt, wie wir sind, hinüber zum Bach. Du flüsterst dem Rindenschiffchen einen Traum in das eine Segel, ich einen in das andere. Wir setzen es zu zweit hinter einem Stein aus und lassen es über Sand und Gras und Äste und Moos im Wasser davonhüpfen, gehen ein Weilchen nebenher. Händchenhaltend. Als es irgendwann aus unserem Blickfeld verschwindet, kehren wir auf die Lichtung, in die Sonne zurück. Und Du beginnst, ausgestreckt auf dem Rücken liegend, mir den mitgeschickten Traum zu erzählen. Dabei gleiten Deine Hände über Dich, ich kann nur danebensitzen und den Anblick – mich mühsam beherrschend – genießen. Ich bemerke, daß Du gerade in die erträumte Szene eintauchst, sie miterlebst, sehe deutlich, daß Du sie auf ihr Ende hintreibst mit flinken Fingern, die sich weniger zart und immer fordernder bewegen. Du sprichst nicht mehr, atmest nur noch, hältst die Luft an. Plötzlich wirst Du laut, setzt Dich auf, ohne das Spiel Deiner Hand zu unterbrechen. Und läßt mich diesen Moment in Deinen erstaunten, sehnsüchtigen, feuchten, unergründlichen Augen miterleben.

Wir liegen Arm in Arm, einander festhaltend, in der Sonne. Du zitterst noch leicht, als ich Dir zuflüstere, daß mein per Schiff verschickter Traum soeben in Erfüllung ging. Mit einem verschwitzten Lächeln fragst Du nach Revanche, schließlich sei das unter so guten Freunden so üblich.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen meiner “geheimen” Phantasie.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 07.04.2017 waren eine Hoffnung, ein Traum, ein Lied.
 
Die Tageskarte für morgen ist VIII – Die Kraft..

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Kein Quiz, keine Rätsel (2017: 096)

Viele Fragen zu zwei einfachen Wörtern.

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Gibt es einen Unterschied zwischen » besser « und » gut «?

Wahrscheinlich werden alle diese Frage mit » Ja « beantworten. Ich tu es ja auch.

Besser jedenfalls ist meiner Meinung nach immer vergleichend. Gut ist … Ja, was genau ist denn gut?

Ist das, mit dem ich zufrieden bin, immer (auch) gut?

Könnte, was gut ist, aber nicht immer (noch) besser sein?

Aber: Muß das, was gut ist, besser werden – oder einfach nur so gut bleiben oder vielleicht nur anders gut sein?

 

Gutnicht besser, das ist mein Wunsch, mein Ziel.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 06.04.2017 waren viele geschaffte kleine Dinge, ein überraschendes Geständnis, viele beantwortete und unbeantwortete Fragen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Kelche.

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Mindestens sechs Jahre alt (2017: 095)

Weg vor mir

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Da ist ein notwendiger Weg vor mir. Ich weiß, daß ich ihn gehen muß. Sein Ziel aber ist nicht vorhersehbar. Es kann entweder das sein, was ich erträume, oder etwas, das ich befürchte. Vielleicht erreiche ich, wenn ich diesen Weg gehe, auch etwas ganz anderes, etwas, das ich niemals in Betracht zu ziehen vermochte. Von diesem Weg weiß ich nur um seine absolute Notwendigkeit, nichts mehr. Das macht mir übergroße Angst.

Wärst Du dabei an meiner Seite, wären viele Dinge abseits dieses Weges “erledigt”, und ich würde den Mut und die Kraft für diesen Weg finden.

Heute könnte ich das einordnen in [F.M.: Gehen zu (z)weit (unveröff.)]

 

 

Das Vorsatz der – neben dem Kliniktagebuch – geführten Kladde verbarg auch diesen Zettel lange Zeit vor meinen Augen. Die benutzte Handschrift kann ich zeitlich überhaupt nicht einordnen. Aber ich selbst habe es geschrieben, dessen bin ich mir sicher. Und so ist der Ursprung für den Text oben mindesten sechs, eher aber viel mehr als zehn Jahre alt. Und ich habe keine Ahnung, ob ich schon oder noch auf diesem Weg bin.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 05.04.2017 waren nächtliche Schreibwut, Ausschlafen, eine Menge eingelesener Text.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Drei der Münzen.

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Mittelweg und Mittelmaß (2017: 094)

Eine Luxusfrage schon für Gesunde

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Auf die Kommentare zu meinem gestrigen Text möchte ich gern antworten, doch ich kann es gerade nicht. Kann gerade nicht mehr dazu schreiben als das, was dort steht.

Außerdem … Außerdem quäle ich mich gerade mit viel zu vielen Sorgen herum. Mit Sorgen anderer Leute, denen ich so gern helfen möchte. Doch das ist mir einfach nicht möglich. So leide ich mit – und das bindet ziemlich viele Ressourcen. (Moment. Wie hätte ich das früher ausgedrückt, ohne das Fremdwort: Es schlaucht, es kostet mich Kraft; das vereinnahmt mich mehr, als gut scheint?)

Es ist viel Krankheit (und Tod), viel Geldnot und viel Streit und Ärger in Familien und Bekanntenkreisen da draußen, so viel Angst und (Selbst-)Zweifel … All das trifft mich und ich kann so wenig tun! Lasse ich das “nur” zu nah an mich heran? Sollte ich mich mehr auf meine eigenen Dinge besinnen, beschränken?

Einen Mittelweg habe ich diesbezüglich noch nicht gefunden; deshalb frage ich mich (und euch?): Gibt es für Anteilnahme und Mitleiden diesen (“gesunden”) Mittelweg wirklich, oder ein (gesundes, angemessenes) Mittelmaß – und kann ich als Nicht-Gesunder den oder das überhaupt erkennen, finden und wollen?

Ein Luxusproblem, über das ich hier nachdenke, weil es mir das Herz zerreißt …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 04.04.2017 waren angehörte Töne, eine fertiggestellte Sendung, Nachdenken über die Dimensionen von Anteilnahme und Hilfe und so ’nem Kram.
 
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.

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Schlaflos (2017: 093)

Im Dunklen lauert manchmal das Schwarze Loch.

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Aus dem Entwurfsordner herausgeholt. Das sind meine Gedanken, keine feststehenden Tatsachen, keine allgemeingültigen “Wahrheiten”. Ich beschreibe allerdings (hoffentlich halbwegs nachvollziehbar), was da in und mit mir passiert.

 

Eine halbe Stunde geschlafen und zack! – wieder wach, um halb Eins. Und am Einschlafen hindert mich meine Erinnerung. Ja, ich habe in den letzten Tagen in zwei alten Kladden gelesen, lesen müssen, weil ich auch die ja abtippen will. Aber die wachhaltenden Erinnerungen sind noch älter.

Ich habe diese Systemänderung gewollt und doch nicht gewollt; jedenfalls wollte ich das System verändern, aber nicht dieses hier – dieses mir damals fremde und mir bis heute fremdgebliebene – übernehmen. Das wollte ich nicht, dagegen wollte ich mich wehren, habe ich mich gewehrt; an dem bin ich gescheitert. Ja. Ich bin mit der ganzen Bürokratie nicht fertiggeworden, habe mir weder die Hilfe gesucht, die ich nötig gehabt hätte, noch die angenommen, um die ich nicht bitten brauchte. Irgendwann habe ich meine Augen verschlossen vor dem Haufen, der da zusammengekommen war; ich kam nicht zurecht mit dem, was notwendig gewesen wäre und begann es zu ignorieren. Das war der Beginn des Weges nach unten. Abwärts. In das Schwarze Loch hinein. Tiefer hinein in das, was Depression genannt wird. Das Loch war wohl schon da, mit dem großen Umbruch, den ich so nie haben wollte. Bei dem mir meine Heimat entwendet wurde … Alles danach waren doch nur Folgen davon.

Und die Ergebnisse oder besser Nichtergebnisse dieses Versagens werden mich (und auch andere, ich weiß und fühle mich schuldig) mein Leben lang begleiten. Sowohl die des Systemversagens, die des Versagens der Umgestaltungswilligen als auch die meines ganz persönlichen Versagens, meines Scheiterns am und im ungewollten System. Sie bleiben wirksam mein ganzes Leben lang, auch nach meiner Neuerschaffung, denn sie betreffen nicht nur den Namen der Ausweispersönlichkeit. Sie wirken durch mich, mit mir, in mir, an mir. Täglich. Sie rauben mir nicht mehr jeden Mut, nicht mehr den Schlaf in jeder einzelnen verdammten Nacht, aber immer mal wieder schicken sie ihre Schatten hervor, werfen sie ihre Düsternis über mich. Und dann füge ich natürlich auch noch all das andere dazu: Jeden meiner Mißerfolge, jede Ungeschicklichkeit, jegliche unbedachte Äußerung zähle ich dazu, packe ich mit auf diesen Haufen, der dadurch wächst und wächst und wächst und dann ins Rutschen kommend mich unter sich zu begraben droht. Ich rette mich vorm Verschüttetwerden durch einen Sprung zur Seite oder zurück – und falle ins Schwarze Loch.

Für ein paar Minuten, einige Stunden, für eine Nacht. Um alles loszuwerden, ganz loszuwerden müßte ich auch meine Vergangenheit loswerden und die Folgen meines Handelns in meiner Vergangenheit und nicht nur den, diesen Namen. Ich weiß, daß das ebenso unmöglich ist wie auch nur eine Neu- oder Umbewertung von all dem Geschehenen. Reale Folgen lassen sich nicht um- oder wegbewerten, sie sind. Auch eine Depression ist. Eine Krankheit, wahrscheinlich chronisch wie Diabetes, behandelbar. Ich kenne mittlerweile Wege aus dem Schwarzen Loch heraus. Einer ist Schreiben, das hält mich auch ganz gut vom Alkohol fern. Konkret, sehr konkret schreiben in den Kladden und auf Zetteln, und unkonkret genug in der Öffentlickeit, hier zum Beispiel. Wenn ich mich einigermaßen mitteilen kann, mein Gefühl, meinen Zustand äußern kann, dann habe ich … ja, dann habe ich den Weg nach draußen geschafft.

Und dann kann ich wieder an seinem Rand herumbalancieren. Den Alltag bewältigen, Anteil nehmen, mich hilflos fühlen beim Ahnen von und Wissen um Probleme, die andere Menschen haben, doch helfen und atmen und essen und leben. Mit mehr als nur einer Krankheit und heute offenen Augen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 03.04.2017 waren nächtliche Klarheit, eine interessante Idee und eine Phantasie, die ihrer Möglichkeit entgegenstrebt.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Königin der Kelche.

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Olle Kamellen (2017: 092)

Ich und ich und er und nicht ich.

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Ich sitze zuhause daran, endlich mein Kliniktagebuch vollständig abzutippen und bin gerade beim Reformationstag 2011. In der Nacht auf diesen waren drei Menschen bei mir in der Wohnung zu Gast. Zwei Kinder auf Luftmatratzen, Gespräche im Bad, um keines der Mädchen zu wecken … Damals begann eine Zeit mit ihr, eine schöne Zeit, die nicht hätte enden müssen, wenn es nach mir gegangen wäre. Und mittlerweile hätten die Kinder fünf Jahre Zeit gehabt, sich an mich und meine Marotten, sich an uns zu gewöhnen. Manchmal trauere ich dem noch nach, aber das ist nur eines der Dinge, die seitdem nicht geschahen.

Wenn ich diese alten Texte lese und vor allem davon lese, daß ich mich verschwinden lassen sollte und wieder der Ausweismensch sein sollte, nicht mehr Der Emil sein, sondern nur noch dieser andere, den ich verschwinden lassen mußte um zu überleben … Dann wundere ich mich, wie ich damals so einverstanden sein konnte damit. Wie es möglich war, mir das als erstrebenswertes Ziel vorzustellen. Wie ich zur Überzeugung gelangen konnte, daß das und nur das mir beim Weiterleben ohne Depression hilfreich sein könnte. Ich war mir scheinbar sehr sicher. Oder war ich es doch nicht und habe die Therapeuten und mich (mehr oder weniger bewußt) angelogen? Denn es gelang mir nicht, der Ausweismensch zu werden. Ich lehne ihn nicht mehr kategorisch ab, akzeptiere, daß er ein Teil von mir war und ist. Doch ich bin noch immer Der Emil und niemand anderes weniger als Frank.

Heute könnte ich das gleich gar nicht mehr. Nein, Der Emil wird nicht verschwinden. Und der andere nicht wiederkommen. Ich bin ich und nicht der aus meiner Vergangenheit, im ganzen Gegenteil zu meinem 2011er Versprecher in der Tagesklinik.

 

Ja, das beschäftigt mich gerade sehr. Aber ich schaffe das.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 02.04.2017 waren Gekochtes, Dialoge, Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Stäbe.

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Kein Aprilscherz (2017: 091)

Leben kann auch so zum Lachen bringen.

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Der Tag so voll, mit nachgeholtem von gestern (ich fand meinen Gewinn im Briefkasten mit einem handschriftlichen Brief von Freudenwege, den ich erst heute las) und tätiger Hilfe heute. So viel geschrieben und so viel von dem, was ich in den letzten Tagen schrieb, und von dem, was ich zu Tagesklinikzeiten schrieb, wieder gelesen; und ich las und lese von den Schwierigkeiten, um die ich weiß und die ich nicht so einfach überwinden helfen kann. Der Worte voll bin ich und doch nicht in der Lage, etwas Geeignetes für diesen Blog zu verfassen …

 

Und doch geht es mir zur Zeit ausgesprochen gut. Wir haben heute viel gelacht. Und manchmal, manchmal weiß ich einfach auch nicht wirklich etwas zu schreiben …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.04.2017 waren die verlorene Scheu, Geschenktes, Gedankenaustausch, kein einziger Aprilscherz.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Kelche.

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Vertrauen (2017: 090)

Ein sehr merkwürdiges Ding.

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Heutzutage treffe ich sehr oft Situationen an, in denen Menschen ihrem Gegenüber oder anderen Menschen grundsätzlich nur “Schlechtes” zutrauen (der südländisch aussehende Mensch muß kriminell sein, der Nachbar geht mit einem BGE nicht mehr arbeiten, der Mann am Spielplatz ist ein Kinderschänder, der Obdachlose säuft oder nimmt andere Drogen usw. usf.). Ich habe das aus meiner Vergangenheit anders in Erinnerung. Selbst in der DDR, wo doch jeder zweite ein Stasi-Spitzel war (ich übertreibe bewußt), vertrauten sich die Menschen zunächst, jedenfalls viel, viel häufiger als heute, und unterstellten nicht von vorneherein unlautere Absichten. Mich verwundert das immer öfter, denn ich weiß nicht, wann und wieso sich das so gravierend ändern konnte. Wie können denn Menschen heute und in Zukunft noch miteinander leben, wenn sie sich nicht mehr vertrauen? Das ist ja sogar bei Pärchen zu sehen: da schnüffelt sie in seinem Handy und er auf ihrem fakebock-Profil …

Vertrauen also in den Menschen mir gegenüber, und zwar unabhängig davon, wie der aussieht, unabhängig vom zu überbrückenden Weg zwischen uns und der dazu genutzten Technik. Vieles hängt schon ab von meiner Benennung des Gegenüber. Nenne ich ihn Asylant, Jobcentermitarbeiter, Gerichtsvollzieher, Nazi, Muslim – oder bleibe ich bei Weib und Mann, Frau und Herr oder einfach nur Mensch? Für mich ist das Vertrauen etwas absolut Notwendiges! Und deshalb trete ich auch jedem mit einem Urvertrauen oder Grundvertrauen gegenüber: ein Vorschuß, der sehr schnell aufgezehrt sein kann – manchmal reicht da eine einzige unbedachte Geste, ein unerwartetes Wort. Und trotzdem glaube ich zunächst an das Gute im Menschen, vertraue ihm. Wenn mir dann (vielleicht im Gegenzug?) Vertrauen geschenkt, entgegengebracht wird, dann nehme ich das als Geschenk wahr. Manchmal als kleines, manchmal als sehr großes, je nachdem, wie sich dieses Vertauen zeigt. Ja, in den allermeisten Fällen empfinde ich mir solches Vertrauen mir gegenüber als Vorschuß, den ich gerne zurückgebe.

Was dieses Vertrauen ist? Nun, die Hoffnung/Erwartung/Annahme, daß Menschen mir menschlich und freundlich und ohne Argwohn und ohne Falsch begegnen, so wie ich ihnen auch begegne. Daß wir nicht den anderen übervorteilen, daß wir nicht Intrigen spinnen und Geringschätzung meisterhaft verbergen. Auch Verschwiegenheit und Zuverlässigkeit, Verläßlichkeit gehören zu den Dingen dazu. Aber Vertrauen kann ich nicht fordern, nicht erzwingen – vielleicht hat es für mich deshalb immer den Geschenkcharakter. Im Internet bin ich mißtrauisch, vertraue ich (insbesondere Websites) kaum; aber Personen (die hinter einem Account stehen zB), Personen schenke ich mein Vertrauen recht schnell, eigentlich von Anfang an. Blauäugig sei ich, wurde mir deshalb schon unterstellt. Das aber kann ich wahrheitsgemäß bestreiten. Meine Augen sind grün-grau.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 31.03.2017 waren endlich gekauftes Seil für ein Cingulum, leckeres Bier zum gelungenen Buchfink.
 
Die Tageskarte für morgen ist der Bube der Schwerter.

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Immer in mir (2017: 089)

Und falls Du das liest …

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Wieviele Jahre ist das jetzt her? Zu viele, denke ich, und erinnere mich an Dich. Von Deinen Augen war ich immer fasziniert, weißt Du das noch? Wir lachten oft miteinander. Über unsere Witze und Mißverständnisse. Über komische Szenen auf der Straße. Manchmal auch nur einfach vor Glück. Tja. Irgendwann war das alles nicht mehr möglich. Kein Lachen, kein Blick in die Augen, keine Witze. Auf die Straße gingen wir auch nicht mehr, nicht mehr gemeinsam zumindest. Oder vielleicht doch gemeinsam, denn wenn ich gehe, bist Du immer bei mir,immer noch, warst Du ja auch vor Jahren schon. Andere tragen Bilder in ihren Portemonnaies oder neuerdings in diesen hochmodernen Telefondingern. Ich hatte und habe das nicht nötig, denn Dein Bild, Du! warst immer in mir. Im Kopf, im Herz. Jederzeit. Selbst in den ganz dunklen Zeiten, selbst dann, wenn ich mich kaum an etwas erinnern konnte.

Und nun? So viele Jahre sind vergangen. Ohne Dich hätte ich sie nicht überlebt. Nun ja, ohne meine Erinnerungen an Dich, an uns. Ohne Deine Augen. Ohne die Sätze, die Du sagtest und die ich nie vergaß und auch nie vergessen werde. Immer mit dem letzten Satz im Ohr, den Du zu mir sagtest, vor so vielen Jahren. Freunde, sagtest Du, Freunde können wir bleiben, aber keinesfalls mehr. Ach, was hätte ich mich gefreut, wenn wir Freunde geblieben wären, all die Jahre hindurch. Vielleicht wärest Du dann heute nicht ganz so blaß in meiner Erinnerung. Doch Deine Augen, die vergesse ich nie. Und unser Lachen auch nicht.

Und falls Du das hier liest …

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 30.03.2017 waren ein völlig überraschtes Freugesicht, ein besonderer Anruf, Erinnerungen.
 
Die Tageskarte für morgen ist XIV – Die Mäßigkeit.

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Summender Baum (2017: 088)

Beim erfundenen Geschichtenerfinden

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Neben der Bank summt es gewaltig in der Weide, die in voller Blüte steht. Da sind Bienen, Hummeln und Schwebfliegen unterwegs, ganz verschieden große Hummeln und Bienen und andere der gestreiften Tiere, vor denen ich normalerweise Angst habe. Trotzdem beruhigt mich das Geräusch heute, macht mich beinahe ein wenig schläfrig. Die Wärme, mit der die Sonne auf meinen Rücken … brennt ist es noch nicht ganz, aber doch: Es wird unter meinem schwarzen Hemd ziemlich warm, ich schwitze sogar. Vor mir im Teich sind Frösche und Kröten unterwegs – sich paarende Tiere und solche mit Laichpaketen auf dem Rücken – und singen lauthals ihre schönsten Lieder. Auf meinen Knien liegt die Kladde, ich drehe den Stift unschlüssig hin und her.

Es will mir nichts einfallen, das Summen in der Weide “macht die Birne weich”, wie es so schön heißt, und die Wärme der Sonne tut ihr Übriges dazu. Ich merke, daß ich öfter einnicke; auf der aufgeschlagenen Seite finden sich schon Krakelstriche. Boah. Jetzt sitze ich alleine auf der Bank, die Dame, die Enten gefüttert hat, ist weg. Also packe ich die Kladde ein und lege mich lang. Nur für zehn Minuten, denke ich, schlafen hier in der Frühlingssonne. Die Weide macht ein so beruhigendes Geräusch. Zehn Minuten nur …

Nach diesen zehn Minuten aber scheint weit mehr Zeit vergangen zu sein. Der Schatten der noch immer summenden Weide fällt auf mich. Vom Teich her quakt es lauter. Zwei Kinder spielen mit einem Ball, eine junge Frau steht daneben und schuckelt den Kinderwagen. Ich stehe kurz auf, recke mich ein wenig, reibe mir den Schlaf aus den Augen. Da kommt mir auch schon eine Idee, die ich aufschreiben kann. Und genau das mache ich. Langsam füllen sich erst eine, dann eine zweite und schließlich eine dritte Seite mit meiner krakeligen Mischung aus Sütterlin- und Kurrentschrift. Nein, es ist keine Geschichte für den Blog geworden, jedenfalls nicht für diesen hier. Ich muß sie noch etwas schleifen, ein paar Konstruktionen verbessern. Mal sehen, was daraus wird.

Auf dem Heimweg gehe ich schnell noch zum Discounter und hole mir zwei Tafeln Schokolade mit Pfefferminzcremefüllung.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 29.03.2017 waren ein gesehenes Sofagespräch, ein wenig Kopfkino, eine andere Geschichte.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Acht der Stäbe.

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Plötzlich Nacht (2017: 087)

Von Träumen träumend.

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Ganz plötzlich ist es Nacht und draußen ist es dunkel. Und neben mir ist zuviel Platz für all die Leere, die meine Sehnsucht mit sich trägt. Müde sende ich der Einsamkeit ein Valet und gleite hinein in meine Träume von anderen Träumen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 28.03.2017 waren gute Musik, leckeres Essen, viel Gescanntes.
 
Die Tageskarte für morgen ist der König der Münzen.

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Ein guter Tausch (2017: 086)

Ein schöner Tag

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War es richtig, hierher zu gehen? Hierher nach, Roskow? Frank Holstenbrock beachtete die kleine Universitätsstadt kaum, durch die er jetzt hinschlenderte, mit sich und seinen Fragen Beschäftigt. Sein Blick glitt achtlos ab an den kühn geschwungenen mittelalterlichen Straßenzügen, an den meisterlich gefügten Fachwerkhäusern, an den vielfältig gechnitzten Fassaden.

Aber forschend beobachtete er die vorbeieilenden Menschen, scharf faßte sein Blick jedes offene Fenster, jedes einladend geöffnete Portal, die Rosensträucher, die hier überall die Haustore zierten, die rot- und blautupfigen Blumenfenster. Das alles nahm er als Zeichen warmen, tätigen Lebens. Und immer wieder die Frage: Wird er hier leben und arbeiten können, Wärme und Heimat haben, Freunde gewinnen, das vor allem?

Es war ein strahlender, sonniger Herbstnachmittag, der Wind schob erstes Laub in denn Rinnsteinen zusammen. Ein Hauch Trauer in der wohltuenden Schönheit des Tags.

John Erpenbeck: Alleingang. S. 7. Im Buchclub 65 erschienen
© Mitteldeutscher Verlag Halle(Saale) 1974
Vorzugspreis für Abonnenten: 4,80

 

 

Eines von fünf Büchern, die ich heute im verfrühten Gegenzug zu den abends elf hineingestellten schon am Vormittag aus der Büchertelefonzelle mit nachhause nahm. Nach meinem Besuch im Jobcenter, bei dem ich – ich weiß nicht, was dort heut los war. Am Freitag nachmittag nämlich fand ich einen Brief vom “Amt” in meinem Briefkasten, der mich für genau diesen Tag 11 Uhr in eben jedes Amt einlud. Ich sehe wirklich jeden Tag nach Post, meist beim heimkommen. Am späten Nachmittag oder am Abend. Aber wie soll ich zu einem Termin gehen, von dem ich nichts weiß? Alles halb so wild war es dann heute: Ich ging lächelnd und lachend dort raus (mehr vielleicht später). Und dann sah ich, wie jemand Bücher in die Zelle stellte. Meine hatte ich zwar zusammengepackt, aber doch zuhause stehenlassen …

Danach gab es das eine und andere im Radio zu klären, ich war zur Dienstberatung und zum Technikertreffen, die es jede Woche gibt. Auch dort gab es nur Gutes zu erfahren. In der Straßenbahn heimzu hatte ich ein erfrischendes Gespräch mit einer Unbekannten (und da erinnerte ich mich auch an diese eine Frau, mit der ich öfter in der Straßenbahn saß auf der Fahrt in die Tagesklinik – was wohl aus dieser geworden ist). Und dann brachte ich meine Bücher auch noch in die Büchertauschtelefonzelle (und es war ein guter Tausch), war noch einkaufen und hatte vorm Haus noch zwei nette Unterhaltungen.

Und vorhin begann ich, den “Alleingang” zu lesen. Wieder bin ich mit drei verschiedenen Büchern gleichzeitig beschäftigt, wieder sind es ganz unterschiedliche Genres, zu denen diese Bücher gehören. Ach, ich glaube, dieses Buch wird zu denen gehören, die bei mir bleiben, so gut gefäät mir schon sein Anfang.

Ach, gewonnen habe ich heute auch noch! Die Freudenweg freut sich über 400 Follower und nun bin ich derjenige, der ein kleines Säckchen mit Steinen erhalten wird. Hach! Ich, der ich … Naja, wie soll ich auch gewinnen, wenn ich so selten an Verlosungen u.ä. teilnehme. Vielleicht versuche ich es doch öfter, in Zukunft?

Und: Ein Paket mit Büchern ist seit heute unterwegs zu mir. Gut, die sind nicht für mich, sondern für einen Freund, der sich gerade in ein ganz bestimmtes Thema verbeißt – und die Bücher passen eben zu seinem Thema. Dank Twitter ist das schon das zweite Buchpaket von ihr, das ich erhalte …

 

Und vielleicht, aber nur ganz vielleicht, gelingt es mir bald auch, meine große, leicht traurige Sehnsucht etwas zu besänftigen oder besänftigen zu lassen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 27.03.2017 steht alles hier oben drüber.
 
Die Tageskarte für morgen ist VII – Der Wagen.

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Schatten an der Wand (2017: 085)

Stundenlang starrte ich sie an.

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Ein Frauenschatten an der Wand. Auf dem rechten Arm vielleicht ein Ball?

Der Schatten ist’s nur, der an der Wand zu sehen ist.
Ein Frauenschatten. Auf dem rechten Arm vielleicht ein Ball?

 

Wie sie da steht! Nicht nackt, nein – aber die vollen Brüste mit den durch das Turnhemd sichtbaren Brustwarzen stehen unnatürlich halbkugelnd und der Schwerkraft trotzend vor ihr. Das Haar hat sie streng nach hinten gekämmt und dort zu einem waagerecht ovalen Knoten gebunden. Die Turnhose wirft Falten am Übergang vom runden, fest scheinenden Po zum Bein; und vorn trifft das in der Hose steckende Hemd mit der oberen Grenze der Schambehaarung zusammen. Stramme Oberschenkel, kräftige Waden und große, wirklich große Füße geben ihrem Stand bei geschlossenen Beinen unerschütterlichen Halt.

Einen Ball hält sie mit der Rechten an ihrem Oberarm gepreßt, durch diese Haltung wird das perfekte Rund der rechten Brust nicht im mindesten verformt. Diese Taille! Sie lenkt ab auch von den viel zu groß wirkenden Händen. Einen seltsam gebundenen Blumenstrauß zeigt sie mir mit links.

Es stimmt vieles nicht an dieser Frau, meine ich – und doch ist sie als Frau schön mit ihrem androgynen (?) Gesicht, lädt mich ein, lange vor ihr zu sitzen und sie zu betrachten, ganz unverschämt, und sie zu fotografieren …

 

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